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Hockey-Teams zu Olympia : Eine Partynacht – und dann ran an die Arbeit

  • -Aktualisiert am

Tokio, wir kommen: Die Hockey-Männer freuen sich auf Olympia. Bild: dpa

Die beiden deutschen Hockey-Teams qualifizieren sich in den Play-offs für Olympia 2020 in Tokio. Für die Entwicklung der Sportart ist die Teilnahme ganz unabhängig vom sportlichen Reiz immens bedeutsam.

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          Den Duft einer wilden Partynacht brachten die deutschen Hockey-Nationalspielerinnen mit, als sie nach ihrem 7:0-Sieg gegen Italien in den Gängen des Mönchengladbacher Hockey-Parks auftauchten. Es roch nach Schweiß, nach einer ordentlichen Portion Begeisterung und nach Alkohol. Anlässlich ihrer vollbrachten Olympia-Qualifikation für die Spiele von Tokio im kommenden Sommer hatten sie „ein bisschen mit Sekt gespritzt“, berichtete Nike Lorenz, und dafür gab es an diesem Tag gute Gründe. Denn später am Abend durften sich dann auch die Männer durch ein 5:3 gegen Österreich ihrer Freude auf Tokio 2020 hingeben. Herren-Bundestrainer Markus Weise lobte die beiden Spiele seiner Mannschaft als „sehr überzeugend“, die Olympiasieger von 2012 hatten schon durch ein 5:0 im Hinspiel am Samstag den Grundstein für den Erfolg gelegt.

          Zum ersten Mal waren Play-Off-Partien zur Olympia-Qualifikation erforderlich, was für die Zuschauer sehr unterhaltsam war. „Ich fand es vom Spannungsbogen sehr, sehr interessant und habe immer wieder auch die anderen Spiele zum Beispiel in Indien beobachtet“, sagte Heino Knuf, der Sportdirektor des Deutschen-Hockey-Bundes (DHB). Frauen-Bundestrainer Xavier Reckinger fühlte sich in diesem Wettkampfformat hingegen ein wenig „komisch“, weil ein einzelnes Wochenende plötzlich eine derart große Bedeutung hatte. Doch als der Ball am Sonntag im Rückspiel rollte, war die nervliche Anspannung nach dem knappen 2:0 im Hinspiel auch bei ihm schnell verflogen.

          Nach 90 Sekunden hatten Cecile Piper und Nike Lorenz bereits zwei Tore für Deutschland erzielt. Ebenfalls noch im ersten Viertel traf Lena Micheel (8.), danach konnte die Mannschaft ihre Überlegenheit doch noch mit einer gewissen Lockerheit ausspielen. „Wir wollten besser sein als gestern, und das haben wir von Anfang an sehr gut umgesetzt“, sagte Reckinger, der später noch weitere Treffer von Elisa Gräve (40., 55.), Pieper (43.) und Pia Maertens bejubeln konnte (60.). Die Ziele für das kommende Jahr sind damit klar. „Ohne Medaille wollen wir nicht aus Tokio nach Hause fahren“, sagte Franzisca Hauke.

          Die deutschen Hockey-Spielerinnen Hannah Gablac (l-r), Pia Maertens, Cecile Pieper, Maike Schaunig und Nike Lorenz jubeln über sieben Tore gegen Italien.
          Die deutschen Hockey-Spielerinnen Hannah Gablac (l-r), Pia Maertens, Cecile Pieper, Maike Schaunig und Nike Lorenz jubeln über sieben Tore gegen Italien. : Bild: dpa

          Olympische Spiele sind gerade in diesem Sport der mit Abstand attraktivste Wettbewerb, hier können auch Hockeyspieler zu echten Stars werden. Für die Entwicklung der Sportart ist die Olympiateilnahme aber auch ganz unabhängig vom sportlichen Reiz immens bedeutsam. Die Höhe der Fördergelder hängt direkt an der Qualifikation für die Spiele, gut drei Millionen Euro erhält der Verband in jedem Jahr vom Bund. „Wir sind sehr abhängig von öffentlichen Fördermitteln“, sagte Weise, der die Mannschaft nun an einen Nachfolger übergeben wird. „Ich weiß, es gibt einen geschlossenen Vertrag“, sagte Weise, den Namen des neuen Chefcoaches mochte er aber nicht verraten.

          Nach Informationen der F.A.Z. handelt es sich um Kaiss Al Saadi, der bis 2018 den UHC Hamburg trainiert hat. Am Sonntag wollte das niemand offiziell kommentieren. „Das möchte ich der Mannschaft mitteilen, das möchte ich den Medien vorher nicht sagen“, erklärte Knuf. In den kommenden Tagen werde die Entscheidung aber auch offiziell verkündet werden. Klar ist in jedem Fall, dass das Team auch unter dem neuen Trainer mit dem Vorsatz nach Tokio reisen wird, eine Medaille zu gewinnen.

          Die Grundlagen sind offenbar vorhanden. Das Team um den von seiner Kreuzbandverletzung genesenen Routinier Tobias Hauke hatte das Hinspiel am Samstag souverän gewonnen, am Sonntag legten Mats Grambusch (14.) und Marco Miltkau (15.), Constantin Staib (39.), Niklas Wellen (57.) und Christopher Rühr (57.) fünf Tore nach. Die Treffer für Österreich schoss alle Michael Körper jeweils nach Strafecken (14., 40., 41.).

          Damit ist die finanzielle Ausstattung vorerst gesichert, und klar ist auch, an welchen Themen beide Teams in den Lehrgängen der kommenden Monate arbeiten müssen. Es gilt Defizite im athletischen Bereich zu beheben, und mental wirkten die deutschen Teams gerade in den großen Turnierspielen zuletzt nicht stabil. Reckinger zählte eine lange Liste mit nun anstehenden Arbeitsfeldern auf. „Die Energie ohne Ball muss hoch, unsere Ecken müssen viel besser werden, und wir sind noch nicht konstant genug“, sagte der Damen-Bundestrainer. „Wir müssen viel besser werden, wenn wir eine Medaille wollen“. Um den Traum wahrscheinlicher zu machen, haben die Spielerinnen nun beschlossen, auf die Hallensaison zu verzichten, und alles dem großen Turnier des kommenden Sommers unterzuordnen, was Reckinger als „starkes Zeichen“ wertet, was aber noch zu einigem Unbehagen bei den Klubs führen könnte.

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