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Angst vor dem Zika-Virus : Das gefürchtete Rio-Souvenir

  • -Aktualisiert am

Schöne Bilder, gefährliche Bilder: Was passiert, wenn sich Athleten aus aller Welt mit dem Zika-Virus infizieren? Bild: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor dem immer gefährlicher werdenden Zika-Virus. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio wächst die Angst vor einer weltweiten Verbreitung durch heimkehrende Athleten.

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          Nicht einmal zwei Wochen brauchten die Organisatoren der „World Tour“, um am Copacabana-Strand ein ansehnliches Beachvolleyball-Stadion in den Sand zu stellen. Ein bisschen Olympia-Vorfreude dürfen die Touristen in Rio de Janeiro in diesen Tagen genießen: Die Sportart, die den Brasilianern nach Fußball am wichtigsten ist, wird in sechs Monaten zu den Höhepunkten der Sommerspiele (5. bis 17. August) zählen. An der Außenwand des Stadions ist eine Schautafel angebracht. Sie zeigt das illustre Feld der Teilnehmer. Aus fünf Kontinenten sind die Sportler, Trainer und Betreuer aus allen Ecken der Welt angereist, und genau das ist das Problem.

          Denn wenn sich in nicht einmal sechs Monaten die Jugend der Welt unter dem Zuckerhut trifft, dann wird diese Jugend auch irgendwann wieder einmal in die knapp 200 Länder auf diesem Planeten zurückreisen. Und mit Athleten, Betreuern, Journalisten und Touristen macht sich dann auch das Zika-Virus auf eine Reise rund um die Erde. Aus Deutschland werden nach Schätzungen des Generalkonsulats in Rio rund 15.000 Fans erwartet.

          Den letzten Winkel des Globus

          Das ist eine der eher unschönen Vorstellungen davon, wie dieses Olympia-Souvenir anschließend auch den letzten Winkel des Globus erreicht: die afrikanische Steppe, das skandinavische Fischerdorf, die asiatische Millionenmetropole. Für Epidemieforscher ist das eine kleine Horrorvorstellung: Olympia als Brandbeschleuniger für die Ausbreitung eines Virus rund um den Globus. Bislang ist das Zika-Virus laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst in 50 Ländern nachgewiesen, hauptsächlich in Lateinamerika und der Karibik.

          In dieser Woche trafen die Olympia-Manager, die vor ein paar Wochen noch erstaunlich gelassen alle Schreckensszenarien beiseitewischten, gleich zwei schlechte Nachrichten. Die WHO zündete die nächste Eskalationsstufe. Das Zika-Virus ist nicht nur gefährlicher als gedacht, seine Verbreitung ist auch schon deutlich weiter fortgeschritten als vermutet.

          Das Virus bringt obendrein auch noch ein paar Krankheitsbilder mehr mit als Kinder mit fehlgebildeten Schädeln. Fälle des Guillain-Barré-Syndroms, einer Nervenentzündung, die zur Lähmung führen kann, werden mit dem Virus in Verbindung gebracht, Totgeburten und ein paar Todesfälle von Erwachsenen werden laut brasilianischen Medien von den Behörden näher untersucht. Eine zweite schlechte Nachricht verbreitete die Tageszeitung „O Globo“: Die Zahl der registrierten Schädelmissbildungen bei Kindern habe allein in einer Woche um 16,2 Prozent zugenommen. Ein Tempo, das die Angst, die Zika verbreitet, deutlich steigert.

          Die gleiche Zeitung zitierte vor ein paar Tagen einen brasilianischen Wissenschaftler, dessen Aussage nur wenig Hoffnung weckt, dass sich das Thema von selbst erledigen könnte, wie IOC-Präsident Thomas Bach mit Blick auf den brasilianischen Winter und den erhofften Kältetod der das Virus in sich tragenden Ägyptischen Tigermücke (aedes aegypti) noch vor ein paar Wochen erhoffte. Klar ist: Das Virus wird nicht nur per Mückenstich übertragen, sondern auch durch sexuellen Kontakt. Die „Klimaanlagen-Lösung“, die das Organisationskomitee ins Gespräch brachte, dürfte nur bedingt tauglich sein, Ansteckung zu verhindern. Pedro Vasconcelos, der sich mit der Erforschung des Themas beschäftigt, ließ die Leser wissen: „Ich persönlich habe noch nie ein Virus gesehen, dass eine solche intensive Zerstörung verursacht.“

          Dr Marie-Paule Kieny, World Health Organization (WHO)
          Dr Marie-Paule Kieny, World Health Organization (WHO) : Bild: Reuters

          Zudem werden die Fußballspieler quer durch Brasilien gejagt. Gespielt wird auch in Manaus und Salvador, wo die ansonsten ungenutzten Stadien der WM dringend auf eine Anschlussverwendung warten – und wo deutlich mehr Zika-Infekte festgestellt wurden als in Rio de Janeiro.

          Die Ungewissheit wird sich bis zu den Spielen kaum lichten. Es gibt keine wissenschaftlich belastbaren und fundierten Aussagen, welche die tatsächlichen Konsequenzen für einen mit dem Virus infizierten Menschen verbindlich beschreiben. Für allem für Frauen im gebärfähigen Alter bleibt das ungute Gefühl, nicht zu wissen, auf was sie sich da einlassen. Die WHO rät inzwischen Schwangeren dringend von Reisen in die befallenen Gebiete ab und warnt auch vor Geschlechtsverkehr mit Personen, die in diesen Regionen leben.

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