https://www.faz.net/-gtl-a1946

Niklas Kaul operiert : Stressfrei ins Olympiajahr

  • -Aktualisiert am

Zehnkämpfer Niklas Kaul muss seine Saison vorzeitig beenden. Bild: dpa

Bevor die Saison überhaupt angefangen hat, ist sie schon wieder beendet. Niklas Kaul muss sich einer Operation unterziehen. Der Zehnkampf-Weltmeister fokussiert sich nun ganz auf Olympia 2021 in Tokio.

          2 Min.

          Am Freitagnachmittag sitzt Niklas Kaul im Auto. Auf dem Beifahrersitz, chauffiert von Mutter Stefanie. Aber nicht etwa, damit er sein Handy beim Telefonat in der linken Hand halten kann, ohne ein Bußgeld zu riskieren. Sondern weil der rechte Arm in einer Schiene steckt. Der Grund: Der Zehnkampf-Weltmeister von Doha hat sich am Mittwoch einer Ellbogenoperation unterzogen, derentwegen er die Saison 2020 beenden muss, bevor sie wirklich begonnen hat. „Schade, aber ich werd’s verkraften“, sagt er angesichts der ohnehin von der Corona-Pandemie ausgebremsten Übergangssaison ohne internationale Großereignisse.

          Vor drei Jahren waren die Schmerzen im Wurfarm erstmals aufgetreten. Den Auslöser kannte er: „Nach einem Speerwurf hatte ich mich mit den Händen abgefangen“, erzählt Kaul. Die eigentliche Ursache der seither immer wieder auftretenden Probleme jedoch blieb lange Zeit unentdeckt: ein Riss des ulnaren Seitenbands im Ellbogen. „Das ist eine Verletzung, die eigentlich nur bei Speerwerfern und Baseballern vorkommt.“ Schwer zu diagnostizieren, weil sie selbst auf den Bildern einer Magnetresonanztomographie (MRT) kaum zu erkennen ist.

          Kaul und seine ihn trainierenden Eltern hofften, der Sache mit gezieltem Muskelaufbau Herr zu werden. Ohne Erfolg, die Schmerzen kamen immer wieder. „Die Muskulatur kann den Kräften nicht standhalten, die beim Wurf auf den Ellbogen einwirken.“ Gezieltes Speerwurftraining hatte der Athlet des USC Mainz in den vergangenen Jahren deshalb auf ein Minimum reduziert – umso erstaunlicher, dass er in Doha die Konkurrenz mit einem Disziplinweltrekord innerhalb des Zehnkampfs von 79,05 Metern schockte. Bei nur zwei Versuchen.

          „Ein Wurf geht immer“

          Als sich der Schmerz im Mai bei ersten Einheiten mit seinem Lieblingsgerät abermals einstellte, suchte Kaul noch einmal medizinischen Rat, diesmal erhielt er die richtige Diagnose und die Gewissheit, dass eine Operation unumgänglich sei. „Zumindest war das die sinnvollste Variante, wenn ich noch gut acht Jahre weitermachen will“, sagt er. Ob er den Eingriff zum jetzigen Zeitpunkt auch hätte vornehmen lassen, wenn im August wie geplant in Tokio die Olympischen Spiele ausgerichtet würden, ist eine Frage, mit der Kaul sich nicht beschäftigen muss. „Ich sag mal so: Ein Wurf geht immer“ – und dass er beim abschließenden 1500-Meter-Lauf die Zähne zusammenbeißen kann, hatte er vor zwei Jahren beim Meeting in Götzis gezeigt, als er die letzte Disziplin trotz einer schweren Rückenzerrung absolvierte.

          Doch Kaul weiß, dass auch ein einziger Wurf im Kampf um olympische Medaillen zu einer nachhaltigen Schädigung des lädierten Ellbogens hätte führen können. „Für Verletzungen gibt es zwar nie den optimalen Zeitpunkt“, sagt er, „aber ich bin froh, dass die OP jetzt erfolgt ist. Dadurch entsteht mir kein großer Stress, weil bis Olympia im nächsten Jahr genügend Zeit bleibt und in dieser Saison keine Qualifikationsleistungen erhoben werden.“

          Bei einem internen Testwettkampf mit Mitgliedern seiner Trainingsgruppe, der seit Herbst auch die Frankfurter Siebenkämpferin Carolin Schäfer angehört, verzichtete Kaul wohlweislich aufs Speerwerfen und beschränkte sich auf Diskuswurf und Kugelstoßen. 14,08 Meter mit der Kugel waren für den ersten Wettkampf seit Doha ordentlich, 46,91 Meter mit dem Diskus gar sein bester Saisoneinstand überhaupt.

          Allerdings wusste er bereits, dass die deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Vaterstetten am vorletzten Augustwochenende ohne ihn stattfinden werden. Zwei Wochen lang darf er gar keinen Sport machen, danach aufs Ergometerrad steigen und Krafttraining für die Beine machen, solange der Arm von Erschütterungen verschont bleibt. Niklas Kaul will die Zeit sinnvoll nutzen: „Ich glaube, da gibt es genug zu tun, woran ich mich abarbeiten kann.“

          Weitere Themen

          Lakers dominieren Miami Heat

          NBA-Finals : Lakers dominieren Miami Heat

          Die Los Angeles Lakers sind als Favoriten in die Finalserie gegen die Miami Heat gegangen – einen so deutlichen Sieg wie zum Start hatten aber wohl nur die wenigsten erwartet. LeBron James will nun auf keinen Fall nachlassen.

          Topmeldungen

          Schläger für Trump : Wie gefährlich sind die „Proud Boys“?

          Sie verbreiten nicht nur rechte Parolen, sie schlagen auch öfter mal Gegner zusammen. Durch Donald Trumps Auftritt bei der TV-Debatte gegen Joe Biden sind die „Proud Boys“ nun in den Schlagzeilen.
          90 Prozent haben eine Einwanderungsgeschichte: Kunstunterricht an der Grillo-Schule

          Duisburg-Marxloh : Schule in herausfordernder Lage

          Die Anforderungen für Brennpunktschulen sind in den vergangenen Jahren dramatisch gewachsen. Waren es früher zwei bis drei Kinder eines Jahrgangs, die kaum oder schlecht Deutsch sprachen, sind es heute nahezu alle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.