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Oscar Pistorius über Grenzerfahrungen : „Es geht mir nur um den Spaß am Laufen“

  • Aktualisiert am

„Ich mag Geschwindigkeit, solange ich am Boden bin” Bild: REUTERS

Bei den Paralympics läuft Oscar Pistorius der Konkurrenz längst davon. Sein größtes Ziel hat der Südafrikaner aber noch nicht erreicht: die Teilnahme an Olympischen Spielen. Im Gespräch mit Christian Kamp und Michael Reinsch redet Pistorius über Lebensgefahr, Geschwindigkeit und Sportfunktionäre.

          Eine Welt ist nicht genug: Bei den Paralympics läuft Oscar Pistorius der Konkurrenz längst davon. Sein größtes Ziel aber hat er noch nicht erreicht: die Teilnahme an Olympischen Spielen.

          Sie haben so sehr um das Recht gekämpft, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, und waren dann doch nicht dabei. Wie haben Sie dann den Jahrhundertlauf von Usain Bolt erlebt?

          Verrückt, es war einfach verrückt. Ich kam von einem Meeting und fuhr zu meiner Freundin nach Johannesburg, mit 160, 170 Sachen auf der Autobahn. Als ich noch einen Kilometer vor mir hatte, rief ich sie an, sagte ihr, welchen Sender sie einschalten soll und dass sie schon mal die Haustür aufmachen soll. Ich rannte rein, vielleicht sechs Sekunden, bevor das Rennen losging.

          Der bekannteste Teilnehmer der Paralympics: Oscar Pistorius aus Südafrika

          Und dann?

          Ich sage Ihnen, ich hatte noch nie so eine Gänsehaut in meinem Leben. Der Lauf war wie am Computer bearbeitet. Es war so ein Gefühl wie: Okay, und wann geht das richtige Rennen los? Diesen Rekord mitzuerleben, war Hardcore - mehr als alles andere, was ich bis jetzt gesehen habe.

          Sie lieben die Geschwindigkeit - auch außerhalb der Laufbahn?

          Ja, ich bin erst gestern mit meinem Motorrad auf der Rennstrecke gewesen. Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich zu spät im Hotel war, dann zu spät auf dem Weg zum Flughafen - und dann hat es mir noch in einem Schlagloch einen Reifen zerrissen.

          Mit was für einer Maschine waren Sie unterwegs?

          Ich habe mehrere. Das war eine R600, eine genaue Kopie von der, die Valentino Rossi fährt, mit derselben Ausstattung, denselben Aufklebern und allem. Es ist wahrscheinlich die einzige dieser Art in ganz Afrika. Dann habe ich noch ein Quad-Bike und eine Offroad-Maschine, meine erste. Die hat es richtig in sich: Die ersten beiden Gänge fährt sie noch ganz entspannt, aber dann dreht sie richtig hoch, und mit einem Mal fühlt sie sich völlig entfesselt an, ein richtig teuflisches Ding.

          Haben Sie keine Angst, zu stürzen?

          Ich hatte schon den einen oder anderen Crash. Ich habe mir diesen Knochen hier und diesen Knochen da gebrochen. Narben und Nägel habe ich auch. Einmal bin ich gesprungen, ich dachte es wären zwei Meter, dann wurden es aber vier, und ich bin voll auf den Stoßdämpfern gelandet - so, dass mein Bein weggeflogen ist.

          Was sagen Ihre Vertragspartner dazu? Manche Fußballprofis dürfen ja nicht mal Ski fahren aus Angst vor Verletzungen.

          Als Leistungssportler bringt man eine Menge Opfer. Aber wenn ich dafür aufgeben müsste, was ich wirklich liebe, würde mir auch der Sport keinen Spaß mehr machen. Man muss für sich entscheiden, was man opfern will. Und Motorradfahren gehört zu den Sachen, die mich erst zu dem machen, was ich bin. Also fahre ich weiter.

          Waren Sie schon einmal in Lebensgefahr?

          2002 hatte ich einen schlimmen Unfall, aber ich habe keine richtige Erinnerung mehr daran, ich hatte eine Gehirnerschütterung. Alles, was ich noch weiß, ist, dass ich auf dem Motorrad saß, und als Nächstes, dass ich zu Hause war. Ich habe dann alle meine Sachen verkauft. Neun Monate bin ich nicht gefahren, dann hat mich ein Freund wieder mitgenommen. Wir waren das ganze Wochenende unterwegs, und als wir wieder zu Hause ankamen, war mir klar, dass ich mir wieder eine Maschine kaufen muss.

          Sie sind also der wagemutige Typ?

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