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Tampa Bay gewinnt Stanley Cup : Eine Spur von Dynastie

  • -Aktualisiert am

Der Kapitän mit dem Pokal: Steven Stamkos im Glück Bild: AFP

Die Tampa Bay Lightning gewinnt in der NHL wieder den Stanley Cup, zum zweiten Mal nacheinander. Es ist keine kühne These, dass im heißen Florida gerade Eishockeygeschichte geschrieben wird.

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          Nikita Kutscherow kam nackt, zumindest obenrum. In der Hand eine Dose Bier, aus der er einen kräftigen Schluck nahm. Das mag um die Ecke der Arena am Strand von Tampa keine große Sache sein, aber bei der Pressekonferenz nach dem Gewinn der Meisterschaft? Dem russischen Flügelstürmer der Tampa Bay Lightning war es einerlei, generell schienen ihn Konventionen wenig zu interessieren, mehrfach mussten die Tugendwächter im Hintergrund seine Schimpfworte übertönen.

          Und dann machte er sich auch noch über die Fans des Gegners lustig. Nachdem die Montreal Canadiens im vierten Spiel der Finalserie der nordamerikanischen NHL erstmals gewonnen und auf 1:3 verkürzt hatten, seien sie in Kanada abgegangen, „als hätten sie den Stanley Cup gewonnen. Willst du mich veräppeln?“, fragte Kutscherow lachend. Wusste der 28-Jährige doch, dass es mehr braucht, um die begehrteste Trophäe des Welteishockeys in die Höhe recken zu dürfen: viermal so viel. Das schaffte am Mittwoch sein Team. 1:0 gewannen die Lightning das Spiel, die Serie 4:1 und damit den Stanley Cup, zum zweiten Mal nacheinander.

          Das reicht nach der reinen Lehre noch nicht für eine „Dynastie“, wie sie über Jahre dominante Teams in den Vereinigten Staaten und Kanada nennen. Aber da zur Saison 2005/06 die Gehaltsobergrenze eingeführt wurde und sich nun niemand mehr ein Team voller Superstars aufs Eis stellen kann, gilt schon eine Titelverteidigung als außergewöhnlich. Und wenn man bedenkt, dass die Lightning zuletzt fünfmal in sieben Jahren das Halbfinale erreichten, dreimal das Finale und zwei davon gewannen, ist es keine kühne These, dass im heißen Florida gerade Eishockeygeschichte geschrieben wird.

          Geht es nach Kutscherow, liegt das vor allem an seinem Landsmann Andrei Wassilewski. Der 26 Jahre alte Torhüter wurde als wertvollster Spieler (MVP) der Play-offs ausgezeichnet. „Ich habe ihm jeden Tag gesagt: Du bist ist der MVP, du bist der beste Spieler“, erzählte Kutscherow. Dabei war er selbst mit 32 Punkten nach 23 Spielen mit Abstand Topscorer der Play-offs geworden. Nicht wenige sahen in ihm den entscheidenden Mann, aber für Kutscherow konnte es nur Wassilewski sein.

          Falsch ist die Wahl sicher nicht. Der russische Torhüter hat die beste Fangquote (93,7 Prozent), den zweitbesten Gegentorschnitt (1,90) und die meisten Zu-null-Spiele (5). Noch beeindruckender: Er beendete jede der vier Play-off-Serien mit einem Sieg ohne Gegentor. Schon nach der Hauptrunde wurde er zum vierten Mal nacheinander unter die besten drei Torhüter der NHL gewählt, 2019 gewann er die Auszeichnung.

          Erfolgreiches Kollektiv: Die Mannschaft aus Tampa Bay, hier mit Commissioner Gary Bettman, gewinnt das NHL-Finale.
          Erfolgreiches Kollektiv: Die Mannschaft aus Tampa Bay, hier mit Commissioner Gary Bettman, gewinnt das NHL-Finale. : Bild: AFP

          Aber wenn es in die Play-offs geht, wirkt der 1,93-Meter-Mann aus Westsibirien noch mal größer. Dann sehen die Stürmer nur wenig vom Tornetz. Und gibt es doch mal eine Lücke, schließt sie Wassilewski meist dank seiner Explosivität und seiner erstaunlichen Beweglichkeit. Bei der jüngsten Umfrage unter den NHL-Profis wurde zwar Montreals Carey Price am häufigsten als der Mann genannt, den man in einem entscheidenden Spiel gern hinter sich hätte.

          Als Besten der Zunft kürten die Kollegen aber mit Abstand Wassilewski. Entsprechend viele Blicke waren während der Finalserie auf das Torhüterduell gerichtet, das Wassilewski spielend für sich entschied. Es war wohl die endgültige Wachablösung im Kampf um den Status als bester Eishockeytorhüter der Welt. Dass der auch beim besten Team der Welt spielt, steht seit langem außer Frage.

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