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Paralympics-Sieger Teuber : „Wo fang’ ich an, wenn nicht hier?“

Ein Sportler, der Gold für Deutschland holt, ist ein Vorbild, findet Michael Teuber – und sollte entsprechend gewürdigt werden. Bild: Imago

Der fünfmalige Paralympics-Sieger Michael Teuber spricht im F.A.Z.-Interview über seinen Kampf für Inklusion und Gleichstellung im Hochleistungssport, Verhinderer in den Verbänden und einen erhofften Meilenstein.

          7 Min.

          Für Michael Teuber war 2016 in doppelter Hinsicht ein besonderes Jahr. Im September gewann er in Rio de Janeiro sein fünftes Paralympics-Gold. Im Oktober vertrat der 48-Jährige den Para-Sport in der Anhörung des Bundestags-Sportausschusses zum neuen Leistungssportkonzept - am Ende war darin die Gleichstellung mit dem olympischen Sport als Ziel formuliert.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Als Neunzehnjähriger, 1987, erlitt Teuber bei einem Autounfall in Frankreich, bei dem ein Freund am Steuer saß, eine inkomplette Querschnittslähmung. Heute ist er mit der damaligen Freundin des Fahrers verheiratet und hat eine Tochter. Seine Ansichten zu Inklusion und Sportförderung sind auch Bestandteil eines autobiographischen Buches: „Aus eigener Kraft: Wie die größte Krise meines Lebens mich stark gemacht hat.“

          Im neuen Leistungssportkonzept des deutschen Sports ist die Gleichstellung des Para-Sports ausdrücklich als Ziel verankert. Was bedeutet Ihnen das?

          Das kann ein Meilenstein für die paralympische Bewegung in Deutschland sein - wenn man jetzt auch wirklich das anpackt, was dort formuliert ist. Für mich ist das der gesellschaftspolitisch bedeutendste Teil des ganzen Konzepts.

          Als Sie im Bundestags-Sportausschuss dazu gehört wurden, waren Sie noch sehr kritisch.

          Da gab es auch noch nicht diesen Passus. Dass wirklich explizit drinsteht, dass alle Beteiligten die Gleichstellung des paralympischen Sports mit dem olympischen anstreben. Das ist schon ein sehr starker Satz. Jetzt schließt sich für mich der Kreis auf eine ganz andere Weise.

          Inwiefern?

          Damit erhält auch das, was weiter hinten steht, noch einmal eine andere Bedeutung. Vorher kamen wir nur im letzten Teil vor. Nach dem Motto: Im Para-Sport läuft alles so weit super, deswegen können die Strukturen mehr oder weniger beibehalten werden - wenn es sich anbietet, könnte man vielleicht daran denken, mal zu den Fachverbänden rüberzuwechseln. So ungefähr ist die Formulierung. Das war mir einfach zu wenig. Und auch, was die Leistung betrifft, ist eben nicht alles so super. In Rio hatten wir zwar eine Goldmedaille mehr als die Olympia-Sportler, die Quote aber, bezogen auf die Zahl der Entscheidungen war schlechter: 3,4 Prozent zu 5,6 Prozent - genauso die Plazierung im Medaillenspiegel.

          Würden Sie die Änderung in der Beschlussfassung ganz unbescheiden auf Ihren Einfluss zurückführen?

          Ich kann nur sagen, was ich getan habe: Ich habe vor dem Sportausschuss explizit das formuliert, was ich für richtig und wichtig halte. Dass die Gleichstellung stärker verankert wird, die Grundlagen dafür sind ja da: UN-Behindertenrechtskonvention, Bundesteilhabegesetz, Bundesgleichstellungsgesetz. Man kann doch nicht überall Gesetze installieren und dann in dem Bereich, wo ich auf vorbildliche Art und Weise Gleichstellung praktizieren und vorleben kann, auf Inklusion weitgehend verzichten. Da frage ich mich: Wo fang’ ich an, wenn nicht hier? Ich hatte dann am Vorabend der Sitzung noch die Gelegenheit, mit Herrn de Maizière zu sprechen, und danach habe ich ihm und Frau Freitag (Vorsitzende des Sportausschusses, d. Red.) einen entsprechenden Brief geschrieben.

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