https://www.faz.net/-gtl-a1zzt

Protest gegen Rassismus : Erstmals knien auch NHL-Spieler bei Nationalhymnen

  • Aktualisiert am

Gegen Gewalt und Rassismus: Auch die Eishockeyspieler der NHL setzen ein Zeichen. Bild: dpa

Immer mehr Ligen in den Vereinigten Staaten setzten ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die NHL hatte bisher auf das Knien verzichtet. Nach teils harscher Kritik folgten nun auch die Eishockeyspieler der Geste.

          2 Min.

          Eric Trump schwieg. Als die ersten NHL-Spieler in voller Eishockey-Montur aufs Knie gingen, war der Sohn des Präsidenten der Vereinigten Staaten offenbar sprachlos. Auch die weiße Liga, bei der er sich vor wenigen Tagen noch per Twitter für das Stehen während der Hymne bedankt hatte, schloss sich nach einigem Zögern dem Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt an.

          „Nicht jeder in diesem Land ist wirklich frei“, begründete Ryan Reaves von den Vegas Golden Knights, einer der wenigen schwarzen Spieler in der NHL, die Geste vor der Partie gegen die Dallas Stars in Edmonton. Der 33-Jährige, der neben der kanadischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte die Aktion initiiert. Sein schwedischer Teamkollege Robin Lehner, der vor drei Jahren noch offensiv Donald Trump unterstützt hatte, schloss sich ebenso an wie die Dallas-Profis Tyler Seguin und Jason Dickinson.

          Sie reagierten damit auch auf die Kritik, dass die NHL im Gegensatz zum Basketball (NBA/WNBA), Football (NFL), Fußball (MLS/NWSL) und Baseball (MLB) viel zu zögerlich sei. Bei den Vorbereitungsspielen nach der Corona-Zwangspause hatten sich die Teams lediglich bei den Hymnen vermischt, „um Einigkeit zu zeigen“. „Thank you @NHL #Standing“, twitterte Trump junior prompt, geschmückt mit drei US-Flaggen.

          Am Samstag zum offiziellen Restart kniete Matt Dumba von Minnesota Wild als erster NHL-Spieler, nachdem er in einer emotionalen Ansprache auf dem Eis größere Anstrengungen gegen Rassismus gefordert hatte – allerdings in Zivilkleidung und nur bei der amerikanischen Hymne, nicht jedoch bei der kanadischen. Als der Verteidiger mit philippinischen Wurzeln einen Tag später selbst spielte, erhob er die Faust bei beiden Hymnen – als Einziger.

          „Es geht um Menschenrechte, nicht um Politik“

          „Wenn du einen deiner Brüder dies machen siehst, willst du ihn unterstützen“, sagte Reaves, „du willst ihn nicht da draußen alleine lassen.“ Torhüter Lehner hatte dieselbe Idee: „Es ist eine symbolische Sache, wir müssen etwas verändern.“ Seine eigene Einstellung hat der Schwede schon geändert: 2017 war er noch mit einem Trump-Aufkleber auf seinem Helm aufgefallen. „Das war ein Fehler, den bereue ich jetzt, nachdem ich gesehen habe, wie spaltend alles ist“, sagte Lehner, „es geht um Menschenrechte, nicht um Politik.“

          Seguin beteiligte sich, nachdem ihn Reaves beim Warmmachen angesprochen hatte. Der Kanadier, der bereits nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd bei Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße gegangen war, teilte seinem Team in der Kabine mit, was er vorhatte. Dickinson schloss sich sofort an. „Mein Vater kommt aus St. Kitts, einer meiner Onkel ist schwarz“, sagte der Kanadier, „es war eine einfache Entscheidung.“

          Beide Klubs unterstützten ihre Spieler, doch die generelle Kritik an der zögerlichen Haltung der Liga verstummt nicht. „Egal, was sie tun oder sagen, es trifft bei mir auf taube Ohren“, sagte San Joses Stürmer Evander Kane, der im Juni zusammen mit Dumba und fünf anderen Spielern die „Hockey Diversity Alliance“ gegründet hatte, an die Adresse der NHL-Führung, „weil die Liga keine Anstrengung unternimmt, ihre eigenen schwarzen Spieler zu unterstützen.“ Mehr als 95 Prozent der 700 Spieler in der NHL sind weiß.

          Weitere Themen

          Großer Rückschlag für Neymar

          Internationaler Fußball : Großer Rückschlag für Neymar

          Fußballstar Neymar liefert sich eine wüste Rangelei mitten auf dem Spielfeld. Als Grund für den Ausraster nennt er vermeintliche rassistische Beleidigungen seines Gegners. Die Liga spricht nun ein Machtwort.

          Topmeldungen

          Trump und Biden am Dienstag bei der ersten Fernsehdebatte.

          Präsidentenwahlkampf : Trump und die „Proud Boys“

          Donald Trump hatte gehofft, die erste Fernsehdebatte werde die Wende im Präsidentenwahlkampf bringen. Doch sein Auftreten hat das Gegenteil bewirkt – ebenso wie seine Äußerungen zu den „Proud Boys“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.