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Olympia 1972 in München : Stasi-Spitzel „IMS Charlie“ mit an Bord

Die beiden Leipziger Ruderer: der Stasi-Spitzel Siegfried Brietzke (r.) und Wolfgang Mager winken dem Publikum zu. Bild: picture-alliance / dpa

Vor 50 Jahren fand Olympia in München statt. Das Sportfest war Traum und Albtraum zugleich. Erinnerungen an Geschichten von einst: mit einem Stasi-Spitzel im siegreichen Ruder-Zweier der DDR.

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          Ernst Huberty, der heute 95-jährige Pionier der ARD-Sportschau, kann am mittleren Samstag der Spiele von München vier heimische Olympiasieger im Abend-Studio begrüßen. Sie hatten inzwischen allerdings so viel Zeit, ihren Sieg zu begießen, dass Huberty es klugerweise vorzieht, seine Fragen selbst zu beantworten.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der „Bullenvierer“, wie das Boot vom Bodensee seiner Kraft wegen genannt wird, hat am Finaltag der Ruderer an der mit 40.000 Zuschauern überfüllten Regattastrecke ein westdeutsches Debakel verhindert.

          Stasi weitet Einfluss aus

          Nur der andere Vierer, der ohne Steuermann, hat sonst noch etwas geholt, Silber hinter der DDR. Der Achter ist nur Fünfter geworden, weit hinter den Überraschungssiegern aus Neuseeland, wo man den Lottogewinn eines der Ruderer brauchte, um sich ein konkurrenzfähiges Boot leisten zu können.

          Die DDR dagegen gewinnt Medaillen mit allen sieben Booten, darunter drei goldene. Im siegreichen Zweier ohne sitzt Siegfried Brietzke, den die Stasi, ihren Einflussbereich auf den Sport ausweitend, vor den Spielen als „IMS Charlie“ angeworben hat, als Spitzel „zur Kontrolle der Leistungssportler, die abweichendes Denken aufweisen“.

          Stecher gewinnt Gold

          Es wird auch sonst ein gelungener Tag für die DDR. Renate Stecher gewinnt die 100 Meter und wechselt weisungsgemäß die drei Streifen der dabei getragenen West-Schuhe vor der Siegerehrung gegen die zwei Doppelstreifen des VEB Spezialsportschuhe Hohenleuben.

          Wolfgang Nordwig wird der erste nichtamerikanische Olympiasieger im Stabhochsprung, wobei ihm entgegenkommt, dass die neuen Carbonstäbe der Amerikaner kurz vor dem Wettkampf verboten wurden.

          Und der unvergleichlich übers Wasser gleitende Roland Matthes wiederholt mit Gold über 200 Meter den Doppelsieg von 1968 auf beiden Rückenstrecken. „Wir sind auf dem Mond gelandet, wir werden den Mars erreichen, und irgendwann werden wir auch Matthes besiegen“, sagt US-Trainer Peter Daland. Erst 1974 wird Matthes, der als Kind in Thüringen Schwimmer wurde, „weil es da immer eine warme Dusche gab“, nach sieben Jahren ein Rennen verlieren.

          Aber auch der Westen hat seinen Spaß an diesem medaillenreichen Samstag. Halb Pfarrkirchen ist in München, um Konrad Wirnhier im Skeet-Schießen zu bejubeln. Als die letzte Tontaube platzt, heben die Fans den Büchsenmachermeister aus Niederbayern auf ihre Schultern.

          David Wot­tle, der Mann mit der Mütze, die er selbst bei der US-Hymne trägt, erfindet die irrste Siegstrategie, die es in einem 800-Meter-Lauf geben kann: Letzter nach einer Runde, Erster nach zwei. Und John Akii-Bua, das Naturereignis aus Uganda, erfindet nach seinem sensationellen Sieg über die 400 Meter Hürden mit einer ursprünglichen Freude, die ein ganzes Stadion ansteckt, auch etwas ganz Neues bei Olympia: die Ehrenrunde.

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