https://www.faz.net/-gtl-8fjlv

Ole Einar Björndalen : Ein Baby und kein Ende

Björndalen: „Das, worüber ich im Moment am glücklichsten bin, ist privat.“ Bild: dpa

Ole Einar Björndalen setzt seine Biathlon-Karriere fort - trotz eines biblischen Alters von 42 Jahren. Die größere Überraschung wächst aber im Bauch von Darja Domratschewa.

          3 Min.

          Er ist doch immer wieder für Überraschungen gut, dieser Norweger namens Ole Einar Björndalen. Nein, nicht weil Mister Biathlon am Dienstag in Oslo mal wieder sein Karriereende verschoben hat – dieses Mal vorläufig bis 2018, bis nach den Winterspielen in Pyeongchang. Darauf hätte man wetten können, nach den Ergebnissen bei der Biathlon-Weltmeisterschaft im März in Oslo, die eigentlich seine letzte hätte sein sollen: Gold mit der Staffel, Silber im Sprint und in der Verfolgung, Bronze im Massenstart. Da blieben ja wohl keine Fragen offen, ob er mit 42 Jahren noch konkurrenzfähig ist. Aber wenn einer wie Björndalen dann sagt: „Das, worüber ich im Moment am glücklichsten bin, ist privat“, dann spitzen selbst langjährige Beobachter die Ohren. Und sie kriegen erst einmal den Mund nicht zu, wenn er dann sein süßes Geheimnis mit dem Satz lüftet: „Ich werde Vater.“ Im Oktober ist es soweit.

          Natürlich wusste jeder von seiner Liaison mit Darja Domratschewa, der dreimaligen Olympiasiegerin aus Weißrussland. Aber das war ein Thema, bei dem beide mit dem Verweis auf ihre Privatsphäre recht einsilbig bis mürrisch reagierten. Wie weit das Verhältnis der beiden inzwischen gediehen ist, verriet Björndalen am Dienstag im Osloer Idrettens Hus.. „Die meisten haben ja mitbekommen, dass ich seit mehreren Jahren gut mit Darja Domratschewa befreundet bin. Es hat sich in letzter Zeit ein wenig weiterentwickelt“, sagte Björndalen. „Wir sind jetzt so weit, dass wir ein Paar sind und ein Kind haben werden. Wir werden Eltern.“

          Domratschewa: „Unnötig zu sagen, dass es das Wichtigste ist, was gerade mit mir geschieht.“

          Björndalen, dem doch nachgesagt wird, dass er eigentlich nichts anderes kennt als Biathlon, wird Papa. Und er freut sich drauf. Angeblich sogar mehr als auf die Fortsetzung seiner Karriere. Eine erste Konsequenz hat er – mit etwas Verspätung – schon gezogen: Björndalen hat sich aus der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees zurückgezogen, weil er keine Zeit mehr für seine Aufgaben hat.

          Noch immer motiviert

          Dass er auch dieses Mal kein Ende finden würde, erstaunt nun wirklich keinen mehr. Natürlich bleibt die Frage, wie er das mit 42 Jahren eigentlich macht. Nach mehr als 20 Jahren Hochleistungssport. Die Antwort, die Björndalen am Dienstag darauf gegeben hat, ist längst Standard. „Ich habe immer noch eine Motivation, als wäre ich erst zwanzig.“ Aber die allein reicht auch nicht, wenn die Physis nicht mehr mitspielt. Allerdings hat offenbar sogar Lars Kolsrud, sein Arzt, der den ewigen Biathleten und dessen anscheinend unverwüstlichen Körper seit langem kennt, dieses Mal keine Bedenken.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Vor zwei Jahren, als Björndalen seinen angekündigten Abschied nach den Winterspielen in Sotschi gleich mal um zwei Jahre bis zur Heim-Weh 2016 in Oslo vertagte, weil man doch mit zwei olympischen Goldmedaillen nicht einfach so aufhören kann, war der Doc deutlich skeptischer. „Lars hat positiv reagiert“, behauptete Björndalen am Dienstag. Aber natürlich dürfte sich spätestens im Oktober im Leben vom Mister Biathlon eine ganze Menge ändern. Denn der „Einsiedler im Wohnmobil“, wie ihn der nach der WM in Oslo im Alter von 35 Jahren zurückgetretene deutsche Kollege Andreas Birnbacher ganz treffend bezeichnet hat, ist dann als Familienvater gefordert. Am Ende macht er gar noch Kompromisse auf seine alten Tage.

          Darja Domratschewa hat jedenfalls angekündigt, schon im Januar in den Biathlon-Weltcupzirkus zurückkehren zu wollen. Dass es hart wird, weiß sie auch. Aber die 29-Jährige hat ja schon die gerade zu Ende gegangene Saison komplett ausgelassen, weil sie ihr Pfeiffersches Drüsenfieber auskurieren wollte und vielleicht auch eine schöpferische Pause brauchte. Jetzt, nach den neusten Erkenntnissen, könnte man ja auch auf andere Gedanken kommen, aber Tatsache ist, dass sie schon im August 2015 ihren Saisonverzicht erklärt hat. Trainiert hat sie aber die ganze Zeit, allerdings im „gemäßigten Modus“. Jetzt freut sie sich erst einmal auf das Baby: „Es ist ein sehr willkommenes und ersehntes Ereignis in meinem Leben; unnötig zu sagen, dass es das Wichtigste ist, was gerade mit mir geschieht“, hat sie verlauten lassen.

          Und letzten Endes gibt es gerade im Biathlon genug Beispiele, wie man Karriere und Kind erfolgreich unter einen Hut bringen kann. Die Französin Marie Dorin Habert hat es in 2015 in Kontiolahti und kürzlich in Oslo vorgemacht, und das französisch-norwegische Traumpaar Raphael und Liv-Grete Poirée hat bei der 2004 bei der WM in Oberhof samt Töchterchen Emma gar die Medaillenwertung gewonnen. Alles eine Frage der Organisation und der entsprechenden Mittel. Und wie man den Perfektionisten Ole Einar kennt, wird es daran gewiss nicht fehlen.

          Weitere Themen

          Chemiebranche zeigt sich skeptisch

          Trübe Aussichten : Chemiebranche zeigt sich skeptisch

          Das Bild hat sich im Laufe des Jahres immer weiter eingetrübt: Nun erwartet Deutschlands drittgrößte Industrie, dass ihre Produktion in diesem Jahr um 7,5 Prozent zurückgeht. 2020 soll ein leichtes Plus erzielt werden.

          Topmeldungen

          Präsident Trump lächelt während einer Veranstaltung im Weißen Haus am Donnerstag.

          Impeachment : Die Zeit spielt für Trump

          Die Demokraten haben keinen Anlass zur Hoffnung, dass der Senat Trump tatsächlich verurteilt. Deshalb wollen sie das Verfahren schnell hinter sich bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.