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Olympiavergabe 2018 : Weiße Flecken

Anspruchsdenken: Pyeongchangs dritte Olympiabewerbung soll endlich die Spiele bringen Bild: dapd

Ein IOC-Zuschlag für Pyeongchang im Wettbewerb mit München und Annecy wäre eine Pioniertat. Bekämen die Asiaten bei der Vergabe am Mittwoch den Zuschlag für Winterolympia 2018, würde das allerdings vielen Kritikern neue Nahrung geben.

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          Ein Blick auf diese Weltkarte sagt mehr als viele Worte. In Europa wimmelt es von Fähnchen, Asien ist beinahe leer: Zwei Markierungen in Japan und ein verwaister Rest-Kontinent. 14:2 steht es für das kleine Europa, wenn es um die Austragung von Olympischen Winterspielen geht. Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) am kommenden Mittwoch dem koreanischen Wintersportzentrum Pyeongchang im Wettbewerb mit München und Annecy den Zuschlag für 2018 geben, wäre das also eine sportpolitische, und vor allem eine sportökonomische Pioniertat.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Nach zwei knapp gescheiterten Bewerbungen – 2003 in Prag unterlag Pyeongchang dem kanadischen Mitbewerber Vancouver und 2007 in Guatemala der russischen Konkurrenz aus Sotschi – sind die Koreaner der Meinung, dass es nun höchste Zeit wäre für ein Fähnchen in ihrem Land. „Wir halten unsere Versprechen“, haben sie immer wieder in Richtung der IOC-Mitglieder geäußert. Soll heißen: Nun sollen die Olympier auch ihres halten, schließlich habe man aus den vergangenen Niederlagen gelernt.

          Und das Hauptargument ist schlüssig: Asien mit seinen vier Milliarden Menschen will endlich vom Wintersport erobert werden. Dort gibt es noch viel Platz zum Geldverdienen und viele potentielle Skifahrer und Eisläufer. 650 Millionen Jugendliche könnten als künftige Konsumenten gewonnen werden. „Neue Horizonte“ – unter diesem Motto ist Pyeongchang ins Rennen gegangen und steht damit für das Potential des ganzen Kontinents, der die sportpolitische Gewichtsverteilung neu austarieren will.

          Nationale Angelegenheit: Unterstützung für Pyeonchang vor dem Rathaus in Seoul

          „Olympia ist universeller geworden“

          Sogar einen potentiellen Nachfolger für den IOC-Präsidenten Jacques Rogge gibt es in Asien: Ser Miang Ng aus Singapur, den Olympier mit dem kürzesten Nachnamen. Natürlich schüttelt er den Kopf. Dass er plane, 2013 zur Wahl anzutreten, sei nicht mehr als ein Gerücht, sagt er mit feinem Lächeln. Aber das sagen im Moment alle möglichen Anwärter. Vorausgesetzt, es würde im Lauf der nächsten beiden Jahre mehr aus dem Gerücht und der Geschäftsmann und Diplomat schlüge sämtliche westlichen Schwergewichte aus dem Feld, wäre Ng der erste asiatische Präsident des IOC.

          Er wäre sogar der erste, der nicht aus der westlichen Kultur stammte und erst der zweite Nicht-Europäer nach dem Amerikaner Avery Brundage. Und er fände das angemessen. „Ich denke nicht, dass der Eurozentrismus in der Sportpolitik ungerecht ist“, sagt der 62 Jahre alte Ng. „Aber Olympia ist universeller geworden. Die asiatische Bevölkerung nimmt zu, die Ökonomie entwickelt sich – dass Asien auch in die Sportpolitik hineinwächst, ist ein natürlicher und richtiger Prozess.“ Der einstige Segler Ng ist seit 1998 Mitglied im IOC, seit 2005 Vizepräsident, er hat im vergangenen Jahr in Singapur die ersten Olympischen Jugendspiele veranstaltet und daran mitgewirkt, dass die Formel 1 in seinen Stadtstaat kam. „Die Länder öffnen sich“, sagt Ng.

          Der letzte asiatische Eroberungsversuch klingt heute allerdings schon wie ein Treppenwitz der Sportgeschichte: Ausgerechnet mit der Moralkeule versuchte der Qatarer Mohamed bin Hammam, den Schweizer Joseph Blatter als Präsident des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) vom zu Thron stoßen. Er stehe für Transparenz, erklärte der 62 Jahre alte Unternehmer und Chef der Konföderation der asiatischen Fußballverbände (AFC), der als kampferprobter Stimmensammler bei der erfolgreichen – und höchst verdächtigen – Bewerbung Qatars um die Fußball-WM 2022 eine führende Rolle gespielt hat.

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