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Corona-Ausbruch in Würzburg : „Die Gladiatoren werden in den Ring geworfen“

Nahkampf: Würzburg und Bayreuth spielen – trotz aller Zweifel. Bild: Julien Becker/firo Sportphoto

Würzburg und Bayreuth wollen wegen Corona-Verdachts ihr Spiel absagen. Die Basketball-Liga verbietet das. Danach gibt es zahlreiche Positivtests. Alte Regeln kollidieren hier mit neuen Virusvarianten.

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          Am Sonntagmittag setzt der Basketballspieler Bastian Doreth einen Hilferuf ab. Er ist in Würzburg, wo in weniger als drei Stunden das Bundesligaspiel zwischen Würzburg und Bayreuth anfangen soll. Er selbst wird an diesem Tag wegen einer Verletzung am Zeh nicht für Bayreuth spielen, aber als Kapitän reist er mit seiner Mannschaft und erlebt, so sagt er es später am Telefon, wie sich dort ein Gefühl der Unsicherheit ausbreitet.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Denn in Würzburg richtet ein Klub das Spiel aus, der am Tag davor in seinem Team mehrere Mitglieder mit Corona-Symptomen und auch einen positiven Schnelltest gemeldet hat. Am Sonntag sind daher der Cheftrainer und vier Spieler nicht in der Halle erschienen. Und obwohl die, die sich dort nun auf das Spiel vorbereiten, einen negativen PCR-Test – Zeitpunkt des Abstrichs: Sonntagmorgen – vorweisen können, sind sich die Verantwortlichen aus Würzburg und Bayreuth dennoch einig: Sie wollen nicht spielen. Ein Antrag auf Absetzung wird an die Basketball-Bundesliga (BBL) gestellt. Um 12.36 Uhr schreibt Bastian Doreth auf seinem Twitterkanal: „Aus meiner Sicht völlig irre das Spiel (…) heute stattfinden zu lassen“ .

          Die Hilferufe aus Würzburg werden ge-, aber nicht erhört. Die BBL weist den Antrag auf Absetzung mit Verweis auf die negativen PCR-Tests schriftlich ab. Es muss gespielt werden. Am Ende gewinnen zehn Bayreuther gegen neun Würzburger. Am Tag danach twittert Doreth: „Heute gibt es keine positiven Nachrichten, sondern positive Tests aus Würzburg!“ Er verlinkt den Account der BBL und ihren Hashtag für diese Saison: #WelcomeToWow. Am Dienstagnachmittag steht dann fest: Mindestens 12 Spieler, Trainer und Betreuer aus Würzburg haben sich laut PCR-Test mit dem Coronavirus infiziert. Acht von ihnen haben am Heimspiel gegen Bayreuth teilgenommen .

          Und so bleibt nach diesem Basketballspiel eine Frage, die über den Basketball hinausgeht: Hätte man diesen Ausgang nicht verhindern können, vielleicht sogar verhindern müssen?

          Es ist nun auch in Deutschland nicht mehr zu ignorieren, dass der Profisport im zweiten Winter Pandemie vor allem wegen der Virusvariante Omikron vor seinem größten Problem steht. In der Deutschen Eishockey Liga können Iserlohn und München nicht mehr genug Spieler aufstellen. In der Volleyball-Bundesliga ist das Spitzenspiel zwischen Berlin und Düren abgesagt worden. Und sogar in der Fußball-Bundesliga wird über die Verschiebung des ersten Duells der Rückrunde zwischen München und Mönchengladbach diskutiert.

          Doreth findet die Entscheidung „unverständlich“

          In Würzburg hat das Gesundheitsamt für die Basketballmannschaft 14 Tage Quarantäne angeordnet. Der Fall ist in dieser Hinsicht eindeutig – und in seinen Details dennoch so zweideutig, dass es sich lohnt, ihn zu untersuchen. Er könnte ein Lehrstück über die Probleme des Profisports in dieser Phase der Pandemie werden, in der alte Verhaltensregeln auf neue Virusvarianten treffen – und in der sich die Perspektiven der Protagonisten sehr unterscheiden.

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