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Zum 80. Geburtstag Armin Harys : Der deutsche Vorläufer

Meilenstein I: In Rom wird Armin Hary 1960 zum Olympiasieger über 100 Meter. Bild: Picture-Alliance

Olympiasieger und Weltrekordler über 100 Meter: Armin Hary war ein Star, wie es im deutschen Sport zuvor keinen gegeben hatte. Aufmüpfig, als Athleten noch behandelt wurden wie Mündel. Dafür musste er büßen.

          Er war der schnellste Läufer der Welt. Doch auch seine Karriere war schnell vorbei. Sie währte nur drei Sommer. Bis zu seinem Olympiasieg von Rom 1960 war Armin Hary nicht nur seinen Konkurrenten, sondern auch seiner Zeit so deutlich voraus, dass sein Name bis heute nachklingt. Dreimal musste er die hundert Meter in 10,0 Sekunden laufen, bis die Kampfrichter sie als Weltrekord anerkannten. Bis heute war kein anderer deutscher Sprinter je schneller.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Armin Hary war ein Star, wie es im deutschen Sport noch keinen gegeben hatte. In Jeans und kariertem Hemd und mit kess nach hinten geschobenem Strohhut statt im Trainingsanzug reiste er in Rom an, und so betrat er auch das Olympiastadion. Er zeigte, was er konnte. Und er zeigte, dass er wusste, was er konnte. Der junge, wilde Hary, in Rom gerade 23 Jahre alt, vertrat wie der 18 Jahre alte Amerikaner Cassius Clay, der Olympiasieger im Boxen wurde, und der 28 Jahre alte Äthiopier Abebe Bikila, der barfüßig Olympiasieger im Marathon wurde, die Aufsteiger-Mentalität des modernen Sports. Sie wollten dorthin, wo sie ohne ihre sportliche Durchsetzungskraft niemals hingelangt wären: zu Anerkennung, Wohlstand, Selbstbestimmung. Ihnen sind Millionen gefolgt.

          „Ich hatte keine Jugend“

          Im Unterschied zu denen, die Sport und Olympia vertraten, kannten sie Hunger, Perspektivlosigkeit und Schläge. Benachteiligung. Dagegen kämpften sie an. Hary, aufgewachsen in Armut in Quierschied im saarländischen Steinkohlerevier, blickt bitter zurück. „Ich hatte keine Jugend. Ich habe meine Kindheit und Jugend dem Sport geopfert“, sagte er in einem Gespräch vor wenigen Jahren. „Dann bin ich für Deutschland gelaufen. Und anschließend bekomme ich in den Hintern getreten! Da kann ich Cassius Clay verstehen, dass er das Ding in die Isar wirft.“

          Die Verzweiflung, die Muhammad Ali, wie er sich später nannte, seine Goldmedaille wegen des Rassismus in seiner Heimat angeblich in den Mississippi hat werfen lassen, verspürte auch Hary in der Auseinandersetzung mit den Funktionären vom Typ Herrenreiter. Im Herbst 1959 nahm er ein Stipendium an der University of California in Los Angeles an. „Nach drei Monaten hätte ich Amerikaner werden können“, sagt er. „Ich Idiot hab’s nicht gemacht. Wenn ich gewusst hätte, wie alles gekommen ist, hätte ich mich anders entschieden.“

          Meilenstein II: Hary begegnet in Rom dem legendären Jesse Owens

          Hary war aufmüpfig, als Athleten noch behandelt wurden wie Mündel. „Die anderen hatten sich schon die ganze Zeit aufgeregt über ihre schlechten Betten“, erzählt er von seinem Eintreffen in Rom. „Martin Lauer hat immer gesagt: Wartet, bis der Armin kommt. Früher hatte ich schon Türen ausgehängt und sie unter zu weiche Matratzen gelegt. Diesmal habe ich geguckt, wo der Präsident unseres Verbandes wohnte: in einem Zimmer mit Kühlschrank und einem wunderbaren Holzbett und schönen Matratzen. Innerhalb einer Stunde hatte ich das umgeräumt. Die hatten unsere Eisenbetten, und wir die stabilen Holzbetten. Niemand hat etwas gesagt. Aber alle haben gewusst, wer das war.“

          Hary verabscheute Funktionäre, die sich im Besitz des Sportes wähnten und Athleten wie Untergebene kommandierten. Und er verabscheute Nazis. Welch ein Hohn, dass ihm der Nazi-Funktionär Karl Ritter von Halt, Mitglied des IOC, in Rom die Goldmedaille verlieh.

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