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Olympische Spiele 1936 : Das Erbe

Das Erbe: Bronzemedaille von 1936 Bild: picture-alliance/ dpa

Vor genau 75 Jahren wurden die Olympischen Spiele von 1936 in Berlin eröffnet. Sie haben mehr hinterlassen als „Heil!“-Rufe. Das Olympiastadion ist mit Jesse Owens verknüpft. Viele weitere Ereignisse prägten das Erbe der Hitler-Spiele.

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          Berlin ist bereit für Olympische Spiele. Denn Berlin hat alle Voraussetzungen: die Stadien, die Infrastruktur, die Begeisterung der Menschen für den Sport. Mit diesen Worten rief der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, kaum war die Olympiabewerbung von München 2018 gescheitert, der Welt des Sports, zumindest der deutschen, die Hauptstadt in Erinnerung. Am kommenden Montag, am 1. August, ist es 75 Jahre her, dass Adolf Hitler in Berlin in die Mikrofone schnarrte: „Ich verkünde die Spiele von Berlin zur Feier der elften Olympiade neuer Zeitrechnung als eröffnet.“ In der Rundfunkaufzeichnung ist zu hören, wie die Menschenmenge im Olympiastadion daraufhin aus voller Kehle „Heil!“ schreit.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Olympia 1936 hat mehr hinterlassen als die Namen der Sieger, die Stätten ihrer Triumphe: ein Stadion innerhalb eines 150 Hektar großen Olympiageländes mit Anlagen für Schwimm-, Hockey- und Reitwettbewerbe, mit unzähligen Trainingsplätzen, wo der Fußballklub Hertha BSC sein Quartier genommen hat und bald eine Eliteschule des Sports einziehen soll. Mehr als die regelmäßig bespielte Waldbühne, das Maifeld und den Glockenturm.

          Das Stadion ist, zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 für 242 Millionen Euro modernisiert, so etwas wie das Nationalstadion geworden. Seit 1985 findet hier das DFB-Pokalfinale statt, die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2006 endete mit dem Finale in Berlin, die der Frauen begann hier. Den Ungeist des Nationalsozialismus sollte der Betrieb längst vertrieben haben. Wenn man es recht bedenkt, hatte er kaum Gelegenheit, sich einzunisten, denn die Reihe von Auftritten, die die Erinnerung bestimmen, begann lange vor dem Chile-Spiel der DDR bei der Fußball-WM 1974, vor Rolling Stones und Daniel Barenboim, vor der Roten Karte zum Abschied von Zinedine Zidane und vor den drei Weltrekorden von Usain Bolt auf der blauen Bahn der Leichtathletik-WM 2009.

          Prägende Gestalt der Spiele: Jesse Owens (M.) salutiert waehrend der Siegerehrung im Weitsprung der Maenner bei den Olympischen Spielen in Berlin

          Areal braucht Aufklärung

          Der schwarze Sprinter Jesse Owens ist es, der mit seinen vier Olympiasiegen den Spielen von 1936 ein Gesicht gegeben hat und die Erinnerung dominiert. Die Bilder seiner Triumphe in den Wochenschauen weckten den Ehrgeiz und das Selbstbewusstsein junger schwarzer Amerikaner, wie Andrew Young am eigenen Beispiel beschrieb. Er wurde Bürgermeister seiner Heimat- und Olympiastadt Atlanta sowie Botschafter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen.

          Das Olympiastadion und seine Umgebung brauchen keinen Exorzismus. Das dürfte sich mit den Kirchentagen, die es beherbergte, und dem Einbau einer Stadionkapelle erledigt haben. Am 22. August wird Papst Benedikt XVI. in der Arena, wohl mit mehr als 70.000 Gläubigen, die Messe feiern. Doch das Areal mit seiner Ikonografie von Kampf und Führerkult verlangt nach Aufklärung.

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          Zwar blieb das Olympiagelände im Krieg weitgehend unbeschädigt. Dennoch verschwand das „einzige unzerstört in unsere Gegenwart ragende monumentale Relikt aus Hitlers untergegangenem Reich“, wie es Hilmar Hoffmann, der ehemalige Präsident des Goethe-Instituts, nannte, für Jahrzehnte aus der öffentlichen Wahrnehmung. Die britische Militärregierung nutzte es während der deutschen Teilung als Hauptquartier. Ohne öffentliche Debatte wurde der Architekt des Stadions, Werner March, 1961 damit beauftragt, den zerstörten Glockenturm neu zu bauen. Dabei stellte er die Langemarck-Halle originalgetreu wieder her, eine Weihestätte, die durch die Verherrlichung des Todes junger Soldaten im Ersten Weltkrieg dazu aufforderte, es ihnen gleichzutun.

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