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Olympiasieger gedopt : Justin Gatlin - am Ende der Dopinglaufbahn

  • -Aktualisiert am

Auch er ging den Fahndern ins Netz: Justin Gatlin Bild: REUTERS

Eine neue Dopingaffäre erschüttert den Spitzensport. Wenige Tage nach Bekanntwerden des Falls von Tour-de-France-Sieger Floyd Landis gestand 100-Meter-Weltrekordhalter Justin Gatlin, er sei ebenfalls positiv auf Testosteron getestet worden.

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          Wer nach dem Weltrekordlauf des Sprinters Justin Gatlin im Mai eins und eins zusammengezählt und Zweifel geäußert hat, mußte sich mitunter anhören, es sich doch wohl zu einfach zu machen. „Bei Justin Gatlin sollte man, bevor man ihn preist, wohl besser die nächsten Dopingtests abwarten“, hieß es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Man könne, empörten sich Kritiker, doch nicht aus Indizien einen Dopingverdacht konstruieren. Doch: Es ist leider so.

          Gatlin ist, sogar schon am 22. April bei einem Staffelrennen in Kansas City, also drei Wochen vor seinem 100-Meter-Weltrekord von Doha (9,77 Sekunden), positiv auf Testosteron getestet worden. Wie gerade eben Radfahrer Floyd Landis, wie Triathlet Jürgen Zäck. Muß man noch sagen, daß Gatlin, wie Landis, wie Zäck, sich das alles nicht erklären kann, nie wissentlich . . . Nein, das können wir natürlich abkürzen, es ist eine alte, langweilige, verlogene Geschichte.

          Verlogene Geschichte

          Testosteron ist ein männliches Sexualhormon und gilt als Anabolikum. Es wirkt allgemein aufbauend. In größeren Dosen erhöht es Muskelmasse- und -kraft, in geringeren Dosen verbessert es die Erholung. Oft werden Testosteron oder verwandte Hormonpräparate kombiniert mit anderen Mitteln. Entsprechende Anleitungen, die in der Dopingszene kursieren, lesen sich horrorhaft, wie Aufforderungen zur schweren Körperverletzung.

          Gab sich jahrelang als Saubermann aus: Justin Gatlin

          Gegen den 24 Jahre alten Gatlin sprach schon im Frühjahr eine frühere Sperre, bei der er nur deshalb mit einer reduzierten Strafe davongekommen war, weil der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) seiner Argumentation folgte, die verbotenen Amphetamine seien Bestandteil einer seit Kindertagen erforderlichen Medikation gegen krankhafte Hyperaktivität. Und gegen Gatlin sprach auch sein Trainer, Trevor Graham. Graham hat die Balco-Affäre in Nordamerika ausgelöst, indem er ein neues, bis dahin nicht nachweisbares Dopingmittel an die Fahnder weitergab.

          Nicht etwa aus der Überzeugung, für einen sauberen Sport eintreten zu müssen, wie man inzwischen sicher weiß, sondern aus Mißgunst gegenüber dem Balco-Laborleiter Victor Conte. Es mutet wie ein zynischer Witz an, daß Graham nun Gatlins positive Dopingprobe als „Sabotage“ eines von ihm vorübergehend entlassenen Angestellten ausgibt. Ein Privatdetektiv sei eingeschaltet. Ganz im Ernst: Soll, kann, darf man über so etwas noch im Sportressort berichten? Diese Szene - ist sie halbkriminell oder durch und durch verbrecherisch? - stellt sich selbst ins Abseits.

          Halbkriminell oder durch und durch verbrecherisch?

          Früher war Graham Coach des mit Dopingverdächtigungen überzogenen Sprintstars Marion Jones, und er leitete das Weltrekordprojekt Tim Montgomerys, der 2002 in Paris 9,78 Sekunden lief. Im größten Dopingskandal des amerikanischen Sports, eben der Balco-Affäre, wurde Montgomery Ende vergangenen Jahres vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) zu einer zweijährigen Wettkampfsperre verurteilt, die Resultate seit März 2001 wurden annulliert. Die Anklage stützte sich auf Indizien; Montgomery wurde niemals bei einer Dopingkontrolle positiv getestet. Vieles deutet nun darauf hin, daß Graham heute arbeitet wie damals: Gatlin dürfte in der anabolen Aufbauphase zu einem spektakulären Lauf erwischt worden sein.

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