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Olympia-Evaluierung : Ein paar Fussel in der Suppe

Olympia lockt: Die Bewerber (v.l.) Bernhard Schwank, Katarina Witt und Christian Ude sind zufrieden mit dem Prüfbericht des IOC Bild: dpa

Das IOC-Zeugnis fällt sehr gut aus für die Olympiabewerber München und Pyeongchang. Größter Nachteil der Deutschen: Die moderate Begeisterung in der Bevölkerung. Dagegen protzen die Südkoreaner mit Quoten zwischen 87 und 92 Prozent.

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          Zwei Tage nach den letzten Hausaufgaben kam das Zeugnis. Es fiel sehr gut aus für München 2018, und so nutzte Oberbürgermeister Christian Ude die Gelegenheit, sich „gleich zum zweiten Mal in so kurzer Zeit sehr erleichtert“ zu zeigen. Nachdem die Bürger von Garmisch-Partenkirchen sich am Sonntag mehrheitlich für Winterspiele ausgesprochen hatten (siehe: Garmisch: OlympiJa gewinnt gegen NOlympia), hat nun der Prüfbericht, den das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Dienstag veröffentlichte, der deutschen Bewerbung für 2018 alle Voraussetzungen für „erfolgreiche Spiele“ bescheinigt, ohne Sicherheitsbedenken und finanzielle Probleme.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Damit wäre der Weg zu den Winterspielen frei – gäbe es nicht die beiden anderen Bewerber, die ebenfalls im Bericht der Evaluierungskommission die TÜV-Plakette bekamen. Wie München erfüllen auch Pyeongchang und Annecy die technischen Voraussetzungen, die Spiele 2018 auszurichten – wobei das Urteil für Annecy im einzelnen allerdings so mäßig ausfällt, dass der ohnehin halbherzigen französischen Bewerbung kaum noch eine Chance gegeben wird.

          „Athletenfreundlich, kompakt, finanziell solide, nachhaltig“

          Endgültig läuft es in den letzten acht Wochen nun auf ein Duell zwischen Pyeongchang (Südkorea) und München hinaus, die beide annähernd gleich gut bewertet werden. Die Unterschiede liegen im Detail und manchmal zwischen den Zeilen. Die Aufgabe vor der Entscheidung am 6. Juli wird darin bestehen, die kleinen Schwächen kleinzureden und die großen Stärken in plakativen Botschaften eindringlich zu wiederholen. Spätestens seit der Vorlage des 119-seitigen Papiers durch das IOC liegen alle Fakten auf dem Tisch. Nun ist nur noch Wahlkampf.

          „Dass unser Konzept in allen Teilen bestätigt und gewürdigt wurde“, las Bernhard Schwank, der Geschäftsführer der Bewerbung, aus dem Bericht der Evaluierungskommission heraus und wiederholte die bekannten und vom IOC gewürdigten Stärken der Münchner Konzeption: „athletenfreundlich, kompakt, finanziell solide, nachhaltig“. Es sei ein „starkes Angebot für 2018“.

          Dürftige Schneeverhältnisse zu erwarten

          „Kein einziges Haar in der Suppe“ hätten die Prüfer gefunden, behauptete Ude, womit er leicht übertrieb. Zumindest gab es einige lästige Fusseln in der Münchner Olympia-Suppe. Etwa den Hinweis auf die ungeklärten Grundstücksfragen in Garmisch-Partenkirchen – die allerdings laut Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, „wegen der vorhandenen Alternativplanungen keine Rolle spielen“. Kritische Anmerkungen gab es auch zu den hohen Hotelpreisen in München. Und zu den dürftigen Schneeverhältnissen am nur 660 Meter hoch gelegenen Staatsgestüt Schwaiganger, wo die zunächst in Oberammergau geplanten Wettbewerbe im Biathlon und Skilanglauf stattfinden sollen.

          Vor allem aber die Zahlen der öffentlichen Zustimmung, die das IOC in einer eigenen Erhebung maß und im Bericht dokumentierte, stellen einen erheblichen Nachteil gegenüber den Koreanern dar: mit nur 60 Prozent in München, 53 Prozent in Bayern (ohne München) und 56 Prozent deutschlandweit – während Pyeongchang mit Quoten zwischen 87 und 92 Prozent protzen konnte. Ude betonte, dass es während der Erhebung im Dezember noch eine hohe Anzahl an „Unentschiedenen“ in der Bevölkerung gegeben habe, die man seitdem in Unterstützer der Bewerbung habe verwandeln können. Er zitierte eine Umfrage, die bundesweit „drei Viertel der Bevölkerung“ auf der Seite von München 2018 sehe.

          Nur 1,3 Hektar Wald müssen geopfert werden

          Mit solchen Nachbesserungen und weiteren Reaktionen auf den Prüfbericht werden die Bewerber bei der Präsentation in Lausanne in der nächsten Woche versuchen, bei den IOC-Mitgliedern, die am 6. Juli über die Vergabe entscheiden, die wenigen dokumentierten Nachteile ihres Konzepts abzuschwächen. Und dazu die Vorzüge zu betonen, unter denen der Bericht die „bewiesene Erfahrung Deutschlands als Gastgeber von internationalen Großereignissen“ und das „starke Transportsystem“ aufführt. Vor allem wird München dann das Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept herausstellen, das als „stark und innovativ“ beurteilt wurde, weil es nur „sehr niedrige permanente Auswirkungen auf die Umwelt“ zur Folge haben werde. Nur 1,3 Hektar Wald müssen demnach für Wettkampfstätten geopfert werden, im Gegensatz zu 94 Hektar in Südkorea, wo der Bericht die „signifikanten Auswirkungen“ auf die Wälder kritisiert.

          Direkt vergleichen darf sich München mit den Konkurrenten laut IOC-Regeln nicht. Doch den kritischen Hinweis in der Einleitung des Berichts, in der die Prüfkommission eine „wachsende Tendenz bei Kandidatenstädten“ beklagt, in der Bewerbungsphase die IOC-Anforderungen überzuerfüllen und damit „zusätzliche Kosten“ und „eine unnötige Inflation rund um die Spiele“ zu befördern – diese Kritik bezog Geschäftsführer Schwank eindeutig auf andere: „Ich sehe das nicht bei der Münchner Bewerbung“.

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