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NHL-Profi Leon Draisaitl : Auf halbem Weg zur Legende

  • -Aktualisiert am

Ritterschlag erhalten: Leon Draisaitl Bild: dpa

Der deutsche Eishockey-Profi Draisaitl ist mit Preisen für seine Leistungen als Solist belohnt worden. Einen Titel mit dem Team hat er nicht gewonnen. Was bedeuten die Auszeichnungen in der NHL aus nordamerikanischer Sicht?

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          Was Ehrenpreise wert sein können, hängt in Nordamerika gelegentlich vom Timing ab. Man denke an den Mai 2007, als Dirk Nowitzki als erster Europäer die Maurice Podoloff Trophy erhielt. Die Übergabe der Auszeichnung für den wertvollsten NBA-Spieler der Saison fand in einem schmucklosen Raum in der Halle der Dallas Mavericks statt.

          Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte das Ereignis damals vor 20.000 begeisterten Fans bei einem Heimspiel stattgefunden. Aber die Gelegenheit hatte die Mannschaft, die monatelang die Liga dominiert hatte, verpatzt. Sie war zwei Wochen vorher in der ersten Play-off-Runde sang- und klanglos ausgeschieden.

          Noch steht der Rahmen nicht fest, in dem Leon Draisaitl die Auszeichnungen erhalten wird, mit denen er soeben bedacht wurde. Aber womöglich wird es ähnlich schlicht zugehen wie bei Nowitzki, der übrigens dem Eishockey-Profi von den Edmonton Oilers zuletzt als einer der Ersten gratulierte. „Es ist großartig, dass man die Anerkennung einer solchen Legende erhält“, sagte Draisaitl. Der Kölner wurde, nachdem er bereits die Art Ross Trophy als produktivster Stürmer der regulären Saison (43 Tore, 67 Vorlagen) gewonnen hatte, von den Fachjournalisten mit der Hart Trophy als wertvollster Spieler und bei der Abstimmung der Mitglieder der Spielergewerkschaft mit dem Ted Lindsey Award bedacht.

          Der geht an den herausragenden Aktiven der regulären Saison und ist das größte Kompliment, das ein NHL-Profi erhalten kann. Eine Art Ritterschlag der Kollegen. Der 24-Jährige ist als erster Deutscher in dieser Preisklasse angekommen. Dass er in der besten Eishockey-Liga der Welt, in der seit dreißig Jahren Importspieler aus Europa als spektakuläre Kufenkünstler und Stocktechniker um Anerkennung kämpfen, gewürdigt wird, als käme er nicht von einem anderen Kontinent, sondern sei integraler Bestandteil eines neuen Eishockey-Kosmos, der aus Einflüssen aus allen Himmelsrichtungen besteht.

          Aber wie bei Nowitzki steht die Einzelleistung bis auf weiteres im markanten Kontrast zum Bild, das die Mannschaft abgibt. Die Oilers sind seit ewigen Zeiten meilenweit vom Gewinn des wichtigsten Pokals der Sportart entfernt. Um den Stanley Cup kämpften in diesen Tagen die Tampa Bay Lightning und die Dallas Stars, die in der Corona-Quarantäneblase die Finalserie austrugen. Ausgerechnet in Edmonton, das von der National Hockey League als einer der beiden Austragungsorte für die ohne Zuschauer ausgetragenen Play-offs ausgesucht wurde, gewannen die Tampa Bay Lightning den wichtigsten Pokal im Eishockey.

          Das schmälert in einer Sportkultur, die ihre Mitwirkenden mit Ehrenpreisen und Pokalen überhäuft, den Stellenwert der Verdienste des Athleten. Nowitzki brauchte vier Jahre und den Gewinn des Titels in der Finalserie gegen die Miami Heat, um endlich die Anerkennung zu empfangen, die ihm eigentlich schon früher zugestanden hätte. Erst die Meisterschaft als Anführer eines Teams sorgte dafür, dass die interessierte Öffentlichkeit den Mann aus der Fremde adoptierte und zu einem echten All-Star machte.

          Für Draisaitl ist das zusätzlicher Ansporn. Wie sagte er in dieser Woche? Nowitzki sei stets Vorbild gewesen: „Ich wollte sein wie er. Ich wollte erreichen, was er erreicht hat. Und das ist schwierig. Wenn ich die Hälfte davon schaffen würde, wäre ich ein sehr glücklicher Mann.“ Immerhin hat er die erste Hälfte vergangene Woche geschafft. Jetzt fehlt noch der große Preis: der Titelgewinn, der dafür sorgt, dass Draisaitls Name auf den Sockel des Stanley Cups eingraviert wird. Das ist bereits Uwe Krupp, Dennis Seidenberg und Tom Kühnhackl gelungen. Aber Draisaitl wäre der Erste, der etwas erreichen würde, was bisher nur Dirk Nowitzki gelungen ist. Er würde in Nordamerika zu einer echten Legende.

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