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Nowitzkis Mavericks : Mit 100 Prozent ein Geheimfavorit

  • -Aktualisiert am

Mister einhundert Prozent: Dirk Nowitzki Bild: dpa

Dirk Nowitzki ist ein Mann für die Geschichtsbücher. Seine Präzision und Nervenstärke haben den Aufschwung von Dallas vor dem Start der Playoff-Runde merklich beschleunigt.

          3 Min.

          Es scheint eine besondere Kunst zu sein, eine Mathematikaufgabe zu entwickeln, in der es um den Basketballspieler Dirk Nowitzki geht, um seine Freiwürfe und die Wahrscheinlichkeit, mit der er trifft. Das jedenfalls musste die oberste Schulbehörde in Nordrhein-Westfalen vor zwei Jahren feststellen, nachdem sich mehrere Professoren in einem offenen Brief an das Ministerium über ein Rechenexempel fürs Zentralabitur beschwert hatten. Das sei „schlichtweg unsinnig und unlösbar“, hatten die Experten festgestellt. Die Schüler durften ihre Klausur wiederholen.

          Vielleicht hätten die Verantwortlichen ein wenig warten sollen. Denn in diesen Tagen ist es ziemlich einfach, Kalkulationen rund um die Chancenauswertung des NBA-Profis anzustellen. Seit dem 29. März hat er jeden Freiwurf verwandelt - 74 nacheinander. Das ist nach Adam Riese eine Quote von hundert Prozent.

          In dieser Saison könnte die Rechnung aufgehen

          Das Resultat geht auf einen Bewegungsablauf zurück, an dem er seit Jahren unermüdlich arbeitet und der durchaus etwas mit jenem Stoff zu tun hat, den man auf der höheren Schule lernt. Den Abwurfwinkel etwa hat Nowitzkis Mentor und persönlicher Trainer Holger Geschwindner durch das genaue Studium der Geometrie ermittelt. Hält die Serie an, könnte der 31jährige Nowitzki in die Rekordbücher der NBA eingehen. Denn die Bestleistung liegt bereits in Reichweite: 97. Allerdings kann er sie erst in der kommenden Saison knacken. Die Playoffs zählen in dieser Statistik nicht dazu.

          Ihn zeichnet Präzision und Nervenstärke aus

          Nowitzkis Präzision und Nervenstärke kommen dennoch zur richtigen Zeit. Genauso wie die stabile Form der Mannschaft, die nach mehreren enttäuschenden Spielzeiten, in denen sie zweimal in der ersten Play-off-Runde ausschied, in diesem Jahr sehr viel besser auf die Aufgabe eingestellt scheint. Die Mavericks beendeten am Mittwoch die 82 Pflichtspiele seit Anfang November mit einem 96:89-Erfolg über die San Antonio Spurs und liegen in der Abschlusstabelle der Western Conference auf Platz zwei. Die Playoffs der besten sechzehn beginnen für die Mavericks am Sonntag.

          „Das ist wohl die beste Mannschaft, die ich in Dallas bislang hatte“

          Dann trifft man wieder auf die Spurs, die für Dallas in der Nowitzki-Ära zu einem besonderen Playoff-Prüfstein geworden sind. In diesem Jahr allerdings dürfte die Aufgabe leichter zu lösen sein. Denn während in San Antonio eigentlich nur das Durchschnittsalter der Stars Tim Duncan, Manu Ginobili (beide am Mittwoch geschont) und Tony Parker steigt und die Erwartungen an den vierfachen Meister sinken, hat man in Dallas sukzessive mit neuem Personal die größten Schwächen beseitigt. Die größten Komplimente gelten dieser Tage denn auch Manager Donnie Nelson, der für das Aufspüren von Talenten zuständig ist.

          Der 47jährige Sohn von Don Nelson, der einst das ungewöhnliche Talent Dirk Nowitzki von Würzburg nach Texas geholt hatte, kam durch seinen Vater zu den Mavericks, wo er zunächst als Assistenztrainer wirkte. Inzwischen ist er Chef der gesamten Basketball-Organisation und als solcher unter anderem für die komplexen, liga-typischen Tauschgeschäfte verantwortlich. Auf diesem Weg versuchen die Klubs ihre Gewinnchancen zu steigern. In diesem Jahr gelangen Nelson dabei gleich zwei Glücksgriffe.

          Er holte vor Beginn der Saison mit dem schnellfüßigen, starken Rebounder Shawn Marion einen Korbjäger ins Team, der neben der Nummer eins auf dem Parkett, Dirk Nowitzki, seine ganze Wirkung entfalten kann. Und er löste vor wenigen Monaten gleich zwei Probleme: Er konnte den oft verletzten und von Motivationsschwankungen geplagten Josh Howard an die Washington Wizards abgeben und bekam dafür gleich zwei Profis: den All-Star-Flügel Caron Butler und einen Center - Brendan Haywood.

          Cuban wollte die Mannschaft schon auseinandergeschlagen

          Die Mannschaft, die wochenlang müde vor sich hin gespielt hatte, kam wieder in Schwung. Klub-Besitzer Cuban, der Mann, der das letzte Wort in allen Personalentscheidungen hat, gab wenig später zu, dass er beinahe in jener Phase völlig frustriert die gesamte Mannschaft auseinandergeschlagen und alle Meisterschaftshoffnungen beerdigt hätte. Statt dessen wurden die Mavericks so etwas wie die Geheimfavoriten für den Erfolg in der Western Conference, die zuletzt von den Los Angeles Lakers und ihrem Starspieler Kobe Bryant dominiert wurde.

          „Das ist wohl die beste Mannschaft, die ich in Dallas bislang hatte“, sagt Nowitzki. Auf die Lakers würde er aufgrund der Setzliste erst im Halbfinale treffen. Sofern diese nicht in der zweiten Runde an den Denver Nuggets scheitern. Die Nuggets wiederum würden die Mavericks vor eine Aufgabe stellen, die im vergangenen Jahr noch unlösbar schien. In dieser Saison könnte die Rechnung dagegen aufgehen.

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