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Nikola Karabatic im Gespräch : „Wir spielen in einem kranken Rhythmus“

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Zwei Franzosen in Kiel: Karabatic und Torhüter Thierry Omeyer (r.) im vergangenen Jahr nach dem Endspielsieg gegen Flensburg Bild: picture-alliance/ dpa

Der THW Kiel spielt an diesem Sonntag bei Ciudad Real das erste Finale um die Handball-Champions-League. Nikola Karabatic möchte den Titel mit den Norddeutschen verteidigen. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht der beste Handballspieler der Welt über seinen Sport, seinen Verein und seinen Trainer.

          Mit 19 Jahren gewann Nikola Karabatic im Mai 2003 zum ersten Mal die Champions League, damals mit dem französischen Klub Montpellier HB. Fünf Jahre später möchte der 24 Jahre alte Franzose den 2007 mit dem THW Kiel geholten Titel verteidigen. An diesem (19.00 Uhr / Live bei Eurosport und im FAZ.NET-Liveticker) und dem nächsten Sonntag heißt der Gegner BM Ciudad Real. Karabatic ist der beste Einkauf der Kieler dieser Dekade; nach einem knappen Jahr der Eingewöhnung hat Trainer Zvonimir Serdarusic den besten Handballspieler der Welt aus ihm gemacht.

          Am 11. April 1984 wurde Karabatic im damals jugoslawischen Nis geboren, heute Serbien. Sein Vater ist Kroate, die Mutter Serbin. 1988 ging der Vater als Handballprofi nach Montpellier. Die Familie kam mit. Nikola begann mit dem Handballspielen und bekam die französische Staatsbürgerschaft; 2002 wurde er Profi in Montpellier. Dort lebt seine Familie heute noch. Karabatic wechselte 2005 zum THW und wurde sofort deutscher Meister. Er hat einen Vertrag bis 2012. Mit der französischen Nationalmannschaft wurde er 2006 in der Schweiz Europameister. Bei der EM in Norwegen im Januar wählte man Nikola Karabatic zum wertvollsten Spieler des Turniers.

          An diesem Sonntag treffen Sie mit dem THW Kiel im Endspiel der Champions League auf Ciudad Real. Haben Sie mal im Internet geschaut, was der Gegner so macht?

          Nein. Ich habe Kontakt zu Didier Dinart, dem Abwehrspieler von Ciudad, der auch Franzose ist. Wir haben vier Jahre in Montpellier zusammen gespielt. Er war wie ein großer Bruder für mich. Ich weiß, dass Ciudad immer gewinnt. Aber an den wenigen Tagen ohne Spiel versuche ich zu entspannen und nicht an den Gegner zu denken.

          Karabatic gilt vielen als der beste Handballspieler der Welt

          Was machen Sie?

          Ausschlafen. Zum Physio gehen. Es tut ja alles weh, so spät in der Saison. Ich werde massiert, mache Übungen. Dann gehe ich mit meinen Freunden vom THW etwas essen oder einfach irgendwohin, wo es schön ist, wo wir in der Sonne sitzen können. Zu Hause gehe ich ins Internet, spiele Videospiele.

          Oder mit Legosteinen.

          Mein Eiffelturm ist fertig. Für mich ist das mehr Kunstobjekt als Spielzeug. Das ist nun zu Ende. Jetzt versuche ich zu malen. Ich war in einer Galerie in Hamburg und habe Bilder von Romero Britto angeguckt, einem Pop-Art-Künstler, den ich kenne. Ich versuche, die Bilder nachzumalen. Das macht den Kopf leer. Lego war genauso: Es hat Spaß gemacht und mich an meine Kindheit erinnert. Man denkt mal nicht an Handball.

          Gelingt das? Für Sie folgt nach Champions League und Bundesliga schon Ende Mai die Qualifikation für die Olympischen Spiele.

          Es ist schwer. Wir haben eine harte Gruppe: Spanien, Norwegen, Tunesien. Nur zwei kommen nach Peking. Das wird ein hartes Stück Arbeit – nach der Saison.

          Wie motivieren Sie sich dafür?

          Zum Ende der Bundesliga geht alles runter: Druck, Motivation, Spaß. Du bist total fertig. 14 Tage später spielst du mit der Nationalmannschaft um dein Leben. Wir müssen nach Peking. Es wäre eine Katastrophe für uns und ganz Frankreich.

          Wie viel Zeit bleibt für die Ferien?

          Wenn wir uns qualifizieren, haben wir vom 3. bis 22. Juni Urlaub. 20 Tage. Das ist nicht viel. Aber so ist es im Handball. Natürlich stört mich das. Aber die Olympischen Spiele sind ein Riesenziel. Dieses Jahr nehme ich das auf mich. Aber es geht nicht jedes Jahr. Irgendwann wird es zu viel.

          Ist es doch schon.

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