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Gerade so zu Olympia : Das große Aufatmen im deutschen Turnen

  • -Aktualisiert am

Balanceakt an den Ringen: Philipp Herder in Stuttgart Bild: AFP

Es hat für beide deutschen Mannschaften gereicht mit der Qualifikation für Olympia. Dass aber insbesondere die Männer den Mitbewerbern Missgeschicke an den Hals wünschen mussten, zeigt: Die glanzvollen Zeiten sind vorbei.

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          Eigentlich, möchte man meinen, sind die Turn-Weltmeisterschaften in Stuttgart jetzt erst richtig losgegangen, da in den Finals um die Medaillen gekämpft wird. Aber das stimmt nicht ganz. Beim Deutschen Turnerbund (DTB) normalisiert sich der Atem schon wieder, und bei den Athleten erst recht, bevor einige von ihnen in den Einzel-Finals noch einmal aufdrehen werden.

          Bis zum letzten Moment mussten sie alle zittern, ehe klar war, dass die deutsche Männerriege – wie zuvor schon das Frauen-Team – die Startberechtigung für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio erreicht hat. Mit Platz zwölf und damit haarscharf. Nicht einen einzigen Platz schlechter hätten sie beim WM-Qualifikationswettbewerb abschneiden dürfen. Was zeigt: Die glanzvollen Zeiten mit Fabian Hambüchen im Zentrum einer schlagkräftigen Mannschaft kommen so schnell nicht wieder. Die Videotafel in der Halle zeigt seinen WM-Sieg 2007 am Reck immer wieder. Schöne Erinnerung.

          Auf Fehler der anderen warten

          Die Vorkämpfe dienen eigentlich dazu, die Starterfelder für die Finals herauszufiltern. Aber alle vier Jahre wird ihnen eine ungeheure Bedeutung aufgesattelt: Wer es hier nicht schafft, der schafft es nicht mehr zu den Olympischen Spielen. Die Männer haben das Stuttgarter WM-Finale der acht besten Teams zwar verpasst, und das sehr viel deutlicher als die Frauen als Neunte. Aber das lässt sich verkraften.

          Großes Aufatmen also. Dies sei, sagte Männer-Cheftrainer Andreas Hirsch, ein Erlebnis gewesen, das er nicht noch einmal haben wolle. Dass nämlich seine Turner am Sonntagabend zwar Herz zeigten, aber sehr gemischte Leistungen, und sie danach einen Tag lang auf die Fehler der anderen warten mussten, bis feststand, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Das macht man als anständiger Sportler nicht gerne: Den Mitbewerbern Missgeschicke an den Hals wünschen. Sie waren wohl die ganze Zeit emotional hin- und hergerissen. Marcel Nguyen, der vorerst letzte deutsche Star, dessen Schulter nicht mitspielte, dürfte es beim Zuschauen genauso gegangen sein.

          Aufatmen: Das deutsche Frauen-Team um Elisabeth Seitz darf 2020 nach Tokio.
          Aufatmen: Das deutsche Frauen-Team um Elisabeth Seitz darf 2020 nach Tokio. : Bild: dpa

          Eine stabilisierende Rolle spielte Andreas Toba aus Hannover, der Mann fürs Ausgeglichene. Er darf im Mehrkampf-Finale noch einmal an den Start gehen. Lukas Dauser, der Berliner, der sich an Hand und Fuß verletzt hatte, vergaß am Barren alle Malaisen und zog mit der besten Note des ganzen Feldes ins Gerätefinale ein. Nick Klessing (Halle) schaffte den Einzug mit Rang sieben an den Ringen, zur eigenen Verblüffung.

          Eine Nicht-Qualifikation wäre einem Erdrutsch gleichgekommen, sagte Wolfgang Willam, Sportdirektor des DTB. Es wäre das erste Mal gewesen. Der ganze Sport steckt zudem in einer Zange: Die Gesamtzahl der Athleten, die bei Olympia starten dürfen, bleibt zwar bei gut 10.000, aber durch die laufende Diversifizierung der Sportarten schrumpfen die einzelnen Starterfelder, und der internationale Konkurrenzkampf wird immer härter. Olympia aber ist der Maßstab, was die nationale Geldverteilung angeht. Auch dem Publikum war die Tragweite dieser ersten vier Wettkampftage offenbar klar. Insgesamt erwartet der Veranstalter 100.000 Zuschauer. 50.000 waren bereits da, bevor die erste Medaille vergeben wurde.

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