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Nick Bollettieri : Der Guru findet niemals Ruhe

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„Ich ziehe mich nie aufs Altenteil zurück”: Nick Bollettieri Bild: AP

Der „Bollettieri-Weg“ gilt als Blaupause für Erfolg im Profisport. Die Erfolge seiner Schüler sind beispiellos. Auch mit 77 Jahren ist der Trainer rast- und ruhelos. Nun hat er sein angeblich größtes Talent entdeckt. Wolfgang Scheffler hat den Meister in Florida besucht.

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          Zur Begrüßung stellt der Chef eines klar: „Ich ziehe mich nie aufs Altenteil zurück.“ Nick Bollettieri wird am 31. Juli 78 Jahre alt, aber der bekannteste Tennistrainer der Welt ist noch immer rast- und ruhelos. „Ich brauche nicht viel Schlaf“, sagt er und rattert schnell seinen Tagesplan herunter: Um 4.15 klingelt der Wecker, noch neben dem Bett absolviert er 50 Sit-ups und 30 Seitbeugen, danach geht es eine Stunde ins Fitnessstudio. Von 6.30 bis 19.00 Uhr, nur unterbrochen von einer Mittagspause, steht der Meister selbst auf dem Platz, überwacht die Arbeit seiner 30 Tenniscoaches und gibt „Elite Juniors“ und Profis Tipps. Aber damit ist der Arbeitstag nicht zu Ende: Anschließend setzt er sich an den Computer und schreibt E-Mails an die Eltern seiner Schützlinge, die über die Fortschritte ihrer Sprösslinge informiert werden wollen. Vor 22 Uhr kommt er nicht nach Hause, vor Mitternacht selten ins Bett.

          Sportmediziner, Mentalcoaches, Physiotherapeuten

          Der ehemalige Oberleutnant der US Army hat, wie einer seiner Musterschüler, der ehemalige Weltranglistenerste Jim Courier, es formuliert, eine Industrie geschaffen: die Kombination von schulischer Bildung und sportlicher Ausbildung. 1978 lieh er sich 250.000 Dollar und kaufte ein heruntergekommenes Motel und ein Tomatenfeld in Bradenton, richtete dort sein erstes Internat mitsamt Tennisplätzen ein - und vermittelte seine Philosophie, die von seiner Militärzeit geprägt ist und die der „Schleifer“ mit drei Worten umschreibt: Strategie und Härte.

          „Ich habe den Body eines Dreißigjährigen”: Bollettieri 1995 mit seiner damaligen Spielerin Mary Pierce - da war er 64

          1987 kaufte die International Management Group (IMG) die Bollettieri Tennis Academy und baute von 1993 an das erfolgreiche Konzept des Tennisgurus aus. Auf einem mittlerweile 125 Hektar großen Areal in der 55.000 Einwohner zählenden Kleinstadt an der Westküste von Florida leben und trainieren in den IMG Academies längst auch Golfer in der Leadbetter Academy sowie Basketball-, Baseball- und Fußballspieler sowie Schwimmer. Sportmediziner, Mentalcoaches, Physiotherapeuten, eine Lodge für Gäste und zahlreiche Villen, die Pendleton School und selbst eine Filiale der University of Miami sind inzwischen auf dem Campus zu finden. 2004 erwarb die Investmentfirma Forstmann Little & Co für 750 Millionen Dollar IMG.

          „Man braucht eine treibende Kraft, eine Persönlichkeit“

          Doch noch immer dreht sich alles um den Gründer. Entlang des eine Autostunde südlich von Tampa gelegenen Geländes verläuft der Bollettieri Boulevard, die einzige Straße im Manatee County, die den Namen eines noch lebenden Zeitgenossen trägt. Am Haupteingang der von einer drei Meter hohen Mauer umgebenen Einrichtung steht hinter dem Wachhaus eine lebensgroße Statue des Meisters.

          Offiziell fungiert Bollettieri als Präsident der IMG Academies und ihrer 400 Mitarbeiter. Aber er ist viel mehr: die Seele vom Ganzen. Oder wie er es ausdrückt: „Ohne Nick Bollettieri gibt es keine Akademie. Das ist nun einmal so. Man braucht eine treibende Kraft, eine Persönlichkeit, die für Begeisterung, Glaubwürdigkeit und Erfolg sorgt.“ Dass er dieser Mann ist, versteht sich von selbst - und man begreift, warum der Amerikaner oft mit dem Etikett „Selbst-Promoter“ versehen wird.

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