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Paralympics in Tokio : Spiele für barrierefreies Denken

Ein kleines Flugzeug auf der Rollbahn des Para-Flughafens bei der Eröffnungsfeier der Paralympics Bild: Reuters

Mit der Eröffnungsfeier heißt die Stadt Tokio die Paralympischen Spiele willkommen – zum zweiten Mal. In der Vorbereitungsphase habe ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden, sagt die Präsidentin des Organisationskomitees.

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          Als erste Stadt in der Welt hat Tokio am Dienstag zum zweiten Mal nach 1964 die Paralympischen Spiele der Behindertensportler willkommen geheißen. „Tokio schreibt Geschichte“, sagte die Präsidentin des Organisationskomitees, Seiko Hashimoto. Auch anderweitig brechen die Spiele Rekorde. Mit 4403 Athleten sind mehr Teilnehmer dabei als beim bisherigen Hochstand in Rio de Janeiro vor fünf Jahren. Mit 1853 Sportlerinnen sind so viele Frauen dabei wie noch nie.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Hashimoto erinnerte daran, dass die ersten Paralympischen Spiele in Tokio vor 57 Jahren die Entwicklung des Para-Sports in Japan angestoßen hätten. Schon in der Vorbereitung auf die jetzigen Spiele habe die japanische Gesellschaft begonnen, eine „barrierefreie Denkweise“ zu entwickeln. „Langsam, aber sicher fassen diese Änderungen Wurzeln“, sagte Hashimoto.

          „Ihr seid das Beste der Menschheit“

          Die farbenfrohe Eröffnungsfeier, in der die Para-Sportler leichten Regen aushalten mussten, drehte sich mit Emotionen, Pathos und Symbolik aufgeladen um die Geschichte eines einflügeligen kleinen Flugzeugs, das den Mut findet, auf der Rollbahn des Para-Flughafens zu starten. „Ihr seid das Beste der Menschheit“, rief der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), Andrew Parsons, mit ähnlichem Pathos den Para-Sportlern zu. „Nur ihr könnt entscheiden, wer und was ihr seid.“

          Das Feuer brennt: Die Eröffnung der Paralympischen Spiele in Tokio.
          Das Feuer brennt: Die Eröffnung der Paralympischen Spiele in Tokio. : Bild: Reuters

          Als Bilder der Eröffnungsfeier werden in Erinnerung bleiben der unbekannte Rollstuhlfahrer, der mit großem Vergnügen Seil sprang, und die 13 Jahre alte Yui Wago, die im Rollstuhl das kleine einflügelige Flugzeug spielte. Kaiser Naruhito wählte zur Eröffnung des Sportfest wie schon im Juli zur Eröffnung der Olympischen Spiele auf Japanisch eine Formulierung, die eher das Gedenken als das Feiern betonte. Naruhito will damit mitten in der Pandemie einen zu feierlichen Tonfall vermeiden. Doch als die japanischen Sportler zu munterer Musik einmarschierten, klatschte auch der Kaiser mit.

          Die Spiele finden mitten in der fünften Coronawelle in der Hauptstadt statt, deren Gesundheitssystem vor der Überlastung steht. Die Siebentagesinzidenz in Tokio erreicht rund 230 Infizierte je 100.000 Einwohner am Tag. Das neuseeländische Team verzichtete mit Verweis auf die steigenden Infektionszahlen in Tokio auf den Einzug ins Stadion. Parsons bedankte sich vom Grunde seines Herzens bei Tokio und Japan dafür, dass sie die Spiele unter den Pandemiebedingungen abhielten. „Wir werden ihr Vertrauen ehren“, sagte der IPC-Präsident.

          Die Organisatoren haben in Zusammenhang mit den Paralympischen Spielen bislang 161 Corona-Fälle gezählt. Einschließlich des Flüchtlingsteams nehmen Sportler aus 162 Ländern und Regionen an den Paralympischen Spielen teil, die bis zum 5. September dauern. Als politisches Signal ließ das IPC auch die Fahne von Afghanistan in das Stadion tragen, obwohl die beiden afghanischen Athleten wegen der chaotischen Umstände nach der Machtübernahme durch die Taliban nicht nach Tokio reisen konnten.

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