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Olympische Jugendspiele : Frühstück mit Rogge: Junge Küche, volle Kasse

Die Ringe, die die Welt bedeuten: Olympisches Flair in Insbruck Bild: dpa

Tausend Jugendliche aus siebzig Nationen nehmen an den Jugendwinterspielen teil, die an diesem Freitag in Innsbruck beginnen. Die Veranstaltung ist ein widersprüchliches Experiment.

          3 Min.

          Zu einer ersten Feierstunde hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor der offiziellen Eröffnung der Veranstaltung eingeladen. An diesem Freitag, wenn am Abend im Bergisel-Stadion die Entzündung des Olympisches Feuers den Beginn der Jugendwinterspiele symbolisiert, trifft sich IOC-Präsident Jacques Rogge am Morgen zu einem Werbetermin in einem Fastfood-Restaurant mit zwei Abgesandten eines der bedeutendsten Sponsoren seiner Organisation. Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten haben der Belgier und seine Medienberater diesmal überhaupt nichts dagegen einzuwenden, dass das von ihnen sicher schön in Szene gesetzte Frühstückstreffen in der Innsbrucker Innenstadt von Journalisten begleitet wird. Ganz im Gegenteil.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          So wie es ausschaut, wird McDonalds, der internationale Gastronomiegigant, die zehntägige Premierenveranstaltung in Tirol dazu nutzen, die Verlängerung seines IOC-Sponsorings zu verkünden. Dafür reist Don Thompson, der Präsident des Burger-Branchenführers, aus Chicago an. „Die Situation ist positiv, und ich sehe keine Hindernisse“, sagte IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg vorab, und er konnte seine Vorfreude über den sich abzeichnenden Deal kaum verhehlen: „Wir werden uns in Innsbruck treffen und hoffentlich den Vertrag dort unterschreiben.“ Im Gespräch ist eine Fortsetzung der Unterstützung mindestens bis 2020, die sich die Amerikaner 160 Millionen Euro kosten lassen wollen. Auch für künftige Prestigeprojekte wird in den IOC-Kassen also Kapital vorhanden sein.

          63 Entscheidungen in 15 Disziplinen

          Die Jugendwinterspiele, an denen tausend Jugendliche aus siebzig Nationen teilnehmen, sind ein widersprüchliches Experiment. Initiiert von Rogge, der in gut einem Jahr seinen Chefplatz räumen wird, gelten sie als Versuch, sich ein neues Zielpublikum zu erarbeiten. Rogge, der dieses „Event für die talentiertesten jungen Sportler“ schon jetzt als sein Vermächtnis betrachtet, ist nun, da auch viel Schnee gefallen ist, bester Dinge: „Innsbruck hat eine einmalige Lage und perfekte Sportstätten“, schwärmte der Neunundsechzigjährige. In Seefeld, wo in den nordischen Wettbewerben die Entscheidungen fallen, wurden eigens zwei neue Sprungschanzen gebaut.

          „Die Österreicher lieben Sport, und Innsbruck hat schon die Winterspiele 1964 und 1976 exzellent organisiert“, sagte Rogge. Klein, aber fein, laute dennoch das Motto, so dass am Ende zumindest die Rechnung deutlich geringer ausfallen soll als beim Sommer-Vorläufer 2010: Das Budget beläuft sich offiziell auf 23,7 Millionen Euro - in Singapur verschlang alleine die pompöse Eröffnungsshow mehr Geld.

          In sieben Sportarten und 15 Disziplinen stehen in der Region Innsbruck 63 Entscheidungen an. Das IOC lotet dabei Möglichkeiten für neue Wettbewerbe aus, die erstmals 2018 bei den Winterspielen in Pyeongchang stattfinden oder noch aufgenommen werden könnten. Unter anderem erlebt das Skispringen junger Frauen seinen Erstauftritt unter olympischen Vorzeichen. Aus Deutschland sind 57 Sportler am Start. Katharina Althaus, eine 15 Jahre alte Skispringerin aus Oberstdorf, wird die Fahnenträgerin ihres Teams sein.

          „Investition in die Zukunft der Athleten“

          In erster Linie soll es um Spiel und Freude gehen - und nicht wie bei den Erwachsenen fast ausschließlich um Gold, Silber oder Bronze. Für Rogge liegt der wahre Wert des Heile-Welt-Happenings im Rahmenprogramm: „Die Wettbewerbe sollen nicht zu ernsthaft betrieben werden und keine Belastung sein, das kommt noch früh genug“, verlangt er. Mehr als um Sieg oder Niederlage gehe es abseits der Pisten, Loipen und Spielfelder um die Vermittlung des Fairplay-Gedankens, den kulturellen Austausch, Dopingprävention oder Gesundheitsberatung.

          Neues Maskottchen für neues Zielpublikum: IOC-Präsident Rogge (l.)
          Neues Maskottchen für neues Zielpublikum: IOC-Präsident Rogge (l.) : Bild: dpa

          Doch die Frischzellenkur ist in sich noch längst nicht schlüssig, denn sie verzichtet eben nicht auf all die Insignien des großen Sports. Es wird Siegertreppchen geben, Nationalhymnen erklingen für die Gewinner, Fahnen werden gehisst - und ohne Dopingproben geht es selbstverständlich auch bei den Teenagern schon nicht mehr. Nur auf den Medaillenspiegel wird verzichtet. Zumindest offiziell.

          Der IOC-Präsident nennt die Jugendspiele eine „Investition in die Zukunft der Athleten“ - aber eben auch in die des IOC. Ein Workshop wurde übrigens wegen des erwarteten großen Zuspruchs vorab auf dreißig Sportler beschränkt wurde: In dem Kurs „Chef am Kochtopf“ geht es darum, zu verstehen, wie man sich als heranreifender Athlet gut und gesund ernährt - und künftig seltener als mancher Altersgenosse dem Heißhunger auf Fritten und Hamburger erliegt.

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