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Olympia 2016 : Obamas Liebeswerben

  • -Aktualisiert am

Im Auftrag der Ringe unterwegs: Barack Obama Bild: AFP

Der Präsident der Vereinigten Staaten als Bittsteller beim IOC - das hat es noch nie gegeben. Doch was macht man nicht alles, um Olympische Spiele ausrichten zu dürfen. Es ist ein bizarrer Wahlkampf zwischen Chicago, Rio de Janeiro, Madrid und Tokio.

          Davon träumen Welt-Führungskräfte: dass Barack Obama sich in die Air Force One bemüht, um ihnen persönlich einen Besuch abzustatten, ja, um sich vor ihnen zu verneigen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat es geschafft: An diesem Freitag lässt der mächtigste Mann der Welt den Afghanistan-Einsatz und die Gesundheitsreform für ein paar Stunden lang schleifen, um in Kopenhagen bei der IOC-Session aufzutreten. Der Potentat in der Pose des Bittstellers - und das ist noch nicht alles. Um die Zuneigung der Olympier und ihre Stimmen für Olympiabewerber Chicago zu gewinnen, nimmt er etwas auf sich, das jeder Staatsmann, der ein bisschen etwas auf sein Charisma hält, normalerweise peinlich vermeidet. Obama riskiert es, am Ende als unpopulärer Verlierer dazustehen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Frage, ob seine Strahlkraft ausreicht, um die Olympier zu erweichen, ist offen. Obama wird sich sehr anstrengen müssen bei seiner Ansprache vor der Vollversammlung der Welt-Sportfunktionäre - 97 Mitglieder dürfen ihre Stimme abgeben -, um die milliardenschweren Sommerspiele 2016 in seine Heimatstadt zu holen. Ein Missverhältnis? Auch im IOC gibt es illustre Menschen. Fürst Albert von Monaco zum Beispiel, die englische Prinzessin Anne oder demnächst den dänischen Kronprinzen Frederic. Dass jedoch ein amtierender Präsident der Vereinigten Staaten bei diesen Operetten-Zelebritäten antichambriert - das hat es noch nie gegeben.

          Das willkommene Flair einer Weltenlenker-Konferenz

          Nicht bloß Obama kommt nach Kopenhagen, auch wenn nur er es schafft, für ein paar Stunden die dänische Hauptstadt sicherheitstechnisch lahmzulegen. Beim Präsentationsmarathon vor der Wahl wirbt für Rio de Janeiro der brasilianische Präsident Lula da Silva, für Tokio der japanische Premierminister Yukio Hatoyama, für Madrid der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, als ehemaliger Olympiateilnehmer im Segeln tritt außerdem König Juan Carlos mit seiner Frau Sofia auf - sie alle verleihen der Session das willkommene Flair einer Weltenlenker-Konferenz.

          Ausnahmezustand in Kopenhagen: der Präsident kommt

          Das IOC hat schließlich bereits früher schmeichelhafte Erfahrungen mit Regierenden gemacht. Vor vier Jahren bei der Session in Singapur gab der damalige englische Premierminister Tony Blair einer Reihe von IOC-Mitgliedern in seiner Hotelsuite Audienzen - und gewann die Spiele 2012 für London. Vergangene Woche konnte der Brite noch einmal von seinem Coup erzählen, mit dem er damals Madrid, Paris und Moskau ausstach: Valerie Jarrett, Obamas Beraterin und mit der Chicago-Bewerbung eng verbunden, ließ sich in London von ihm inspirieren - Obamas Gattin Michelle nahm sich ein Beispiel daran und hielt von Mittwoch an Hof im Kopenhagener IOC-Hotel. Vor zwei Jahren in Guatemala erwies der damalige russische Präsident Wladimir Putin den Olympiern die einmalige Ehre, in Englisch und Französisch vor ihnen zu sprechen, nachdem er die wichtigsten Wintersport-Fürsten zum Essen eingeladen hatte. An den Folgen knabbert das IOC bis heute: Die Winterspiele 2014 sollen, sofern das Geld der Oligarchen noch reicht, in dem weitgehend unerschlossenen Gebiet um Putins Urlaubsort Sotschi stattfinden.

          Finaler Zweikampf zwischen Chicago und Rio de Janeiro erwartet

          Neulich, genauer gesagt am Dienstagnachmittag, klingelte im beschaulichen Frankenstädtchen Tauberbischofsheim das Telefon - Obama war dran. Wie Thomas Bach, der Vizepräsident des IOC, bestätigte, kam es zu einem zehnminütigen Gespräch in sehr entspanntem Ton, in dessen Verlauf der Präsident noch einmal betonte, wie sehr er sich seit langer Zeit für den Sport und besonders für Olympia interessiere und dass Chicagos Bewerbung für ihn persönlich eine große Bedeutung habe, weil es sich schließlich um sein Zuhause handele - seine Familie hat nahe den geplanten Olympiastätten ein Haus.

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