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Kein Olympia bei ARD und ZDF : Bitte umschalten!

Die Olympiabilder werden bald nicht mehr für die ARD und das ZDF produziert. Bild: dpa

Nische statt Hauptattraktion: Schon die nächsten Winterspiele werden deutsche Fernsehzuschauer allein in Spartensendern verfolgen können. Könnte Olympia schon bald ein wenig beachtetes Sportereignis werden?

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          Wo bitte geht’s zu Olympia? Während Staat und Sport mit ihrer Spitzensport-Reform den Fokus der Top-Athleten Deutschlands vor allem auf Olympische Spiele richten, droht das Weltereignis des Sports abzutauchen in der Nische. Schon die nächsten Winterspiele werden deutsche Fernsehzuschauer allein in den Spartensendern Eurosport und Dmax verfolgen können. Erstes und zweite Programm der gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender haben mit ihrem Angebot von angeblich 100 Millionen Euro nicht einmal Teile des Programms ersteigern können oder wollen.

          Michael Reinsch
          (mr.), Sport

          Der Sport-Winter 2018 wird seinen olympischen Höhepunkt in Pyeongchang haben, einem südkoreanischen Skigebiet östlich von Seoul. Es ist deutscher Zeit acht Stunden voraus; wenn hier Frühstückszeit ist, hat dort das Nachmittagsprogramm begonnen, sobald unsere Prime Time ansteht, herrscht dort Nachtruhe. Ist damit das nächste der Lagerfeuer erloschen, um die sich ein Fernsehvolk sammelt, ein weiteres Gemeinschaftserlebnis der Sportnation Vergangenheit? Kaum noch gibt es, von Fußballspielen und der Krimiserie Tatort einmal abgesehen, etwas, das an die Straßenfeger vergangener Zeiten erinnert: Sendungen, die das Land veröden ließen, weil alle vor dem Fernseher saßen. Nun sorgt womöglich nicht einmal mehr Olympia für das große Wir.

          Erst im Februar 2018 wird die Frage beantwortet werden: Schrumpft Olympia an Bedeutung und Relevanz, wenn es sich in die Nische zwängt? Oder schwingt Eurosport sich mittels Olympia zum Nationalspieler auf? Die Öffentlich-Rechtlichen werden, das liegt in der Logik der Konkurrenz, gegen Olympia ansenden. Und sie werden es nicht nur während des Winters von Pyeongchang leicht haben. Denn auch die folgenden Spiele finden ebenfalls zu nachtschlafender Zeit statt: die Sommerspiele 2020 in Tokio, die Winterspiele 2022 in Peking. Allein die Sommerspiele 2024 werden nicht in Asien stattfinden. Neben Paris und Budapest bewirbt sich Los Angeles.

          Wie kritisch können und wollen Spartensender berichten?

          Die Glaubwürdigkeits-Krise des Sports macht die Aufgabe der privaten Sport-Funker nicht einfacher. Immer noch wirkt das Entsetzen von Athleten und Publikum darüber nach, dass die von einem Doping-Skandal betroffene russische Mannschaft mit Flagge und Hymne zu den Spielen in Rio de Janeiro einmarschieren durfte. Noch immer nicht schaffen es Fußball und Leichtathletik, Korruption in ihren internationalen Verbänden aufzuklären; immer wieder holt die Vergangenheit sie ein. Wird ein Sender wie Eurosport sich Journalismus mit der impliziten Kritik überhaupt leisten wollen? Schließlich gilt es, das teure Produkt optimal zu vermarkten und es nicht zu beschädigen.

          Noch ist nicht einmal abzusehen, welche Kompetenz die privaten Sportfunker am Mikrofon zu bieten haben werden und ob sie ein für Deutschland maßgeschneidertes Programm schaffen werden. Nur die mitunter einäugige Orientierung an der eigenen Olympiamannschaft schafft nationale Mythen und Erinnerungen, von der Wunderstute Halla bis zur Diskus-Siegerehrung von Rio, gebiert Helden wie den ewig zweiten Hürdenläufer Harald Schmid, wie Silber-Schwimmerin Franziska van Almsick mit der lila Kuh, wie den verletzt turnenden Andreas Toba.

          Kann so etwas überhaupt Ziel eines renditeorientierten Unternehmens wie Discovery sein, das 1,3 Milliarden Euro für die Europa-Rechte der nächsten vier Spiele gezahlt hat? Thomas Bach und sein Internationales Olympisches Komitee (IOC) versprechen sich von dem Deal olympische Rundum-Präsenz: auf Mobiltelefon, Tablet, Laptop und, selbstverständlich, dem vernetzten Fernsehbildschirm. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), setzt wie sein Vorgänger Bach auf die digitale Breitseite. Sie lasse hoffen, sagt er, dass der olympische Sport vor allem jüngere Zielgruppen erreiche. Er streichelt aber auch ARD und ZDF, indem er ihre „exzellente Berichterstattung aus Rio“ lobt. Schließlich gibt es ja noch die langen vier Jahre zwischen Olympischen Spielen, in denen alle Sportarten, die nicht Fußball sind, kaum Beachtung finden.

          Weniger Sendezeit von den Paralympics?

          Ein Kollateralschaden der Rechte-Vergabe könnten die Paralympics sein. Bisher ließen ARD und ZDF ihre Technik in der Olympiastadt und nutzten sie für die folgende Veranstaltung. Nun werden sie womöglich ihr Engagement reduzieren. Doch auch große olympische Sportverbände dürften sich um ihre Präsenz sorgen, wenn Fernsehsender keinen Grund sehen, ihre Experten in der zwischenolympischen Ebene zu beschäftigen. Schwimmer, Turner und Radrennfahrer, Golfer, Triathleten und Ruderer haben vorgesorgt und ihre Europameisterschaften 2018 in Glasgow zusammengelegt. Gemeinsam mit der EM der Leichtathleten in Berlin ergibt dies ein attraktives Fernsehprogramm für zwölf Tage; eine Art Schmalspur-Olympia. Diese European Championships sollen alle zwei Jahre stattfinden; die öffentlich-rechtlichen Sender haben bereits zugegriffen. Fehlt nur noch die Anerkennung von Europameisterschaften als sportliches Ziel im neuen Spitzensportkonzept.

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