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Ironman in Frankfurt : Jan Frodeno und die zweite Liebe

Gewinnen – und den Weg dorthin genießen: Das ist die Formel von Jan Frodeno Bild: Felix Rüdiger

Vom „Anti-Ironman“ zum Hawaii-Liebhaber: Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno erobert die Langstrecke. Auch an diesem Sonntag in Frankfurt. Und das Beste: Er muss keine Kalorien mehr zählen.

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          Ich neige zum Exzess“, sagt Jan Frodeno, „zur Perfektion, in allen Bereichen.“ Ob das nun ein neues Computerprogramm ist, in das er sich hineinkniet, um es bis ins letzte Detail zu verstehen. Oder ob es Kaffee ist. Autogrammstunden pflegt der Triathlon-Olympiasieger von 2008 damit zu verbinden, seine eigene Kaffeemarke „Frodissimo“ auszuschenken, liebevoll ausgesuchte Qualitäten, zubereitet mit einem Siebträger, wie sich das für vollendeten Kaffeegenuss gehört. Oder das Kochen. Da streift Frodeno gern ausdauernd durch die Märkte, um perfekte Zutaten zu finden.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Überhaupt das Essen. Ist ein großes Thema. Als Kurzstreckenathlet (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Rad, 10 Kilometer Laufen) war Frodeno als akribischer Kalorienzähler bekannt, vor seinem Olympiasieg in Peking ernährte er sich wochenlang nur von Reis, Couscous, Obst und Wasser. Wenn das Streben nach Perfektion zur Manie wird, zum Exzess, hört der Spaß irgendwann auf, Frodeno hat es erlebt. 2010, 2011 war er in eine tiefe Krise geraten. Er hatte keine Lust mehr, war frustriert, er war fertig mit dem Sport, das Feuer hatte ihn ausgebrannt. Nun hat er ein neues Ziel gefunden, die Langstrecke. Seine zweite Liebe.

          Frodeno ist in Köln geboren, in Südafrika aufgewachsen, mit 19 kam er zurück nach Deutschland, um Profitriathlet zu werden. Sein Ziel, sagte er, nachdem er sich ein Rennrad geliehen hatte, sei der Olympiasieg. Alle haben herzlich gelacht damals, aber nicht lange. Woher kommt dieser enorme sportliche Ehrgeiz? „Muss wohl angeboren sein“, sagt Frodeno. „An der Familie kann es aber nicht liegen. Bei uns wurde die Sportschau immer abgeschaltet. Mein Vater ist hochintellektuell, meine Mutter sehr kreativ, beide sind völlig entspannt. Und ich war von klein auf immer der, der beim ,Mensch ärger dich nicht‘ die Figuren geschmissen hat. Keine Ahnung, woher das kommt.“

          An diesem Sonntag tritt Frodeno bei der Europameisterschaft in Frankfurt zu seinem dritten Rennen über die klassische Ironman-Distanz (3,8 Kilometer Schwimmen/180 Kilometer Rad/42,195 Kilometer Laufen) an. Er hat die olympische Distanz hinter sich gelassen, hat nicht als sportlicher Rentner die Disziplin gewechselt, sondern mit 33 Jahren auf höchstem Niveau, das macht ihn im neuen Umfeld so gefährlich. Und was ihn noch gefährlicher macht: Er hat eine Riesenfreude an der neuen Disziplin entwickelt.Und das als ehemals überzeugter „Anti-Ironman“.

          Im Zeichen der Bankentürme: Frodeno startet am Sonntag in Frankfurt

          Im Triathlon, das muss man wissen, standen sich lange Zeit zwei Lager unversöhnlich gegenüber, die Kurzdistanz-Fraktion, in Kadern organisiert und auf Olympia fixiert, und die Langstreckler, die Ironman-Fraktion, die coolen Jungs, die den Mythos Hawaii hinter sich wussten. Frodeno gehörte zur Kader-Fraktion und konnte mit den libertären Ironman-Athleten nicht viel anfangen. „So ist das mit den Vorurteilen“, sagt er nun, „eine einzige Reise, und sie waren dahin.“ Ein Sponsor hatte ihn 2011 zum legendären Rennen nach Hawaii eingeladen, als Zuschauer, und es dauerte keine zwei Tage, da war er dem Zauber der Insel und des Wettkampfes erlegen.

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