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„Vielleicht die letzte Chance“ : Die große Sehnsucht des Tiger Woods

  • -Aktualisiert am

Hoffnungsfroher Blick in die Zukunft: Tiger Woods in San Diego Bild: AFP

Der Golfstar legt wieder los – und die Erwartungen an den Amerikaner sind enorm. Doch zwischen Auftritten mit seinem zehnjährigen Sohn und Major-Turnieren hat Tiger Woods ein ganz besonderes Ziel.

          3 Min.

          Tiger Woods kämpft wieder einmal, wie es der amerikanische Sender Golf Channel treffend beschrieb, wie Don Quijote gegen Windmühlen. Immer wieder hat er vergebens versucht, die oft übertriebenen Erwartungen zu dämpfen. Und in diesem Jahr sind sie besonders hoch. Denn in den vergangenen 13 Monaten errang der Superstar drei große Siege, gewann mit dem Masters seinen 15. Major-Titel und schloss nach einer Knieoperation im Herbst das Jahr 2019 brillant ab.

          Ihm gelang in Japan bei der Zozo Championship der 82. Triumph auf der PGA Tour, mit dem er den Rekord von Sam Snead egalisierte. Sein letzter Auftritt beeindruckte alle Beobachter und Kollegen. Als Playing Captain führte er das amerikanische Team in Melbourne zum Sieg im Presidents Cup gegen eine Weltauswahl ohne Europa. Er gewann seine drei Matches und demonstrierte mit einem Einzelsieg gegen den Mexikaner Abraham Ancer seine Klasse.

          Mehr Ballgeschwindigkeit

          So war es nicht verwunderlich, dass der Publikumsliebling vor seinem Jahresdebüt auf dem North Course von Torrey Pines in La Jolla, einem Stadtteil von San Diego, bei der Farmers Insurance Open erst einmal alle in die Schranken weisen musste, die ihn auf der Anlage am Pazifik schon als den haushohen Favoriten für den 83. Sieg auf der PGA Tour sahen. „Ich denke nicht an Rekorde. Ich denke daran, wie ich spielen muss, wie meine Taktik aussieht“, sagte Woods, der an diesem Donnerstag mit neuen Metallhölzern auf die Runde gehen wird. Sie sollen ihm etwas mehr Ballgeschwindigkeit und damit mehr Weite beim Abschlag bringen. Ob er damit den Ball wie bei seinen letzten Auftritten auf unterschiedlichen Kurven auf die Spielbahn steuern könne, müsse sich aber erst noch zeigen.

          Trotz dieser kleinen Einwände wirkte Woods optimistisch, bevor er gemeinsam mit dem spanischen Weltranglistendritten Jon Rahm und der amerikanischen Nachwuchshoffnung Collin Morikawa auf die erste Runde ging: „Es gibt in meinem Spiel nicht viel abzustauben“, sagte er – und dämpfte doch gleich wieder alle, die ihn zum Topfavoriten küren wollten: „In meinem Alter gibt es mehr schlechte als gute Tage“, beschrieb Woods sein körperliches Befinden nach vier Rücken- und Knieoperationen. „Ich kann nicht einfach auf den ersten Abschlag gehen und den Ball 300 Meter weit schlagen. Ich muss mich stundenlang aufwärmen und vorbereiten“, erläuterte er, wie er seinen Körper auf die Turnierbelastungen vorbereitet.

          Malerische Szenerie: Tiger Woods spielt in San Diego auf dem Torrey Pines Golf Course.

          Deshalb gönnt er sich auch immer wieder Pausen. Woods hat in den vergangenen Wochen wenig gespielt. Nach dem Presidents Cup fasste er zwei Wochen lang keinen Schläger an. „Ich habe dann an meinem 44. Geburtstag am 30. Dezember eine Runde mit meinem Sohn Charlie gedreht, so wie ich es auch immer mit meinem Vater tat“, erzählt er. Am 13. Januar diente er seinem zehn Jahre alten Sohn bei einem Jugendturnier in Florida als Caddie. Die Videos vom Schwung des Filius sorgten im Internet für Furore. Kollegen twitterten mit Augenzwinkern, dass sie schon den nächsten Major-Champion, den nächsten großen Dominator sahen, beschrieben den Schwung gar als besser als den des Vaters. In der Tat: Der Schwung von Woods junior beeindruckt, auch wenn er bei dem 9-Loch-Turnier mit fünf Schlägen über Par im geschlagenen Feld landete.

          „Vielleicht meine letzte Chance“

          Für den langjährigen Primus sind solche Plazierungen natürlich kein Thema. Noch immer glaubt er, weitere Majors gewinnen zu können. Jack Nicklaus, der am 21. Januar seinen 80. Geburtstag feierte, habe 26 Jahre für seine 18 Major-Erfolge benötigt. Da bleibe ihm, der 1997 mit dem Masters seinen ersten großen Titel errang, noch Zeit. Aber nicht nur die Majors hat Woods in diesem Jahr im Auge. Er will bei den Olympischen Spielen in Tokio antreten. „Das ist vielleicht meine letzte Chance“, sagte Woods, „aber es ist sehr, sehr schwer, sich für das Team zu qualifizieren.“ Im olympischen Ranking der International Golf Federation (IGF) rangiert er derzeit wie in der Weltrangliste auf Platz sechs. Damit wäre er neben dem Primus Brooks Koepka, Justin Thomas und Dustin Johnson einer der vier Amerikaner, die bei Olympia antreten dürfen. Aber bis zum 22. Juni, dem Stichtag für die Olympia-Qualifikation, stehen noch viele Turniere an.

          Peter Dawson, der IGF-Präsident, verbreitet dennoch Optimismus: „Wenn Tiger wieder das Masters gewinnt, ist die Sache klar.“ Denn auch wenn in diesem Jahr alle Topspieler im rund 60 Kilometer von Tokio entfernten Kasumigaseki Country Club vom 5. bis 8. August um Medaillen kämpfen wollen – nichts würde das Interesse und die TV-Quoten so steigern wie die Teilnahme von Woods, zumal der Tiger auch in Japan die Massen fasziniert wie kein anderer. Als er bei der Zozo Championship mit dem Lokalmatador Hideki Matsuyama um den Sieg kämpfte, gehörten die Sympathien eindeutig dem Amerikaner. „Als es 2008 darum ging, ob Golf wieder olympisch wird, hatte das Internationale Olympische Komitee nur eine Frage: Spielt Tiger Woods?“, erinnert sich der Amerikaner Ty Votaw, der damals für die IGF die Lobbyarbeit leistete. Zwölf Jahr später ist diese Frage noch immer hochaktuell.

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