https://www.faz.net/-gtl-zzrw

Patrick Magyar, Direktor von „Weltklasse Zürich“ : „Der Spitzensport droht in einer Zwiespältigkeit zu versinken“

  • Aktualisiert am

Olympiasieger Usain Bolt - ein Zugpferd des Meetngs in Zürich Bild: REUTERS

Seit 2007 ist Patrick Magyar Direktor des Leichtathletik-Meetings „Weltklasse Zürich“, bei dem am Freitag auch der dreimalige Olympiasieger Usain Bolt an den Start gehen wird. Im F.A.Z.-Interview spricht er von den Wünschen der Zuschauer, dem Drang der Athleten nach Bestzeiten und dem Stigma des Verdachts.

          Seit 2007 ist Patrick Magyar Direktor des Leichtathletik-Meetings „Weltklasse Zürich“, bei dem am Freitag auch der dreimalige Olympiasieger Usain Bolt an den Start gehen wird. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er von den Wünschen der Zuschauer, dem Drang der Athleten nach Bestzeiten und dem Stigma des Verdachts.

          Was hat Sie mehr überrascht in Peking: die Dominanz der Jamaikaner oder die Schwäche der Amerikaner im Sprint?

          Eine generelle Schwäche der Amerikaner habe ich so nicht gesehen. Die USA haben zur Zeit nur einen Topsprinter – Tyson Gay. Der war verletzt, und es hat in der Vorbereitung eben nicht mehr ganz gereicht.

          Patrick Magyar (im vergangenen Jahr mit Sanya Richards): „Es kann auf die Dauer nicht sein, dass Athleten bei uns starten, die ganz andere Voraussetzungen haben”

          Und Jamaika?

          Gerade Usain Bolt ist keine Überraschung. Aber bei den Frauen hatte ich die 100-Meter Siegerin Shelly-Ann Fraser nicht auf der Rechnung. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so schnell (10,78 Sekunden, die Redaktion) laufen kann.

          Welche Gefühle haben die unglaublichen Leistungen von Usain Bolt bei Ihnen ausgelöst?

          Wenn ich jetzt sage: das finde ich supertoll, dann heißt es: der Magyar ist entweder naiv oder der will es nicht besser wissen. Wenn ich sage: der Bolt ist doch voll gedopt, dann heißt es: der Magyar ist ein Idiot. Das ist im Moment das Problem, das sich hinter jeder Spitzenleistung verbirgt. Ob das nun Bolt, Phelps, oder wer auch immer ist. Der Sport allgemein ist in der Gefahr, in einer Zwiespältigkeit zu versinken. Ich verfolge Bolt, seit der fünfzehn ist. Wenn man sieht, wo Bolt im Vergleich zu Spitzensprintern wie Asafa Powell, Tyson Gay oder Donovan Baily in diesem Alter schon stand, dann kann man sogar erwarten, dass er noch etwas schneller laufen kann. Er ist eben nur die 100 Meter bislang selten gelaufen. Es ist eine interessante Philosophie, einen Athleten über die 200 an die 100 Meter heranzuführen. Athleten mit diesem Hintergrund verlieren ihr Tempo nicht im gleichen Maße verlieren wie die anderen. Und das Faszinierende bei Bolt ist, wie lange er sein Tempo halten kann.

          Wann haben Sie Bolt verpflichtet?

          Schon letztes Jahr. Er ist seit Jahren das größte Talent und Juwel, das die Leichtathletik hat, außerdem hat er denselben Sponsor, der auch unser Meeting sponsert.

          Sie werden bei einem dreifachen Olympiasieger aber tiefer in die Tasche greifen müssen.

          Selbstverständlich. Aber wir machen das grundsätzlich so, dass wir Verträge, die günstig waren, weil sie schon früh zustande gekommen sind, nach großen Leistungen aufbessern.

          Ist es für Sie von Vorteil, wenn unmittelbar vor Ihrem Meeting fünf Weltrekorde fallen? Braucht Zürich Weltrekorde?

          Die statistische Wahrscheinlichkeit für einen Weltrekord liegt bei einem Meeting in zehn Jahren. Da ist es egal, was vorher war. Ich weigere mich ganz konsequent, Rekorde anzukündigen. Einerseits wird gejammert: Das sind doch alles Doper, andererseits wird immer von Weltrekorden gesprochen. Das passt nicht zusammen. Der Kampf der Besten ist die Hauptsache, der Weltrekord ein Nebenprodukt. Die Weltrekorde von Peking sind fast alle in Schnellkraft-Disziplinen erfolgt. Das sind keine Rekorde, die sie als Veranstalter beeinflussen könnten – mit Tempomachern etwa.

          Sie sind im vergangenen Jahr mit einem neuen Konzept angetreten. Keine Tempomacher mehr, keine Rekordjagden, dafür Duelle der Besten. In diesem Jahr gibt es wieder eine Kurskorrektur. Warum haben Sie so schnell aufgegeben?

          Weitere Themen

          Stäbler muss in die Hoffungsrunde

          Ringen : Stäbler muss in die Hoffungsrunde

          Das vierte Gold in der vierten Gewichtsklasse sollte es werden, doch Frank Stäbler muss seine Sieg-Hoffnungen früh aufgeben. Immerhin macht die Hoffnungsrunde Mut. Besser läuft es für Denis Kudla.

          Der Auspuff ist abgesägt

          IAA-Demonstrationen : Der Auspuff ist abgesägt

          In Frankfurt sammeln sich Tausende, um für eine klimafreundliche Verkehrswende zu demonstrieren. In den Messehallen hat dagegen der Besucheransturm auf die Automobilausstellung begonnen. Der BDI-Chef verteidigt die Autoindustrie – und die SUVs.

          Topmeldungen

          Nach Interviewabbruch : Es bleiben viele Fragen an Höcke

          Die Aufregung über den Interview-Abbruch und die Drohungen von Björn Höcke verstellt den Blick auf die eigentliche Frage: Wes Geistes Kind ist der AfD-Politiker?

          Nicht die Jungen überzeugen : Der FC Bayern und seine alte Achse

          Löw hat’s gesehen: Die Münchener spielen gegen Leipzig zumindest eine herausragende erste Halbzeit. Das liegt vor allem an den Routiniers. Neuer, Boateng, Müller und Lewandowski halten die Zeit an.
          Der Hausarzt: Klaus Reinhardt in seiner Bielefelder Praxis

          Neuer Ärztepräsident : Der doppelte Reinhardt

          Der Mann ist Hausarzt mit Leidenschaft. Aber Klaus Reinhardt ist immer nur montags in seiner Bielefelder Praxis. Sonst macht er Politik in Berlin – als Präsident der Bundesärztekammer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.