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Lange gewinnt Ironman Hawaii : „Das ist, wovon ich immer geträumt habe“

Am Ziel seiner Träume: Patrick Lange gewinnt den Ironman Hawaii. Bild: dpa

2016 landete er völlig überraschend auf Platz drei. Nun gewinnt Patrick Lange den Ironman Hawaii. Obwohl er schon aufgeben wollte, stellt der Deutsche noch einen beeindruckenden Rekord auf.

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          Ein dritter Platz auf Hawaii ändert vieles im Leben eines Triathleten. Der Darmstädter Patrick Lange hat das eindrucksvoll erfahren. Im vergangenen Oktober hatte der damals 30-Jährige bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Big Island ein Rennen geliefert, das nicht nur die Konkurrenz verblüffte, sondern auch ihn selbst. Das zu Herzen gehende Foto, wie er – überwältigt vor Glück – als Dritter über die Ziellinie in Kailua-Kona lief, gehört seither zum Bilderschatz des größten aller Triathlons. Nach 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren hatte Lange damals elf Minuten Rückstand auf seine beiden Landsleute Jan Frodeno und Sebastian Kienle, die sich gemeinsam auf den abschließenden Marathon machten. Von Platz 23 schob Lange sich immer weiter nach vorn, in keiner Phase schien er an Geschwindigkeit zu verlieren, und am Ende kam er sogar Kienle noch einmal nahe, der seinen zweiten Platz hinter dem erschöpften Sieger Frodeno so eben über die Zeit retten konnte. Ein paar Kilometer weiter, und Lange hätte ihn wohl überholt.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Sein Rückstand auf Frodeno betrug am Ende nur 4:44 Minuten, wobei Lange sogar noch eine fünfminütige Zeitstrafe auf der Radstrecke abgesessen hatte. Der Darmstädter sorgte zusätzlich für Schlagzeilen, weil er einen 27 Jahre alten Streckenrekord geknackt hatte. In 2:39:45 Stunden war er den Marathon 19 Sekunden schneller gelaufen als der legendäre Mark Allen vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Lange war das fast peinlich, er eilte nach der Nachricht vom Rekord zu Allen, der im Ziel die Läufer empfing, und „entschuldigte“ sich für seinen Superlauf. Mark Allen, mittlerweile 59 Jahre alt, der zwischen 1989 und 1995 den Ironman Hawaii sechsmal gewonnen hatte, gratulierte ihm ohne Zögern.

          Das alles war vor einem Jahr. Am Samstag stand der Darmstädter auf Hawaii wieder am Start – und gewann! „Das ist, wovon ich immer geträumt habe. Das ist nicht wahr, das ist so großartig“, sagte Lange, der mit der Deutschland-Fahne in der Hand fast ins Ziel gestolpert wäre: „Das ist Gefühls-Achterbahn hoch Tausend.“ Lange verwies den Kanadier Lionel Sanders mit 2:27 Minuten Vorsprung auf den zweiten Platz und stellte in 8:01:39 sogar einen Streckenrekord auf. Dritter wurde der Brite David MacNamee vor Kienle. Frodeno quälte sich mit schmerzendem Rücken mit über eine Stunde Rückstand in 9:15:44 Stunden ins Ziel.

          In einem denkwürdigen Rennen, bei dem sich Titelverteidiger Frodeno kurz nach dem Wechsel mit Schmerzen sogar für einige Minuten auf die Laufstrecke hinsetzen musste, holte Lange beim abschließenden Marathon mehr als zehn Minuten auf. Wenige Kilometer vor dem Ziel übernahm er erstmals die Führung in dem Rennen und gab sie bis zum Ziel auf Ali'i Drive nicht mehr ab. Dabei hatte auch er im Rennen Probleme. „Ich wollte aussteigen, weil ich richtig scheiß Beine hatte“, sagte er dem ZDF. Lange ist nach Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006), seinem jetzigen Trainer Faris Al-Sultan (2005), Kienle (2014) und Frodeno (2015/2016) der sechste Deutsche, der auf Hawaii siegt.

          Von links nach rechts: Brite David McNamee, der Deutsche Patrick Lange und Lionel Sanders aus Kanada Bilderstrecke

          In dem einen Jahr nach seinem überraschenden dritten Platz hatte sich eine Menge geändert für ihn. Lange fand Sponsoren, er hat jetzt einen Manager: den Darmstädter Jan Sibbersen, der auf Big Island ebenfalls am Start war, nicht mehr als Profi wie zu seinen besten Zeiten, als er der beste Schwimmer unter den Ironman-Athleten war, sondern als Altersklassen-Athlet. Im vergangenen Jahr hatte sich Lange noch ein Zeitfahrrad leihen müssen für den harten Kurs auf Hawaii, jetzt steht er – wie Frodeno und der mehrmalige Zeitfahrweltmeister Tony Martin – beim Koblenzer Hersteller Canyon unter Vertrag. Langes Trinkflasche, sie stammt aus einem 3D-Drucker, ist jetzt ebenso Hightech wie sein Lenker, ein Prototyp.

          Vieles hatte sich zum Guten gewendet für Lange nach seinem spektakulären Rennen auf Hawaii im vergangenen Jahr. Deswegen zählte er, anders als noch im Oktober 2016, schon vor dem Rennen zu den heißesten Anwärtern auf den Sieg. Aber es gab auch Rückschläge. Lange plagte sich zu Saisonbeginn fast drei Monate lang mit einem Knochenmark-Ödem im Fuß herum. Drei Monate ohne vernünftiges Training, das ist eine Menge in dieser Sportart, die nicht nur aus einer, sondern aus drei Disziplinen besteht – und aus einem riesigen Trainingsaufwand. Lange bekam bei der Ironman-EM in Frankfurt im Juli die Nachwirkungen der Verletzung zu spüren. Bei Kienles überzeugendem Sieg wurde er Sechster – und litt auf der Laufstrecke wie selten zuvor. Doch seither lief es wieder gut. Der Darmstädter konnte wieder trainieren wie gewohnt, konnte „die Waffen schärfen“, wie er das nennt, er gewann die Halbdistanz auf Rügen. Die Krönung gab es nun: Patrick Lange ist der Ironman von Hawaii 2017.

          Ryf gelingt Titel-Hattrick auf Hawaii

          Daniela Ryf hat zum dritten Mal nacheinander die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii gewonnen. Die 30-jährige Schweizerin setzte sich am Samstag (Ortszeit) in Kailua-Kona in 8:50:47 Stunden klar vor der 24 Jahre alten Britin Lucy Charles (+8:51 Minuten) durch. Dritte über die Distanz von 3,8 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen wurde die Australierin Sarah Crowley (34/+10:51). (dpa)

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