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NHL in Berlin : Neue Kunden, neues Geld

  • -Aktualisiert am

Eisbär im Nacken: Der Berliner John Ramage setzt Chicagos Dylan Strome unter Druck. Bild: Imago

Die nordamerikanische Eishockey-Liga ist auf Entwicklungshilfe-Mission. Dabei macht sie auch in Berlin Halt. Doch was nützt der NHL dieser Besuch in Deutschland genau?

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          Es dauerte nicht lange, da hatte sich der Ärger in Spott verwandelt. „Endlich wieder Powerbreak“, sangen die Fans in der Arena am Berliner Ostbahnhof. Nicht, dass die Pausen für sie etwas Neues gewesen wären, auch in der Deutschen Eishockey Liga wird das Spiel pro Drittel für 90 Sekunden unterbrochen, damit das Fernsehen Werbespots zeigen kann, in der Halle gibt es dann Mitmachspielchen fürs Publikum. Aber am Sonntagabend, als die Chicago Blackhawks aus der National Hockey League (NHL) bei den Eisbären Berlin vorbeischauten, da wurde es den Fans zu viel. Gleich dreimal pro Drittel ertönte die Sirene. Spielunterbrechung. Warten.

          Da wird auch dem Letzten aufgefallen sein, dass nur auf den ersten Blick alles beim Alten war: Die Berliner spielten zwar in ihren Heimtrikots in ihrer Halle, aber schon der Videowürfel verriet es: Da leuchtete der Eisbär auf der rechten Seite, dort, wo sonst das Logo des Auswärtsteams zu sehen ist. Denn genau das waren sie: Gäste im eigenen Wohnzimmer. So läuft das immer, wenn die NHL mit ihrer „Global Series“ vorbeikommt. Dann bietet sie dem Publikum ein Event nordamerikanischer Bauart: Vor der Arena mit einem extra aufgebauten Fanpark, drinnen mit Nationalhymnen, eigenen Hallensprechern und eigenen Einspielfilmchen. Und mit gleich neun Spielunterbrechungen, damit in den Vereinigten Staaten TV-Werbung laufen kann.

          Mit Kusshand angenommen

          Die Eisbären haben das Spiel dennoch mit Kusshand genommen – im Gegensatz zu früher, als europäische Vereine die Auftritte der Millionenstars selbst organisieren und damit das Risiko tragen mussten, als sie den Teams aus der stärksten Liga der Welt hohe Antrittsgagen sowie Kost und Logis zu zahlen hatten. Nun mussten sie lediglich pünktlich zum Spiel erscheinen. Dafür gab es dem Vernehmen nach einen kleinen sechsstelligen Betrag. Die Tageseinnahmen flossen aber in die NHL-Kasse. Und darum sowie um neue Kunden geht es bei den Showspielen ja, wie der stellvertretende Liga-Chef Bill Daly sagte: „Wir wollen, dass sich das Eishockey in Deutschland entwickelt, aber natürlich wollen wir die Verbindung zur NHL verbessern.“ Soll heißen: Neue Kunden, neues Geld.

          Das dürfte die NHL bei ihrem siebten Auftritt in Deutschland verdient haben. Mit Fanartikeln – ein Trikot kostete 180 Euro –, und erst recht mit Tickets: Einen Stehplatz gab es für 39 Euro, einen Sitz unten am Plexiglas für 90 Euro, Höhe Mittellinie wurde es im Unterrang sogar dreistellig. Für ein Freundschaftsspiel. Trotzdem war das mit 14.200 Zuschauern ausverkauft. Weil es genügend Eishockey-Fans gibt, die Stars wie Jonathan Toews und Patrick Kane einmal live erleben wollen. „Ich habe so viele Trikots gesehen von anderen Vereinen. Hier standen nicht nur Eisbären-Fans, sondern welche aus ganz Deutschland“, sagte der Berliner Stürmer Marcel Noebels. Hinzu kamen Russen, Tschechen, Schweden, Finnen und Anhänger nahezu aller 31 NHL-Teams. Vor manchem Bierstand sah es aus, als halte die Trikotsammlerszene ihren Weltkongress ab.

          Das habe sein Team besonders motiviert, sagte Noebels. Natürlich hatten die Blackhawks die meiste Zeit den Puck, mehr Tempo und bessere Chancen. Doch weil Eisbären-Torwart Sebastian Dahm ein „unglaubliches Spiel“ ablieferte, wie Chicagos Star-Keeper Corey Crawford lobend erwähnte, blieb es eng. Im zweiten Drittel glichen die Berliner sogar aus, am Ende hieß es nur 1:3. „Man kann hier nicht hinkommen und denken, man überrennt sie, hier gibt es richtig gute Eishockeyspieler“, sagte Chicagos Kapitän Jonathan Toews, der per Kunstschuss zum 1:0 getroffen hatte. Toews verdient 10,5 Millionen Dollar im Jahr – die meisten DEL-Kader kosten nicht mal die Hälfte. Die Berliner durften zufrieden sein mit dem 1:3.

          Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Blackhawks erst wenige Tage zuvor eingeflogen kamen, die Zeitumstellung zu verkraften und kaum trainiert hatten. Dass sie die größere Eisfläche in Europa nicht gewohnt sind. Und dass die Eisbären seit Wochen in der Saison sind, während die der Blackhawks erst am Freitag in Prag beginnt. Dort treffen sie auf die Philadelphia Flyers, die an diesem Dienstag einen letzten Test in Lausanne absolvierten. Danach geht es für den ganzen Tross zurück nach Nordamerika: Nach drei Gastspielen in Deutschland, der Schweiz und Tschechien beginnt daheim der Alltag mit mindestens 81 Partien in den kommenden sechs Monaten.

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