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Olympia 2018 : Spiele der Versöhnung

  • -Aktualisiert am

Elf israelische Sportler verloren 1972 beim Olympia-Attentat ihr Leben Bild: picture-alliance/ dpa

Bei der IOC-Prüfung ging es um Sportstätten, Staatsgarantien und Unterkünfte, doch der Gedanke an das Attentat 1972 begleitete die Kommission. Die Münchner Olympiabewerber versprechen eine angemessene Auseinandersetzung.

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          Die deutschen Olympiabewerber haben fast eine Woche lang alles getan, um Gunilla Lindbergs Herz zu erwärmen, aber die Schwedin blieb kühl. Zwangsläufig - die Vorsitzende der Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) muss sich eines öffentlichen Urteils über die drei Bewerber für die Winterspiele 2018, München, Annecy und Pyeongchang, enthalten.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          „Dies ist eine starke Bewerbung mit einer starken Unterstützung durch die Regierung“, war schon ihre deutlichste Aussage bei der Abschluss-Pressekonferenz des Inspektionsbesuchs im Münchner Rathaus. Doch einen sentimentalen Moment gab es doch: Das war, als sie sich an die Olympischen Sommerspiele 1972 in München erinnerte. Sie schwärmte von der Schönheit des Olympiaparks - „ich kann nicht glauben, dass es schon so lange her ist“.

          Die 63 Jahre alte Schwedin begleitete schon damals ihre Mannschaft als Funktionärin und erinnerte sich im Gespräch mit Walther Tröger, dem einstigen Bürgermeister des Olympischen Dorfs, lebhaft an diese Zeit. Auch an das größte Trauma Olympias, die Geiselnahme von München, an deren Ende siebzehn Tote standen; es ist ihr immer noch gegenwärtig. „Ich habe gemischte Gefühle, wenn ich an die Spiele in München denke“, sagte sie. „Wir werden uns immer an die traurigen Ereignisse erinnern.“

          „Von Beginn unserer Bewerbung an immer an die Tragödie gedacht“

          In den Prüfungstagen ging es zwar intensiv um Sportstätten, Finanzen, Staatsgarantien und Unterkünfte, doch der Gedanke an das Attentat begleitete die Kommission auf ihren Wegen - mit dem Japaner Tsuneka Takeda (Reiten) und dem Neuseeländer Barry Maister (Hockey) gehörten der IOC-Abordnung zwei aktive Olympiateilnehmer von München an. „Wir haben von Beginn unserer Bewerbung an immer an die Tragödie gedacht“, sagte Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Vorsitzender der Bewerbungsgesellschafter.

          Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen elf israelische Sportler in ihre Gewalt gebracht, die alle ihr Leben verloren. „Die ganze olympische Bewegung wurde damals zur Geisel genommen“, sagte Bach. „Olympische Winterspiele in München können diese Geschichte nicht abschließen, sie wird immer in unseren Herzen bleiben. Aber sie könnten zur Versöhnung beitragen.“

          Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, hatte beim Lokaltermin im Olympiastadion Bezug auf das Attentat genommen. Dies sei der Ort, an dem der damalige IOC-Präsident die berühmten Worte gesprochen habe: „The games must go on.“ Auch vor diesem Hintergrund betonte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich vor der Kommission, dass Deutschland etwa bei der Weltausstellung in Hannover 2000 oder der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bewiesen habe, dass es bei Großereignissen für Sicherheit sorgen könne.

          „Wir können alle Eventualitäten in den Griff bekommen“

          „Wir sind in der Lage, ein sportliches Großereignis abzusichern“, sagte Friedrich in München. „Wir können alle Eventualitäten in den Griff bekommen. Ich glaube, dass bei der Kommission daran kein Zweifel geblieben ist.“ Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann machte der Kommission klar, dass der Freistaat über die effektivste Polizei in ganz Deutschland mit der höchsten Aufklärungsquote von deutlich mehr als 60 Prozent der Kriminalfälle verfügte.

          Bach wies darauf hin, dass Charlotte Knobloch, bis November 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, schon früh dem Kuratorium der Münchner Bewerbergesellschaft beigetreten sei. Auch am Galadinner am Donnerstagabend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Frau Knobloch teilgenommen. Bach ergänzte, dass der Deutsche Olympische Sportbund, dessen Präsident er ist, sehr gut mit dem Nationalen Olympischen Komitee für Israel zusammenarbeite.

          Sollte München am 6. Juli in Durban vom IOC als Austragungsort der Winterspiele 2018 ausgewählt werden, würde in diesem Rahmen auch der Ereignisse von 1972 gedacht. „Sie können sicher sein“, kündigte Bach an, „dass wir zusammen mit dem IOC und der internationalen Gemeinschaft einen Weg finden werden, an die Tragödie zu erinnern und die Opfer zu ehren.“

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