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Olympia 2016 : Obamas Liebeswerben

  • -Aktualisiert am

Der Werbe-Anruf des Basketball-Enthusiasten beim Fecht-Olympiasieger von 1976 war nicht die einzige Kontaktaufnahme des amerikanischen Staatschefs mit hochrangigen IOC-Funktionären - natürlich hatte ihn auch IOC-Präsident Jacques Rogge an der Strippe. Doch ohne Obama himself in Dänemark, so vermuten erfahrene Kaffeesatzleser, würde es Chicago wohl trotzdem kaum ins Schlussduell schaffen können - in bis zu drei Wahlgängen scheidet jeweils der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus. Nun wird ein finaler Zweikampf zwischen Chicago und Rio de Janeiro erwartet, wobei die brasilianische Stadt, abgesehen vom Obama-Faktor, trotz aller Probleme mit der hohen Kriminalitätsrate bisher als emotionaler Favorit galt. Allerdings zeichnete sich ab, dass eine große Zahl von IOC-Mitgliedern sich erst im letzten Moment, also an diesem Freitagnachmittag, entscheiden wollte.

Gelegentlich fallen die Masken

Harte Arbeit bis zum Schluss deshalb für die Bewerber. Hohlwangige, übermüdete, von ihren Beratern mehrfach durch die Mangel gedrehte Repräsentanten nutzten die letzten Tage und Stunden vor der Wahl, um sich anhand von Werbe-Aktionen und Pressekonferenzen noch einmal zu produzieren. Alle gaben sich zuversichtlich, doch unter dem Lack des Gefallenwollens lagen die Nerven blank. So wurde in den Tagen von Kopenhagen gleich zweimal die Ethik-Kommission des IOC bemüht, weil Rio de Janeiro sich von seinen Rivalen brüskiert fühlte.

José Maria Odriozola, Vizepräsident des spanischen Nationalen Olympischen Komitees und Präsident des nationalen Leichtathletik-Verbandes, erklärte in einem Interview am Kopenhagener Flughafen, Rio habe die schlechteste Bewerbung von allen abgeliefert. Madrids Bewerbungschefin Mercedes Coghen entschuldigte sich prompt dafür. „Ich glaube nicht, dass es ethisch korrekt ist, schlecht über andere Städte zu sprechen“, retournierte am Donnerstag trotzdem noch rasch der brasilianische Präsident Lula da Silva, ohne sich den Hinweis zu verkneifen, dass Rios Mitbewerber gut seien, Rio selbst aber besser. So kurz vor dem Zieleinlauf, nach einem dreijährigen, zermürbenden Kampf, fallen eben gelegentlich die Masken. Oder es fließen heiße Tränen wie bei der Abschlusspressekonferenz von Chicago.

Wer gewinnt die 19 afrikanischen IOC-Mitglieder?

Ach, Olympia! Haben wir auch wirklich alles für dich getan? Ein düsteres Bild von der Unsicherheit von Olympiabewerbern zeigt sich zwei Jahre nach der Niederlage Salzburgs im Bieterwettbewerb gegen Sotschi in Österreichs Sport: Die Führungsspitze des Nationalen Olympischen Komitees ist mittlerweile pulverisiert, unter anderem weil eine eigenartige Parallelkasse zur Finanzierung von Beratern auftauchte, also Leuten, die ihren Kunden schon einmal versprechen, Stimmen von IOC-Mitgliedern zu akquirieren. Zudem stattete eine Abordnung dem einflussreichen IOC-Ehrenpräsidenten Juan Antonio Samaranch senior einen Informationsbesuch ab. Besonders erfolgreich war die Aktion allerdings nicht: Salzburg schied im ersten Wahlgang aus. Auch die Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer bei der Session in Guatemala hatte nichts geholfen gegen Putins überwältigende Präsenz.

Obama hingegen weiß genau, was er machen muss: Als eine der entscheidenden Fragen wird angesehen, ob er den Imageschaden, den sein Vorgänger George W. Bush angerichtet hat, in seiner Rede an diesem Freitag wird verwischen können. Eine andere zielt darauf ab, wer die Stimmen der 19 afrikanischen IOC-Mitglieder wird gewinnen können, die keinen eigenen kontinentalen Kandidaten haben: Der dunkelhäutige Obama oder der temperamentvolle Lula da Silva, dessen Land vielfältige Wirtschaftsbeziehungen mit Schwellenländern unterhält. Beide haben in den vergangenen Wochen unermüdlich um die Unterstützung ihrer Politiker-Kollegen geworben, denen sie offenbar großen Einfluss auf die IOC-Mitglieder ihrer Länder zutrauen. Mit anderen Worten: Den vom IOC immer wieder reklamierten Autonomieanspruch haben sie rundweg ignoriert. Beim IOC wird darüber allerdings geschmeichelt hinweggesehen. Zwar wurden die Athleten im vergangenen Jahr davor gewarnt, in Peking Armbändchen mit weltanschaulichen Parolen zu tragen, um die politische Neutralität der Olympischen Spiele nicht zu gefährden. Doch die IOC-Mitglieder scheinen die Berührung mit der Politik nicht zu fürchten.

Sobald die Spiele vergeben sind, lässt sich allerdings kein Potentat der Welt mehr an der Leine durch die internationalen Sportarenen führen. Das müssten die Erfahrungen mit der chinesischen Diktatur die Olympier eigentlich längst gelehrt haben.

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