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Basketball ohne Schröder : Nicht zu versichern

  • -Aktualisiert am

Zu wertvoll für das deutsche Team: Dennis Schröder Bild: dpa

Bundestrainer Rödl muss auf drei seiner besten Spieler verzichten. Nun reist das Basketball-Team zwar ohne Theis, Kleber und Schröder, aber nicht chancenlos zum Olympia-Qualifikationsturnier.

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          Für einen Bundestrainer, über dessen Ablösung bereits vor dem ersten Spiel diskutiert wird und der gleichzeitig auf seine drei vermeintlich besten Spieler verzichten muss, macht Henrik Rödl keinen schlechtgelaunten Eindruck. „Die Jungs sind frisch und motiviert“, sagt Rödl vor dem Start ins olympische Basketball-Qualifikationsturnier gegen Mexiko an diesem Dienstag in Split (16.30 Uhr bei MagentaSport).

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          Rödl dürfte erleichtert sein. Weil das Turnier wegen der Fußball-EM noch weniger Aufmerksamkeit als üblich genießt, werden ihn drängende Fragen nicht zu sehr belasten, wie etwa: Warum tritt die deutsche Auswahl nicht mit den Besten an? Als erster Profi hatte Daniel Theis abgesagt. Der Flügelspieler, der zuletzt bei den Chicago Bulls spielte, ist zurzeit vertragslos. Theis setzt darauf, im Sommer ein neues Engagement zu erhalten, das ihn aller finanziellen Sorgen entledigt. 25 bis 40 Millionen Dollar (21 bis 34 Millionen Euro), schätzen Marktkenner, sei Theis wert. Wer will bei diesen Aussichten eine schwere Verletzung bei Länderspielen riskieren? Der zweite „Big Man“ sagte wenig später ab. Maxi Kleber von den Dallas Mavericks quälte sich verletzt durch die Play-off-Spiele und muss nun aussetzen.

          Besonders ärgerlich lief es im Fall von Dennis Schröder. Der Aufbauspieler hatte immer wieder erklärt, er wolle unbedingt zu Olympia und für die Nationalmannschaft die Qualifikation spielen, sofern er fit sei. Das ist er – und spielt trotzdem nicht. Der Braunschweiger hatte im Frühjahr einen neuen Vertrag der Los Angeles Lakers über 84 Millionen Dollar für vier Jahre ausgeschlagen. Dann aber schied Schröder mit den Lakers in der ersten Play-off-Runde aus, erzielte im fünften Spiel gegen Phoenix keinen Punkt.

          Die Lakers-Legende Earvin „Magic“ Johnson schimpfte, Schröder sei „kein Laker“. Das große Selbstvertrauen des Braunschweigers scheint zwar keinen Kratzer abbekommen zu haben, aber einen neuen Vertrag hat er noch nicht in der Tasche. Sein Agent Alex Saratsis glaubt, bis zu 100 Millionen Dollar (84 Millionen Euro) erzielen zu können. Darin liegt das Problem des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Der müsste das Ausfallrisiko versichern, falls sich Schröder verletzt. Es geht stets um ein Jahresgehalt, das abgesichert wird.

          Police zum Preis von 170.000 Dollar

          DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt versuchte, die Police aufzutreiben. Doch auch die größten Anbieter, selbst bei der Versicherungsbörse Lloyds of London, winkten ab. Denn Schröders avisiertes Jahresgehalt von 25 Millionen Dollar ist im Moment kaum zu versichern. „Corona hat den Markt dermaßen aufgeheizt, dass sich die Bedingungen verschlechtert haben. Es gibt ganz wenige Institute, die eine solche Versicherung überhaupt anbieten – und dann zu schlechteren Konditionen als früher“, sagt Brenscheidt, der erfahren ist in diesem Geschäft seit Dirk Nowitzki vom Verband für die Länderspiele versichert werden musste. Nach Informationen der F.A.Z. hätte der DBB für Schröder eine Police von knapp zehn Millionen Dollar zum Preis von 170.000 Dollar abschließen können. Doch das war dem Deutschen zu wenig. Er reiste wieder ab.

          Einige Fans schimpfen und fordern in sozialen Medien, Schröder hätte die Police doch selbst zahlen können. Nur: Es gab keinen Anbieter. Auch Nowitzki griff nie selbst in die eigene Tasche, um seine Police zu finanzieren. Nun steht der DBB nach großem Tamtam um Schröder ohne seinen pfeilschnellen Aufbauspieler da. Das Hin und Her bringt Unruhe, die vor dem Turnier niemand brauchen kann. Was machen die Deutschen aus dieser Lage? Allein der Sieger des Olympiaqualifikations-Turniers darf nach Tokio fliegen. Bei den Testspielen im Supercup von Hamburg überzeugte Rödls Team mit bissiger Verteidigung und erstaunlich viel Spielfluss – ohne Schröder.

          Dennoch reist sie als Außenseiter nach Kroatien. Das könnte ihre Chance sein. Mit Johannes Voigtmann, Danilo Barthel, Niels Giffey und Maodo Lo stehen Profis im Team, die allesamt bei Klubs aus der EuroLeague unter Vertrag sind. Sie ist die beste Liga, die unter den Regeln des Internationalen Basketball-Verbandes (FIBA) spielt.

          Zwar ist das Spiel in Europa im Vergleich zur NBA weniger athletisch, aber dafür taktisch extrem ausgeprägt. Profis, die NBA-Basketball gewohnt sind, tun sich unter diesen Voraussetzungen oft schwer. Das deutsche Team mit seinem Kapitän Johannes Voigtmann, einem der besten Center des Kontinents, könnte diesen kleinen Vorteil nutzen: „Ich hätte gerne mit Dennis zusammengespielt“, sagt Voigtmann: „Aber nun ist es anders, und wir müssen das Beste draus machen. Wir sind auch ohne ihn konkurrenzfähig und wollen versuchen, das Ticket zu lösen.“

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