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NHL-Profi Tom Kühnhackl : Das „Baby“ kann kämpfen

  • -Aktualisiert am

Sein Name verpflichtet: Tom Kühnhackl gewinnt in der NHL an Format. Bild: Imago

Eishockeyspieler Tom Kühnhackl steht vor dem Gewinn des Stanley Cups in der NHL. Zu Jahresbeginn war das noch absolut illusorisch. Doch schon am 7. Januar wurde sein Kindheitstraum wahr.

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          Erich Kühnhackl stand vor der Tür jenes Bereiches der Pittsburgher Eishockey-Arena, in der sich die Familienangehörigen der Penguins-Spieler vor den NHL-Partien stärken können. Der 65-Jährige unterhielt sich vor dem zweiten Spiel der Finalserie zwischen Pittsburgh und den San Jose Sharks angeregt, als ein Mann in dunklem Anzug auf ihn zukam. Er stellte sich als Mitarbeiter der Penguins-Presseabteilung vor und überbrachte eine Nachricht von Mario Lemieux.

          Der Haupteigentümer des Vereins hatte von Stürmer Tom Kühnhackl erfahren, dass sein Vater anlässlich der Finalpartien in der Stadt ist und sich erinnert, früher mal bei einer Weltmeisterschaft gegen ihn gespielt zu haben: „Mister Lemieux würde Sie gern in der ersten Drittelpause in seiner Loge empfangen“, teilte der Angestellte Kühnhackl mit. Der Landshuter wusste spontan zwar gar nicht, wann er sich mit Lemieux auf dem Eis gegenüberstand, aber umgehende Recherchen ergaben, dass es 1985 bei der WM in Prag war. Kanada hatte Deutschland in der Vorrunde 5:0 besiegt.

          Kühnhackl ist seit Sonntag mit Ehefrau Sylvia in Pittsburgh. Die Eltern wollen miterleben, wie ihr Sohn Tom um die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt spielt. Er habe einiges in seiner Laufbahn erlebt, sagt Kühnhackl. Aber seinen Sohn in den Endspielen um den Stanley Cup zu sehen, das sei selbst für ihn etwas nicht Alltägliches. Und es war zu Jahresbeginn noch absolut illusorisch. Da gehörte Tom Kühnhackl zu den „Baby-Penguins“, wie die Entwicklungsmannschaft genannt wird, die in der zweitklassigen American Hockey League beheimatet ist.

          Am 7. Januar wurde sein Kindheitstraum dann wahr - und der Stürmer wenige Tage vor seinem 24. Geburtstag in den NHL-Kader berufen. Er sollte nur aushelfen, da sich ein Stammspieler verletzt hatte. Doch Kühnhackl kam, kämpfte, hat seitdem kein Spiel verpasst und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn er über seinen steilen Aufstieg redet: „Ich hätte nie gedacht, dass ich fünf Monate später immer noch hier bin und jetzt im Stanley-Cup-Finale stehe.“

          Vater Erich war selbst ein erfolgreicher Eishockeyspieler und -trainer.

          Es kann gut sein, dass er an diesem Montag als dritter Deutscher nach Uwe Krupp und Dennis Seidenberg den riesigen Siegerpokal in die Höhe hieven darf. Pittsburgh gewann beide Heimspiele der „Best of seven“-Serie und fliegt mit einer 2:0-Führung zur dritten Partie an diesem Samstag nach Kalifornien. Allerdings werde es in San Jose nicht leicht, zu gewinnen, meinte Kühnhackl Junior. Er gehört bei den Penguins zur Arbeiter-Reihe. Sein Job ist es, den Puck tief ins gegnerische Drittel zu bringen, hinterher zu skaten und den Gegner „so hart es geht zu checken“. Es sei eine Rolle, so Kühnhackl, die viele Leute kaum wahrnehmen würden. Sie ist nicht nur undankbar, sondern auch immens wichtig. Vor allem, weil Kühnhackl so den Stars wie Kapitän Sidney Crosby eine Verschnaufpause verschafft.

          Im Schnitt steht der Bayer pro Partie um die zehn Minuten auf dem Eis. Als Pittsburgh das erste Spiel 3:2 gewann, raunten die Zuschauer ehrfurchtsvoll auf, als sich Kühnhackl gleich zu Beginn in einen Schlagschuss warf. Beim 2:1-Sieg nach Verlängerung in der zweiten Partie bekam er kurz vor Ende den Stock eines Gegners ins Gesicht, schüttelte sich kurz und machte weiter.

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          Erich Kühnhackl ist mit den bisherigen Leistungen seines Sohnes sehr zufrieden. Mittlerweile haben auch amerikanische und kanadische Medien mitbekommen, dass er in Pittsburgh ist. Einige ältere Journalisten konnten sich noch an den „Kleiderschrank auf Kufen“ erinnern. Ein Kamerateam von NHL-TV kam am Mittwoch nach Spielende zu ihm und bat um ein Interview. Kühnhackl gab sich zunächst etwas schüchtern, war sich nicht sicher, ob sein Englisch ausreiche, um ausführlich über die Eishockey-Anfänge seines Sohnes zu sprechen.

          Tom Kühnhackl hingegen beantwortete alle Fragen problemlos. Er stand dabei vor einem langen, dunklen Tuch, auf dem der Stanley Cup überdimensional groß abgebildet war. Als Erich Kühnhackl anschließend vor demselben Hintergrund befragt werden sollte, lehnte er ab. Der Stanley Cup und er, nein, das wäre verkehrt und das passe einfach nicht. Vielleicht wird er diese Einstellung bald ändern müssen. Jeder Spieler der Meistermannschaft darf die knapp 20 Kilogramm schwere und 90 Zentimeter große Silbertrophäe einen Tag bei sich zu Hause haben. Zwei Siege noch, dann käme der Cup im Sommer zu den Kühnhackls nach Landshut.

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