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Ski-Chef Schröcksnadel : Der Alpin-Pate tritt ab

Nach 31 Jahren endet seine Ära: Peter Schröcksnadel, Präsident vom Österreichischen Skiverband (ÖSV), gibt das Zepter weiter Bild: dpa

Klimawandel, Corona-Krise, Doping-Skandale: Alles keine Themen für Peter Schröcksnadel. Ihm ging es um Erfolg im Skisport. Nach 31 Jahren an der Spitze des ÖSV regelt er auch die Nachfolgefrage auf seine Art.

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          Für Villach ist Hitzewarnung verkündet: Schwülwarme 32 Grad Celsius erscheinen nicht üblich für einen Frühsommertag in Kärnten. Zudem völlig unpassend für eine Wintersport-Konferenz. Es ist zum narrisch werden, andererseits aber auch irgendwie treffend, denn für Peter Schröcksnadel war und ist der Klimawandel nie ein Thema. Schmelzende Gletscher hin, brüllend heiße Sommer her: Der fast 80-Jährige wischt wissenschaftliche Expertisen gerne als „Angstmacherei“ mit dem Hinweis vom Tisch, dass es schon immer mal extreme Wetterlagen gab. Ähnlich argumentierte er in der Covid-Krise, auf deren Höhepunkt er verkündete, er wolle lieber an Corona sterben als an Krebs.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Nun erfreut er sich weiterhin guter Gesundheit, auch wenn er auf der Länderkonferenz des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) an diesem Samstag in Villach absprachegemäß seine Hoheit über einen wichtigen Teil der Skiwelt verliert. Doch Schröcksnadel wäre nicht Schröcksnadel, hätte er nicht auch seinen Abgang mit einem Machtkampf verknüpft. Der Multiunternehmer aus Innsbruck war 31 Jahre lang ÖSV-Präsident und somit einer der mächtigsten Männer einer Sportsparte, die nirgendwo auf der Welt so ernst genommen wird wie im Alpenland. Von körperlich kleiner Statur, aber mit großem Ego versehen, wurde der Alpin-Pate nicht selten mit dem einstigen Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone verglichen. Auch für den „Alpen-Bernie“ zählte vor allem eines: Erfolg. Und den konnten die rot-weiß-roten Skiasse unter seiner Ägide meistens liefern, allen voran Marcel Hirscher, der achtmal in Serie den Gesamtweltcup gewann. Seinem Lieblingsskifahrer gönnte Schröcksnadel dann auch alle Freiheiten und Privilegien, vom Privattrainerteam bis zum Helikopter-Shuttle, wenn es pressierte.

          Nicht so gut konnte der Ski-Chef mit Kritik oder Auflehnung umgehen. Als Olympiasiegerin Anna Veith 2015 ähnliche Bedingungen wie Hirscher für sich forderte, hielt der Streit um Vermarktungsrechte nicht nur die Wintersportnation in Atem, sondern belustige auch die Feuilletons in der Wiener Gesellschaft. Als Jahre später die aufstrebende Katharina Liensberger den Ausrüster wechseln wollte, aber ein Schuhvertrag fehlte, drohte ihr Schröcksnadel mit Rauswurf. Beide Male gewann der Chef den Machtkampf. Liensberger avancierte später als Doppel-Weltmeisterin zum Star der Ski-WM 2021. Da gratulierte der Präsident wie stets als Erster, diesmal aber besonders überschwänglich, denn ihre Siege wertete er als seine Siege.

          Nicht so gerne spricht Schröcksnadel über Doping-Skandale, die Österreichs Skifahrer lieferten, vor allem aus der nordischen Sparte. Legendär seine Replik auf die Razzia bei Olympia 2006 in Turin: „Austria is a too small country to make good doping.“ Thema vom Tisch. Zumindest für ihn. Österreich war groß genug.

          Seine Nachfolgeregelung prägte der alte Mann nun entscheidend mit. Schröcksnadel präferierte die ehemalige Abfahrts-Weltmeisterin Renate Götschl, nicht, weil er über Nacht zum Feministen avanciert wäre, sondern weil er den Salzburger Michael Walchhofer verhindern wollte. Nun wird es Karl Schmidhofer, Kompromisskandidat aus Niederösterreich. Dem werden diplomatische Fähigkeiten nachgesagt. Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung.

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