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Turn-WM in Stuttgart : Nagorni ist der Vielseitigste

  • -Aktualisiert am

Am Ende darf sich Nikita Nagorni über Gold bei der WM freuen. Bild: EPA

Alle blicken auf Nikita Nagorni. Und der junge Athlet behält die Nerven, turnt seine Übung konzentriert und sicher und landet seinen Abgang direkt in den Stand. Applaus – er ist Weltmeister.

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          Es war wie eine Reprise des Mannschafts-Finales: Gespannte Stille in der sonst stets von Lärm erfüllten Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle, der Medaillenkampf spitzt sich zu auf den allerletzten Turner am Reck, und der heißt Nikita Nagorni und ist ein Russe. Alle Scheinwerfer, alle Blicke sind auf ihn gerichtet. Und wieder behält der 22 Jahre alte Athlet die Nerven, turnt seine Übung konzentriert und sicher und landet seinen Abgang direkt in den Stand. Applaus – er ist Weltmeister.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Nach dem Titel mit dem Team gewann der Turner am Freitagabend auch die Goldmedaille im Mehrkampf. Damit entthronte er seinen Landsmann Artur Dalalojan, den Titelträger von Doha 2018, mit dem er sich einen freundschaftlichen, aber entschlossenen Zweikampf geliefert hatte. Diesem blieb mit 1,607 Punkten Rückstand Silber. Platz drei in diesem hochklassigen Titelkampf belegte der Ukrainer Oleg Wernjajew, der diese Position im letzten Durchgang dem Chinesen Xiao Ruoteng noch abknöpfen konnte. Xiao musste bei seiner Übung das Reck verlassen – das war‘s.

          Freude dürfte auch bei der Deutschen Turn-Liga herrschen, deren Legionäre damit alle drei Mehrkampf-Medaillen gewonnen haben. Weltmeister Nagorni und Bronzemedaillengewinner Wernjajew für die TG Saar, Dalalojan für Schwäbisch-Gmünd. Der einzige Teilnehmer vom Deutschen Turner-Bund, Andreas Toba, bewegte sich unterdessen in einer anderen Sphäre, weit vom Medaillenkampf entfernt. Er belegte Platz 19. Sein Wettkampf begann mit der schlechtesten seiner sechs Übungen, am Pauschenpferd, wo er sich zwei teure Wackler bei den Scheren erlaubte. Die Folge: Der 24. und letzte Platz. Von Station zu Station versuchte er, sich herauszuarbeiten. An den Ringen kam er ins Pendeln und musste bei jedem Element kämpfen. An Sprung, Barren und Reck hatte er mehr Fortune. „Aber das Finale war so stark, ich weiß gar nicht, ob viel mehr drin gewesen wäre“, sagte Toba. Insgesamt sei er dankbar, nach einer langen Leidenszeit mit mehreren Knieverletzungen überhaupt den Endkampf erreicht zu haben.

          Für Toba ist die Weltmeisterschaft jetzt zu Ende. Bei den Gerätefinals an diesem Samstag und Sonntag werden die Karten für zwei Mannschaftskollegen noch einmal neu gemischt. Nick Klessing aus Halle qualifizierte sich überraschend als Siebter des Vorkampfs fürs Ringe-Finale und wartet mit einem Unikat auf. Keiner der anderen Teilnehmer turnt einen dreifachen Salto rückwärts gehockt als Abgang von den Ringen. Damit hat der 21 Jahre alte Bundespolizist aus Halle aus der Not eine Tugend gemacht. „Ich komme mit anderen Abgängen nicht so zurecht“, sagt er. Die Schrauben, also Drehungen um die Längsachse, mit denen üblicherweise der Schwierigkeitsgrad von Saltos erhöht wird, liegen ihm weniger. „Ich bin mehr für Breitenachsendrehungen gebaut“, erklärt Klessing. Nachdem der mit 1,60 Meter Körpergröße Kleinste des Teams verschiedene Abgänge ausprobiert hatte, entschied er sich, den Doppelsalto um eine weitere Rotation zu erweitern.

          Barren-Spezialist Lukas Dauser hat angesichts der Vorkampfleistungen noch mehr Grund zum Träumen als Klessing: Er erzielte die Bestnote an seinem Lieblingsgerät und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Olympia-Qualifikation des Männerteams. Seine Landung nach dem Abgang musste er am Sonntag mit einem Schritt abfangen, den er im Gerätefinale nicht wiederholen will. Der 26 Jahre alte Dauser gilt als ein Meister der Akkuratesse. Diese litt allerdings, weil er sich erst im Juni einen Knochen der Mittelhand gebrochen hatte. Vier Wochen vor der WM zog er sich auch noch einen Bänderanriss am Fuß zu. Er musste im Rekordtempo wieder fit werden. Dass der eigentlich stärkste Barrenturner, der Chinese Zou Jingjuan, wegen einer missratenen Qualifikation fehlt, findet er schade. „Mir wäre es lieber, er wäre im Finale dabei und würde da verturnen.“

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