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Olympia-Test bestanden : Steinruck läuft wieder Bestzeit

  • -Aktualisiert am

Daumen hoch: Katharina Steinruck freut sich über die eigene Leistung bei einem Olympiatest in Sapporo. Bild: AFP

Trotz und wegen heftiger Windböen: Die Langstreckenläuferin der Eintracht belegt beim Halbmarathon von Sapporo Platz vier und steigert sich in ihrer persönlichen Leistung damit abermals. Olympia kann kommen.

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          Die Premiere hatte Katharina Steinruck nervös und unsicher werden lassen. Nie zuvor war die Langstreckenspezialistin von Eintracht Frankfurt so kurz nach einem Marathon wieder zu einem Rennen über die halbe Klassiker-Strecke an den Start gegangen. Gerade mal zweieinhalb Wochen ist es her, dass die 31-Jährige auf dem Flugplatz von Enschede ihre bisherige Bestzeit über 42,195 Kilometer auf 2:25:59 Stunden steigerte. In der Nacht zum Mittwoch trat sie in der japanischen Stadt Sapporo zu einem Lauf über 21,1 Kilometer an. „Ich hatte keine Ahnung, was mein Körper dazu sagen würde“, sagt Steinruck.

          Das Wagnis machte sich bezahlt. Trotz „sehr stürmischer Bedingungen“ setzte die einzige deutsche Leichtathletin, die zu der Testveranstaltung auf einen Teil der Strecke ging, auf der am 8. August die olympischen Marathon-Medaillen vergeben werden, wieder eine neue persönliche Rekordmarke. Als Vierte erreichte sie nach 1:10:43 Stunden das Ziel, hinter drei einheimischen Athletinnen, unter denen Mao Ichiyama in 1:08:28 die Schnellste war.

          Nicht nur die große Runde mit dem kleinen Anstieg, an der entlang, anders als auf dem abgeriegelten Kurs in den Niederlanden, Zuschauer anfeuerten, sorgte für Abwechslung. Die Windböen bremsten die Läuferin bisweilen auf 3:30 Minuten pro Kilometer herunter oder beschleunigten, sodass es auch 20 Sekunden schneller ging. Das Hin und Her ließ die Athletin kalt; „es rollte ganz gut“, stellte Steinruck fest. Unter den lediglich sieben Gästen, die aus dem Ausland bei dem Rennen antraten – dem Rehlinger Richard Ringer wurde die Einreise verwehrt –, sammelten andere ähnlich positive Erfahrungen. Das zeige, so Steinruck, dass man trotz der besonderen, der Pandemie geschuldeten Bedingungen starke Leistungen bringen könne, „wenn man sich auf die besonderen Umstände einlässt“.

          Täglich getestet

          Die Japaner achteten konsequent und streng darauf, dass die Hygiene- und Quarantäneregeln eingehalten wurden. Die ausländischen Starter flogen nach einer Nacht in Tokio samt Fitnesstraining auf dem Hotelflur mit einer Chartermaschine zum Wettkampfort. Zuvor hatten sie vier Stunden am Airport der Hauptstadt mit den Einreiseformalitäten verbracht: einen Test auf das Virus bestehen, zahlreiche Formulare ausfüllen und nicht zuletzt diverse Corona-Apps aufs Handy laden müssen. „Bei wem das nicht funktioniert oder wer kein Smartphone besitzt, muss sich eins kaufen“, erzählt Steinruck. Ausnahmen gebe es nicht.

          Auf Hokkaido durften die weiter täglich getesteten Sportler in einem Stadion trainieren, mussten sich jedoch sonst auf ihren Zimmern aufhalten. Drei japanische Betreuer, die sich um alles kümmerten, lebten mit den Läufern zusammen in der Isolation. Eigene Trainer oder Begleiter waren nicht zugelassen.

          Alle Optionen offen halten

          „Es wird eine ganz klare Linie gefahren“, berichtet Steinruck. Ihr selbst gebe das die Gewissheit, dass die Spiele stattfinden können. „Aber viele Athleten werden sich wundern, was da alles auf sie zukommt.“ Dem eigenen Nationalteam soll sie von ihren Eindrücken berichten

          Nach ihrer Rückkehr am Freitag beginnt die Tochter von Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig mit der Vorbereitung auf den olympischen Marathon. Als Zweite der nationalen Rangliste gilt sie als so gut wie qualifiziert, doch Steinruck bleibt vorsichtig: „Es stehen noch zwei Rennen mit deutschen Läuferinnen an.“ Sie plant, beim Europacup über 10.000 Meter Anfang Juni in London zu starten. Deshalb war Steinruck auch für die deutschen Meisterschaften am Wochenende in Mainz und einen Wettkampf unter der Woche in Stockholm gemeldet. „Man weiß nie, welcher Wettkampf wirklich stattfindet.“ Man müsse sich alle Optionen offen halten. Den frühzeitigen Ruf nach Japan empfand sie als „große Ehre“. Grünes Licht für die Reise gab es aber erst am Donnerstag davor. Nach dem Halbmarathon in Sapporo kann sie mit vollem recht behaupten: „Ich denke, ich stehe sehr gut da.“

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