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Europa-Spiele : Historische Judoka-Medaille in Baku

  • Aktualisiert am

EM-Titel für Deutschland: Martyna Trajdos (unten) holt Gold Bild: dpa

Als erste Athletin überhaupt gewinnt Nora Gjakova bei einem großen Sportevent eine Medaille für das Kosovo. Auch deutsche Sportler landen bei den Europa-Spiel in Baku auf dem Podest.

          Martyna Trajdos hat bei den Europaspielen in Baku den ersten EM-Titel für die deutschen Judoka seit 2008 gewonnen. Die 26 Jahre alte Hamburgerin bezwang am Freitag im Finale der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm die WM-Dritte von 2014 Tina Trstenjak aus Slowenien. Trajdos hatte zuvor noch keine Einzelmedaille bei Großereignissen geholt.

          Eine Premiere gab es derweil für Nora Gjakova: Sie präsentierte ihre historische Europaspiele-Medaille nach der Siegerehrung für die Kameras. Als erste Athletin überhaupt gewann die 22-Jährige bei einem großen Sportevent mit Bronze Edelmetall für das Kosovo. „Es fühlt sich großartig an“, schwärmte Gjakova. „Danke an IOC-Präsident Thomas Bach, dass er uns unter dem Namen des Kosovos antreten lässt.“ Der vor sieben Jahren von Serbien abgefallene und heute selbstständige Balkanstaat war im vergangenen Dezember vollständiges Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees geworden. Damit konnte das Kosovo Athleten zu den ersten Kontinentalspielen in Baku schicken.

          Bevor Roper sich in der Kategorie bis 57 Kilogramm das zweite Bronze sicherte, bezwang Gjakova im Duell um den dritten Platz am Donnerstagabend in der Heydar-Aliyev-Arena die Niederländerin Sanne Verhagen. Nach dem Sieg jubelte sie in Richtung der knapp zehn Zuschauer mit der blauen Staatsflagge auf der Tribüne. In der Zukunft will Gjakova ihr Land auf einer noch größeren Bühne repräsentieren. „Die Europaspiele erinnern einen daran, dass man die große Möglichkeit hat, auch bei Olympia zu gewinnen“, sagte sie.

          Nach der enttäuschenden Vorstellung der Florett-Damen haben die Säbel-Herren die erste Medaille für die deutschen Fechter gewonnen. Richard Hübers, Björn Hübner und Maximilian Kindler sicherten sich in einem Krimi gegen Russland mit 45:44 die Bronze-Medaille. Hübers setzte im abschließenden Gefecht gegen Boris Sawitsch den entscheidenden Treffer. Das topgesetzte Säbel-Team, das allerdings neben Team-Europameister Hübers mit der zweiten Garde antrat, unterlag im Halbfinale knapp mit 44:45 gegen Rumänien.

          Zuvor hatten Anne Sauer, Carolin Golubytskyi und Eva Hampel im Florett trotz hoher Führung bereits ihr erstes Duell im Viertelfinale mit 43:45 gegen Polen verloren. „Der Einbruch ist nicht zu erklären. Polen in der Besetzung musst du schlagen, nicht knapp, sondern deutlich“, sagte Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes. „Ich bin maßlos enttäuscht über die Mannschaftsleistung.“

          Bitte lächeln: Nora Gjakova (ganz rechts) holte Bronze in Baku

          Die deutschen Boxer beenden die Europaspiele derweil mit fünf Bronze-Medaillen. Am Freitag verlor auch Tasheena Bugar ihr Halbfinale und verpasste damit den Kampf um Gold. Die 27-Jährige aus Karlsruhe musste sich der Französin Estelle Mossely nach einstimmiger Punktrichter-Entscheidung geschlagen geben. „Es ist meine erste Medaille, ich kann mich sehr glücklich schätzen“, sagte Bugar und hat für Olympia 2016 große Pläne: „Wenn ich an das hier anschließen kann, könnte ich in Rio auch eine Medaille erreichen.“

          Zuvor hatten bereits Hamza Touba, Kastriot Sopa, Azize Nimani und Sarah Scheurich dritte Plätze für den deutschen Boxsport-Verband belegt. „Eine Silber oder Gold wäre schon schön gewesen, das hätte ich jedem aus unseren Team gegönnt“, sagte Bugar. „Im Großen und Ganzen kann der DBV aber mit der Leistung zufrieden sein.“

          Es war die erste Medaille für den Kosovo bei den Europa-Spielen überhaupt

          Die deutschen Badmintonspieler haben zwei weitere Medaillen sicher. Dieter Domke gewann sein Viertelfinale gegen den Tschechen Petr Koukal mit 2:1-Sätzen (21:18, 18:21, 21:17) und trifft am Samstag auf den Dänen Emil Holst. Dem 28-Jährigen ist mit dem Halbfinaleinzug zumindest Bronze nicht mehr zu nehmen. „Das war hart umkämpft“, sagte Domke. „Dass ich es geschafft habe, macht mich überglücklich. Morgen geht es weiter, noch ist es ja nicht vorbei.“

          Im Mixed bezwangen Raphael Beck und Kira Kattenbeck ihre russischen Gegner mit 21:16, 21:19 und zogen ebenfalls in die Runde der besten Vier ein. Dort geht es gegen ein dänisches Duo. „Für uns ist es ein Traumvormittag gewesen“, schwärmte Sportdirektor Martin Kranitz. „Jetzt haben wir schon drei Medaillen sicher und hoffen, dass es nicht nur dreimal Bronze wird, sondern noch ein bisschen weitergeht.“

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