https://www.faz.net/-gtl-9tcfv

Para-Leichtathletik : „Die Stars haben geliefert“

  • Aktualisiert am

Doppel-Weltmeisterin: Irmgard Bensusan (vorne) Bild: dpa

Neun Monate vor den Paralympics haben die deutschen Leichtathleten bei der WM in Dubai überzeugt. Die Asse um Weitspringer Markus Rehm und Sprinter Johannes Floors holten sechs Goldmedaillen.

          2 Min.

          In Euphorie wollte Friedhelm Julius Beucher neun Monate vor den Paralympics nicht verfallen - doch zufrieden war der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) mit der WM-Ausbeute seiner Leichtathleten allemal. Vor allem die Gold-Auftritte seiner Vorzeigeathleten Markus Rehm und Johannes Floors in Dubai haben Beucher Lust auf weitere Großtaten in Tokio gemacht.

          „Die Mannschaft hat insgesamt ordentliche Ergebnisse erzielt. Die Stars haben geliefert. Wir können mit breiter Brust nach Tokio fahren“, sagte Beucher am Donnerstag noch vor dem Abschluss der Wettbewerbe. Sechs Goldmedaillen durch die Weitspringer Rehm und Leon Schäfer, die Sprinter Floors und Irmgard Bensusan, die sogar zwei Titel feierte, sowie Kugelstoßerin Birgit Kober seien eine „tolle Bilanz, auch wenn noch mehr drin gewesen ist“. Dazu kamen noch Silber für Kugelstoßer Niko Kappel und Bronze für Sprinter Felix Streng.

          Dennoch: „Die Herausforderungen werden immer größer, da die anderen Nationen in der Breite und Spitze immer stärker werden.“ Deshalb nahm Beucher erfreut zur Kenntnis, „dass auch die Reihe hinter den Stars mit guten Plazierungen aufgewartet hat“.

          In Richtung Tokio müsse man abwarten, so der DBS-Chef, „welche Wirkung die Leistungssportreform bis dahin noch entfaltet“. Die Paralympics im kommenden Jahr (25. August bis 6. September) sieht er für den deutschen Behindertensport als eine „hervorragende Standortbestimmung“ - mit einigen sicheren Goldkandidaten. So wäre alles andere als der dritte Paralympics-Titel im Weitsprung für Rehm eine Sensation. Der 31 Jahre alte Springer zeigte einmal mehr seine Ausnahmestellung und holte seinen fünften WM-Titel in Serie. „Ich wäre gerne weiter gesprungen, aber unter den Voraussetzungen war es mir schon klar, dass es schwer wird“, sagte Rehm nach einem Sprung auf 8,17 Meter bei Gegenwind.

          Friedhelm Julius Beucher: „Die Mannschaft hat insgesamt ordentliche Ergebnisse erzielt. Die Stars haben geliefert.“

          Medaillen alleine reichen Rehm allerdings längst nicht mehr. Er wolle „Grenzen“ überwinden, erklärte er zuletzt. Mit einer Weite von 8,48 Meter hält der am rechten Bein unterschenkelamputierte Athlet den Weltrekord. Bei einer Show-Veranstaltung in Tokio im August war der Leverkusener bereits 8,50 Meter gesprungen. Sein Ziel: Rehm will den größten Satz eines deutschen Weitspringers landen. Diesen Rekord hält Lutz Dombrowski (DDR) mit 8,54 Meter bei seinem Olympiasieg 1980 in Moskau.

          Eine zweite Medaille wird Rehm in Dubai anders als bei den letzten Titelkämpfen verwehrt bleiben: Die 4x100-Meter-Staffel der Amputierten, mit der Rehm bereits zwei WM-Titel und einen Paralympics-Sieg einwonnen hat, wurde aus dem Programm genommen. „Das ist eine Selbstbeschneidung der Attraktivität. Wir wollen im Rahmen der Inklusion auf Augenhöhe mit den olympischen Athleten. Dann muss es auch gleiche Wettbewerbe geben. Das zeigt eine gewisse Realitätsferne“, kritisierte Beucher die Entscheidung des IPC.

          Die klassische Prothesenstaffel wurde durch eine Universalstaffel ersetzt, die am Donnerstag WM-Premiere feierte. „Die Tatsache, dass Sportler mit verschiedenen Handicaps zusammen eine Staffel bilden, hat etwas“, ergänzte Beucher: „Aber dafür einen Klassiker wegfallen zu lassen, dafür habe ich kein Verständnis.“

          Die Premiere der neuen Variante lief für die deutsche Mannschaft auch alles andere als glücklich. Nach einem Protest der Russen und Spanier wurden die eigentlich für das Finale qualifizierten Deutschen wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach den britischen Wahlen : Mehr Blair fürs Volk

          Boris Johnson ist mit voller Wucht gegen die „rote Mauer“ des Labour-Herzlands gefahren und hat große Teile davon zum Einsturz gebracht. Warum fühlt man sich jetzt dennoch an einen früheren Labour-Premier erinnert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.