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Im Gespräch: Pascal Roller, Basketball-Gewerkschafter : „Höhere Spielergehälter – das ist nicht unser Ziel“

  • -Aktualisiert am

Spieler und Interessenvertreter der Spieler: Pascal Roller Bild: picture-alliance/ dpa

Pascal Roller sitzt im Vorstand der Spielergewerkschaft SP.IN. Die verlangt Tarifverhandlungen mit den Vereinen. Beim All-Star-Day der Basketball-Bundesliga verzichtet die Gewerkschaft aber auf Proteste – verspricht der Spielmacher der Skyliners.

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          Pascal Roller sitzt im Vorstand der Spielergewerkschaft SP.IN. Beim All-Star-Day der Basketball-Bundesliga am Samstag verzichtet die Gewerkschaft auf Proteste – verspricht der Spielmacher der Skyliners.

          Herr Roller, kommt es in Mannheim beim sogenannten All-Star-Day der Basketball-Bundesliga zum Eklat durch die Spielergewerkschaft, wie manch einer erwartet?

          Nein. Das All-Star-Spiel ist ein Superereignis mit großer Bedeutung für unsere Sportart. Es läge uns völlig fern, diese Veranstaltung in irgendeiner Form zu beschädigen.

          Dennoch: Mit welcher Aktion werden die Spieler ihre Interessen an exponierter Stelle vertreten?

          Eine Möglichkeit wäre gewesen, in der Begegnung die ersten beiden Angriffe nicht auszuspielen. Eine T-Shirt-Aktion mit entsprechendem Aufdruck, die über das Fernsehen zur Geltung kommt, ist ebenfalls in Erwägung gezogen worden. Aber dazu wird es jetzt nicht mehr kommen.

          Wieso?

          Wir haben in dieser Woche kommuniziert, dass schon ein oder zwei Bundesliga-Vereine ausreichen würden, die mit gutem Beispiel vorangehen und dazu bereit sind, sich mit uns an einen Tisch zu setzen. Wir haben es sehr bedauert, dass es bisher keine Chance gab, konstruktive Gespräche zu führen. Doch an diesem Mittwoch hat ein Bundesliga-Manager eines Klubs aus dem oberen Tabellendrittel zugesagt, in der kommenden Woche in Tarifverhandlungen mit der Spielergewerkschaft zu treten. Das freut uns sehr. Vor kurzem stimmten die Vereinsmanager noch mit 10:8 dagegen, Gespräche mit der Gewerkschaft aufzunehmen.

          Kommt dieser Verein etwa aus Frankfurt?

          Nein.

          Welche Ziele verfolgt die Gewerkschaft?

          Letztlich das, was eine Gewerkschaft erreichen will: Dass es zu Tarifverhandlungen kommt mit Themen, die speziell im Basketball sinnvoll sind, wie zum Beispiel die Arbeitszeit. Dort geht es vor allem um die Abstimmung zwischen Saisonlänge und Nationalmannschaftswettbewerben. Der großen Nachfrage seitens der Spieler, über Weihnachten eine Pause zu machen, wurde bereits stattgegeben. Die Basketball-Bundesliga versucht, Standardverträge durchzusetzen. SP.IN möchte, dass in diesen Standardverträgen die Rechte der Spieler berücksichtigt werden. Zurzeit ist das wenig bis gar nicht der Fall. Ein anderer Punkt sind die medizinischen Kontrollen vor der Saison. Einige Teams führen diese noch nicht durch. Auch die Bildrechte der Spieler werden traditionell an die Vereine und die BBL abgetreten, da besteht Klärungsbedarf.

          Wie stark ist denn die Spielergewerkschaft in Deutschland?

          Wir sind mehr als genug Mitglieder. Es gibt wesentlich kleinere Gewerkschaften. Der eine oder andere Bundesliga-Manager ist erstaunt darüber, wie groß der Anteil ausländischer Spieler bei uns ist. Der Leverkusener Guard Tyrone McCoy saß zum Beispiel jahrelang im Vorstand.

          Aber ein Ziel der Gewerkschaft ist doch, dass mehr deutsche Spieler zum Zuge kommen sollen, um den Nachwuchs besser zu fördern.

          Richtig. Schnellstmöglich sollten sechs deutsche Spieler in einem Bundesliga-Kader stehen. Davon würden viele Seiten profitieren. Wenn zum Beispiel weniger Amerikaner zugelassen wären, würde das ihre Verdienstmöglichkeiten enorm steigern.

          Geht es der Spielergewerkschaft auch um die Erhöhung der Gehälter?

          Nein. Wir sind sogar bereit, gewisse Gehaltsobergrenzen zu akzeptieren.

          Wie gewerkschaftsfreundlich ist Skyliners-Geschäftsführer Gunnar Wöbke?

          Das weiß ich nicht. Es ist auch nicht meine Aufgabe, Manager aufklären zu müssen.

          Hatten Sie schon Nachteile durch Ihre Tätigkeit in der Gewerkschaft?

          Ich habe negative Erfahrungen in dem Sinne gemacht, dass der eine oder andere enttäuscht war oder sich abgewendet hat, weil er über bestimmte Dinge nicht aufgeklärt war. Ich hoffe, ich stehe mit meinem Namen dafür, keine unüberlegten Entscheidungen zu treffen.

          Waren Sie in der vergangenen Saison bei Ihrem Engagement in Biella auch Mitglied in der italienischen Spielergewerkschaft?

          Ja. Wenn man in Italien einen Spielervertrag unterzeichnet, ist man automatisch in der Gewerkschaft. Von ihr habe ich Post erhalten, in der stand, welches Gehalt ich bekomme und in welchen Raten es ausgezahlt wird. Das ist eine enorme Sicherheit für die Spieler. Zudem wird kontrolliert, dass die Vereine nur Spieler verpflichten, die sie sich auch leisten können. So wird Wettbewerbsverzerrung vermieden. Im Vergleich dazu ist Deutschland noch am Anfang – aber schon wesentlich weiter als vor zwei, drei Jahren.

          Ist der Gewerkschaftsfunktionär Roller vom Typ her anders als der Spieler?

          Eigentlich nicht. Ich bin nicht auf Konfrontation aus.

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