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Novak Djokovic : Auf dem Weg zum wahren Grand Slam

  • -Aktualisiert am

Gewonnen: Novak Djokovic nach dem Sieg in New York Bild: AFP

Novak Djokovic gewinnt im dritten Anlauf erstmals die US Open. Der Weltranglisten-Erste schlägt Titelverteidiger Rafael Nadal in New York in einem hochklassigen Endspiel.

          3 Min.

          Die Frage drängt sich auf: Ist Novak Djokovic auf dem Tennisplatz derzeit einfach gegen alles gefeit? Zu Beginn des vierten Satzes lag der Serbe bäuchlings auf dem Platz, ein Physiotherapeut massierte bei einer Verletzungsauszeit seinen schmerzenden Rücken - und das, nachdem der Weltranglistenerste gerade beim Stand von 6:5 die Chance vergeben hatte, mit eigenem Aufschlag das Finale der US Open gegen Rafael Nadal mit einem glatten Dreisatzsieg zu beenden. Djokovic hatte diesen dritten Satz im Tiebreak verloren, und ihm schien ein Match zu entgleiten, das er zwei Sätze lang souverän beherrscht hatte. Obwohl er wegen seines langsam streikenden Körpers nicht mehr mit voller Kraft aufschlagen konnte, beendete er das Finale eindrucksvoll. Er diktierte weiter die Ballwechsel, hieb Gewinnschläge aus allen Lagen unerreichbar für den Spanier ins Feld.

          Am Ende gewann Djokovic nach 4:10 Stunden 6:2, 6:4, 6:7 (3:7) und 6:1 - nach einem mitreißenden Duell, bei dem die 23.500 begeisterten Zuschauer im Arthur Ashe Stadium nicht wussten, worüber sie mehr staunen sollten - über das ungeheure Tempo, die Wucht und Präzision der Schläge oder die verblüffende Fähigkeit der beiden Hauptdarsteller, die atemraubenden Ballwechseln auch dann noch zu verlängern, wenn einer der beiden den Punkt schon gewonnen zu haben schien. (siehe: US Open: Alle Ergebnisse und Ansetzungen)

          So tapfer sich der Titelverteidiger in New York auch wehrte, so erbittert er auch bis zum letzten Punkt kämpfte, am Ende stand doch für ihn ein nur allzu bekanntes Misserfolgserlebnis. Zum sechsten Mal in diesem Jahr, zum sechsten Mal in einem Finale - und das auch noch auf allen Belägen, auf Sand, auf Rasen und auf Hartplatz - hatte der Mallorquiner gegen den neuen Supermann des Tennis das Nachsehen. Er verlor nach seinem Wimbledon-Titel, dem Spitzenplatz im Computer-Ranking in einer Neuauflage des vorjährigen Finales auch noch seinen US-Open-Titel. Dennoch reiste Nadal, der so lange geklagt hatte, er finde keine Lösung, wie Djokovic beizukommen sei, nicht geknickt ab, ganz im Gegenteil: „Ich weiß genau, woran ich arbeiten muss. Das macht es leichter.“

          Spiel, Satz, Sieg Djokovic Bilderstrecke

          Vor allem gilt es, den Aufschlag zu verbessern, der sich am Montag als sein Schwachpunkt entpuppte. Elf Mal verlor er sein Service, so häufig wie nie zuvor in seinen 143 Partien zuvor bei Grand-Slam-Turnieren - eine erstaunliche Zahl, wenn man sich daran erinnert, dass er im Vorjahr in New York im gesamten Turnier nur fünf Breaks kassiert hatte. Dennoch: Vor allem der dritte Satz machte ihm Mut, vielleicht doch noch einmal das Rätsel zu lösen, das Djokovic seit Anfang des Jahres für ihn darstellt.

          Immer mehr Geld

          Aber nicht nur Nadal suchte vergeblich nach einem Schlüssel zum Erfolg gegen den Überflieger der Saison. Djokovic feierte in New York bereits seinen 64. Erfolg in 66 Matches und den zehnten Turniersieg des Jahres. Schon jetzt darf die Saison des Seriensiegers als eine der besten, wenn nicht die beste in der Geschichte des Profitennis gelten, vor allem weil sie ihm in der Ära zwei der größten Champions, Nadal (zehn Grand-Slam-Titel) und Roger Federer (16), glückte. Wie Nadal im Vorjahr, wie Federer in den Jahren 2004, 2007 und 2008 gewann Djokovic drei der vier Grand-Slam-Titel - erst der sechste Spieler in der Geschichte des Profitennis, dem dieses Triple gelang. „Was dieser Kerl macht, ist einfach unglaublich. Ich weiß nicht, ob irgendjemand das wiederholen kann“, sagte Nadal. „Ich habe einfach ein erstaunliches Jahr“, meinte Djokovic, „und es geht immer weiter“.

          Und immer mehr Geld kommt in seine Kasse: Am Montag kassierte er insgesamt 2,3 Millionen Dollar (1,68 Millionen Euro), 1,8 Millionen Dollar für den Titel und 500.000 aus dem Prämientopf der amerikanischen Hartplatzserie.

          Streben nach dem Grand Slam

          Bei der Suche nach den Gründen dieser Dominanz waren sich die Protagonisten einig: „Er hat ein unglaubliches Selbstvertrauen. Er weiß, dass er immer noch einen Ball mehr zurückspielen kann“, sagte Nadal. Der Sieger formulierte es ähnlich: „Ich glaube, dass der gewinnt, der mehr an den Sieg glaubt. Nach meinem Halbfinalsieg im Vorjahr gegen Roger hat es in meinem Kopf klick gemacht. Ich habe mein Spiel in den letzten Jahren nicht groß verändert, aber ich bin aggressiver. Ich gehe jetzt mit einer ganz anderen Einstellung in die Matches gegen Rafa und Roger. Ich habe früher immer auf ihre Fehler gewartet und war nie überzeugt, dass ich gegen sie gewinnen kann. Jetzt glaube ich es.“

          Und nichts kann diesen Glauben erschüttern, selbst wenn er wie gegen Federer im Halbfinale zwei Matchbälle gegen sich hat, wenn wie gegen Nadal der Rücken zwickt und sich in den Beinen Krämpfe ankündigen. Deshalb klang es nicht großsprecherisch, wenn sich Djokovic für 2012 hohe Ziele setzt: Nadal auch bei den French Open zu entthronen und damit den Karriere-Grand-Slam zu vollenden.

          Selbst den wahren Grand Slam, den großen Schlag mit Erfolgen bei den vier Traditions-Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York in einem Kalenderjahr, traut er sich zu: „Warum nicht?“ Nach diesem Jahr, nach diesem perfekten Abschluss einer fast perfekten Grand-Slam-Saison fällt es schwer, zu widersprechen.

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