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Eishockeystar Sidney Crosby : Der Königs-Pinguin ist wichtiger als der Besitzer

  • -Aktualisiert am

Sidney Crosby: Schon jetzt eine Legende in Pittsburgh Bild: AFP

NHL-Finale, dritter Akt: Die Penguins führen gegen die Neulinge aus Nashville und haben das vor allem ihrem Superstar Sidney Crosby zu verdanken. Mit ihm wurde Pittsburgh wieder zur Eishockeymacht.

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          Wer die Arena durch das „Peoples Gate“ an der Ecke Fifth Avenue/Washington Place betritt, richtet den Blick unweigerlich nach oben. Hinauf zu einem überdimensionalen Bild von Sidney Crosby. Es zeigt den Kapitän der Pittsburgh Penguins in typischer Schuss-Pose: Den Körper leicht nach links geneigt, das linke Bein gebeugt, das rechte nach hinten gestreckt, den Schläger vor dem Bauch.

          Das Bild ist rund 15 Meter breit und zwölf Meter hoch. Es passt durchaus, dass der beste und wichtigste Penguins-Profi in herausragenden Dimensionen dargestellt ist. Denn was wäre dieser Eishockeyverein ohne Crosby? Der Mann, der vor zehn Jahren zum Kapitän ernannt wurde. Der die Penguins zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt in die Stanley-Cup-Finalserie geführt hat. Der mit Pittsburgh 2009 und 2016 Meister wurde.

          Vielleicht kann Crosby in wenigen Tagen wieder die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt in die Höhe hieven. Gegen Final-Neuling Nashville Predators haben die Penguins in den ersten beiden Spielen nicht gut gespielt, dennoch 5:3 und 4:1 gewonnen; ihnen fehlen somit aus den maximal fünf verbleibenden Begegnungen nur noch zwei Siege zum Titel. Bei einem weiteren Triumph, so hieß es in der Tageszeitung „Pittsburgh Post Gazette“, würde Crosby endgültig Mario Lemieux toppen. Dem einstigen Alleskönner, der der prägende Profi bei den Penguins-Meisterschaften 1991 und 1992 war und der seit 1999 Vereinsbesitzer ist, haben sie vor dem Arena-Eingang ein Denkmal in Form einer Statue errichtet.

          Mit Crosby kamen wieder Ergebnisse, Fans und eine neue Halle

          Ohne Crosby wären die Penguins wohl nicht mehr in Pittsburgh. Vor zehn Jahren schwörte Lemieux zwar den Fans, dass der Verein „die Stadt nicht verlassen“ werde. Trotzdem wurde intensiv nach Optionen gesucht. Denn in Pittsburgh weigerten sich die Lokalpolitiker lange vehement, das marode „Iglu“, wie sie die 1967 errichtete Halle nannten, durch eine moderne, mit Steuergeldern finanzierte Arena zu ersetzen. Der Verein hatte lange keine Argumente in eigener Sache vorzubringen. Zwischen 2001 und 2004 wurde nicht einmal ein Drittel der Spiele gewonnen.

          Das Gute: Durch den letzten Platz in der Saison 2003/2004 und etwas Glück bei der Talente-Auswahl (Draft) wurde Crosby ein Pinguin. In der Spielzeit vor ihm hatte Pittsburgh mit einem Schnitt von 12.000 Fans die schlechteste Zuschauerzahl der Liga. Als Crosby 2005/06 dann erstmals das Penguins-Trikot trug, kamen im Schnitt bereits 16.000. Mittlerweile nähern sich die „Pens“ der Marke von 500 ausverkauften Heimspielen in Serie. Sie haben seit 2007 jedes Jahr die Play-offs erreicht. „Sidney hat unseren Verein gerettet“, sagt Lemieux. Er selbst wurde im „Iglu“ einst zur Legende – und Crosby beim Titelgewinn 2009 zum jüngsten Meisterkapitän der NHL-Historie. Die alte Halle ist längst abgerissen, die neue, nur wenige Meter entfernt, 2010 eröffnet worden.

          Crosby (r.) und Erik Karlsson von den Ottawa Senators: Handshake nach dem Gewinn der Eastern-Conference-Finals.

          Als der Stadionsprecher gegen Nashville die sechs Starter der Penguins bekanntgibt, verliest er die Namen von fünf Profis relativ schnell. Vor dem Letzten indes holt er Luft und brüllt unter dem Jubel der Zuschauer: „Und euer Kapitän, mit der Nummer 87, Siiiiidneyyyyy Croooosbyyyy.“ Das Gros der Fans trägt Trikots mit seiner Rückennummer 87. Natürlich gibt es auch andere wichtige Spieler wie Jewgeni Malkin. Aber Crosby ist der Königs-Pinguin.

          Es spricht für die Ausgeglichenheit des Kaders, dass es in den beiden Finalspielen bislang nur zwei Vorlagen von ihm gab. Dennoch ist sein Einfluss unübersehbar. Wenn junge Spieler aus dem Farmteam zu den Penguins kommen, erhalten sie in der Kabine nicht etwa einen Platz irgendwo in der Ecke, sondern direkt neben Crosby. Vor einem Jahr erging das dem aus Landshut stammenden Tom Kühnhackl so. Er lauschte dem Star, lernte von ihm, wurde unverzichtbar – und fünf Monate nach seinem Debüt Stanley-Cup-Champion.

          In dieser Saison heißt der Nachfolger Kühnhackls Jake Guentzel, der erst 22 Jahre alt ist und aus Nebraska stammt. Der Center schoss in beiden gewonnenen Spielen jeweils das Siegtor und führt mit zwölf Treffern in den K.-o.-Runden die Torschützen-Liste an. Im zweiten Spiel gegen Nashville wurde auf dem Videowürfel die Liste der meisten Play-off-Punkte in der Vergangenheit der Penguins gezeigt. Noch führt Lemieux (172) vor Crosby (159). Doch es ist wohl längst keine Frage mehr, ob er ihn überholt, sondern nur noch, wann.

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