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Augsburgs Torwart Olivier Roy : Die unbekannte Masken-Größe lässt den Meister verzweifeln

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Wie ein weiterer Feldspieler: Olivier Roy ist ein besonderer Rückhalt der Augsburg Panther im Play-off-Halbfinale gegen München. Bild: dpa

Als er nach Augsburg wechselte, wirkte der Transfer von Torwart Olivier Roy nicht so sinnvoll. Nun ist der Frankokanadier Garant des Erfolgs. In Halbfinalspiel sieben gegen München ist er am Dienstag besonders gefragt.

          Olivier Roy ist der Mann ohne Gesicht. Er trägt diesen Helm mit Gitter und schiebt seinen Kopfschutz nur hoch, wenn er trinken will. Auf der Maske prangt das Wappen seines Klubs und dessen Gründungsjahres: 1878. Der Augsburger EV ist der älteste Eissport treibende Verein Deutschlands und mit seiner Profi-Abteilung, den Panthern, derzeit das Thema Nummer eins im Eishockey. Augsburg hat den Serienmeister EHC München in der Halbfinalserie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in ein siebtes Spiel gezwungen. An diesem Dienstag (19.30 Uhr/ live bei Sport 1) wird die Entscheidung fallen, wer ins Finale gegen die Adler Mannheim einzieht. Sollte es dem Außenseiter Augsburg gelingen, wird es vor allem an Olivier Roy gelegen haben.

          Er ist der Torwart der Panther. Und der Mann, an dem die Münchner kaum vorbeikommen. Entschlüsseln konnten sie ihn in sechs Spielen nicht. Die Währung der Torhüter ist die Fangquote, Roy hat in – inklusive des Viertelfinales gegen Düsseldorf – 13 Spielen 93,95 Prozent der Schüsse auf sein Tor abgewehrt. Sein Meisterwerk war das dritte Halbfinale in München, das 104 Minuten dauerte, ehe die Augsburger 2:1 gewonnen hatten. Roy hielt siebzig Schüsse. Danach ließ er seinen Trainer Mike Stewart wissen: „Ich hätte noch zwei Drittel spielen können.“

          Ein Transfer, dessen Sinn sich zunächst nicht erschloss

          Olivier Roy ist 27 Jahre alt, Frankokanadier und heißt offiziell Olivier Bellavance-Roy. Die Augsburger verpflichteten ihn im November 2017 von den Eispiraten Crimmitschau aus der DEL2. Es war ein Transfer, dessen Sinn sich zunächst nicht erschloss. Die Panther hatten mit Jonathan Boutin und Ben Meisner zwei in Kanada ausgebildete Torhüter, die über den Vorzug der deutschen Staatsbürgerschaft verfügten. Roy indes würde eine der auf neun limitierten Importspieler-Stellen einnehmen. Ausgewiesen wurde er als Alternative, um Boutin und Meisner, die beide Verletzungspausen nehmen mussten, zu entlasten. „Wir wussten nicht, wie wir einen einschätzen sollten, der aus der zweiten Liga kommt“, sagt Aleksander Polaczek, der vorige Saison noch Profi bei den Panthern war und nun eine Schiedsrichterlaufbahn anstrebt.

          Doch bald wurde der Mannschaft klar: Roy war als Nummer eins geholt worden. Er hat eine besondere Gabe: Durch seinen sicheren Umgang mit dem Schläger ist er in manchen Situationen wie ein zusätzlicher Feldspieler. Frankokanadische Schule. In Nordamerika hat er wie viele Kollegen, die in Europa landen, nicht die erhoffte Karriere gemacht. 2009 erwarben die Edmonton Oilers, das berühmte Team aus der National Hockey League (NHL), die Rechte an Roy. Doch der kanadische Junioren-Nationaltorwart schaffte es nur bis in die Farmteam-Ligen, versumpfte in Mannschaften wie Alaska Aces oder Idaho Steelheads. Auch in Europa spielte Roy weitab von den ersten Adressen, in Slowenien, Österreich und Crimmitschau. Er musste erst entdeckt werden. „Ich hatte ihn seit drei Jahren im Visier“, sagt Mike Stewart, „und als es die Gelegenheit gab, ihn zu holen, haben wir das gemacht.“ Ein DEL-Halbfinale, das so läuft wie dieses, ist die ideale Bühne für einen Torhüter. Roy hat seinen Vertrag in Augsburg noch nicht verlängert, doch man sei auf einem guten Weg.

          Das Gesicht des Manns ohne Gesicht: Augsburgs Torwart Olivier Roy.

          Zu den Münchner Stürmern, die gegen Olivier Roy bisher nicht zum Erfolg kamen, zählt Frank Mauer, der in der DEL-Hauptrunde 15 und in den Viertelfinals gegen die Eisbären Berlin drei Treffer erzielt hatte. „Er hat gute Reflexe“, sagt Mauer über den Kanadier, „und die Augsburger machen die Räume vor ihm so eng, dass wir an die Rebounds erst gar nicht rankommen.“ Roy ist der wichtigste Mann im Defensivkonzept von Mike Stewart, der von seinen Feldspielern einfordert, dass sie die Schüsse des Gegners mit ihrem Körper blocken, „und zwar so, dass Olli die Schüsse kommen sieht. Dann hat er sie.“ Auf Stewart wirkt sein Torhüter „locker und fokussiert zugleich“. Olivier Roy ist der Gegner, mit dem die Münchner nicht gerechnet haben. Die unbekannte Größe hinter der Maske.

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