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Nowitzki vor dem Finalsieg : Ein Ring für die Ewigkeit

Super-Dirk: Er kann werfen, treffen, passen, dunken, wie er will Bild:

Dirk Nowitzki wird schon jetzt mit den Allmächtigen des Basketballs verglichen. Er ist längst ein Riese. Doch das Wundersame ist: Er wächst noch. Dem Deutschen fehlt nur noch der Ritterschlag - der Meisterring.

          5 Min.

          Zeig ihnen deine Hände, und sie sagen dir, wer du bist. Ein Sieger oder ein Verlierer, das hängt vom Schmuck ab. In der besten Basketball-Liga dieses Planeten dürfen sich die Siegertypen einen Ring als Zeichen ihrer NBA-Meisterschaft an den Finger stecken. Das meist hässliche, klobige Stück sagt zwar wenig über den Geschmack, aber alles über den Wert des Trägers. Der Mann hat es geschafft, er trägt das Insignium der Macht, ein Herrschaftszeichen. Ringträger haben in der Welt des Basketballs die Schwelle zur Unsterblichkeit überschritten. Dirk Nowitzki hat immer noch keinen Ring. Und das nervt manche Amerikaner. Experten haben sich in diesen Tagen vor laufender Kamera in die Haare gekriegt, als sie über die sporthistorische Einordnung des Deutschen diskutierten. Wohin mit dem Würzburger, der Hauptfigur in den Finalspielen zwischen den Dallas Mavericks und Miami Heat? Es ging dabei nicht um den Augenblick, das Jahr 2011 oder um die Dekade. Es ging um seine Position in der ewigen Rangliste.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Im Land der Basketballerfinder wird Nowitzki nun mit den Allmächtigen verglichen: Am Dienstag fühlten sich professionelle Beobachter bei dem Auftritt des Würzburgers in Dallas mit Fieber an ein vergleichbares Spiel von His Highness Michael „Air“ Jordan (1997) erinnert. Sie erwähnen Earvin „Magic“ Johnson und Larry Bird. Die großen drei des Dreamteams, des Olympiasiegers von 1992, reden mit: Jordan ist beeindruckt; Johnson entpuppt sich als Nowitzki-Fan; Bird, der Meisterschütze, fühlt sich geehrt, „mit Nowitzki verglichen zu werden“. Mit Ring am Finger, analysiert David Moore von den „Dallas Morning News“, rücke der Franke auf Platz zwei vor in der Bestenliste der Profis auf seiner Position. Vorbei an den weltbekannten Prototypen des Powerforwards wie Charles Barkley oder Karl Malone. Nur Tim Duncan (vier Ringe) könne er nicht überholen.

          Nowitzki hat 22.792 Punkte erzielt

          Was aber, wenn der Würzburger doch nicht mehr zum Ring kommt? Nowitzki spielt schon seit zwölf Jahren in der NBA. Er hat 22.792 Punkte erzielt (Rang 23/ohne Play-offs), wurde 2007 zum wertvollsten Spieler der regulären Saison und bislang zehn Mal in das All-Star-Team gewählt. Aber mit der Niederlage im Finale von 2006 gegen Miami wuchsen Zweifel an seiner Größe. Erst nannten sie ihn „No-win-ski“, dann, nach weiteren Misserfolgen in Play-off-Runden „No-ring-ski“. Er kann werfen, treffen (82 Freiwürfe nacheinander ohne Fehler), passen, dunken, wie er will. So schmucklos fehlt Nowitzki offenbar der Ritterschlag. „Wird noch ein Star ohne Ring bleiben?“, fragte Moore. Der Unterton ist erstaunlich, so wie die Stimmungslage in den einschlägigen Foren. Es scheint, als ob viele Sportfreunde in den Staaten dem Deutschen schon am Sonntag im sechsten Spiel den entscheidenden vierten Sieg, den Triumph, wünschen.

          Ein Riese, der noch wächst: Nowitzki hört nie auf, an sich zu arbeiten

          In Deutschland hat die „Bild“- Zeitung nach dem ersten Erfolg von Dallas über Miami die Amerikaner gewarnt: „Noch drei Siege - dann lernen die Amis unseren Dirk so richtig kennen.“ Das war die Antwort des Boulevards auf die angebliche Ignoranz in Übersee. Zwei Drittel der Amerikaner, heißt es in einer Umfrage, kennen Nowitzki nicht. Das ist natürlich ungehörig. Aber was bedeutet es im Umkehrschluss? Dass rund 104 Millionen mit Nowitzki etwas anfangen können. So viele Deutsche gibt es gar nicht. Ob ein Drittel der deutschen Landsleute ihn kennt, ist fraglich. Sicher ist nur, dass ihn die wenigsten auf dem Spielfeld gesehen haben.

          WM-Dritter, EM-Zweiter und Olympia-Fahnenträger

          Wer ist also unser Weltstar? Ein Sommergast, wenn er nach Saisonschluss zum Privattraining heimkehrt und anschließend mit der Nationalmannschaft von Turnier zu Turnier zieht. Jahrelang hat er das getan, ist WM-Dritter und EM-Zweiter geworden, hat die Olympiaqualifikation geschafft, wurde Fahnenträger beim Einmarsch ins Pekinger Olympiastadion. Und doch erscheint uns dieser Mann nur als virtueller Riese in der Heimat. Nowitzki kriegt man am Samstag beim Googeln mit einem Klick (0,09 Sekunden) in 25 Millionen Artikel-Versionen. Kein deutscher Sportskamerad kann mithalten. Nicht der König der Autofahrer, Vettel, nicht Rekordweltmeister Schumacher, weder „Kaiser“ Franz und schon gar nicht Tennisheld Becker.

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