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Macht, Geld, Druck : Der meistgehasste Mann im Eishockey und sein Glanzstück

  • -Aktualisiert am

Strippenzieher: NHL-Chef Gary Bettman, hier 2019 in Seattle Bild: AP

Der NHL-Boss Gary Bettman bekommt, was er will: Die Olympischen Spiele in Peking und Mailand werden wieder mit allen Eishockey-Stars stattfinden. Doch es gibt weiter große Zweifel.

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          Am Wochenende sind die Chancen des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf eine abermalige Olympia-Medaille eklatant gesunken. Nach der Ankündigung der nordamerikanischen Eliteliga NHL, ihre Stars für die kommenden Winterspiele freizugeben, liegen sie nahe null. Dennoch sei das „eine sehr gute Nachricht für den Eishockeysport“, sagt DEB-Präsident Franz Reindl. Nationalspieler Leon Draisaitl nennt die Chance, bei Olympia aufzulaufen, sogar „das Größte für mich“. Denn als die DEB-Auswahl 2018 in Südkorea Silber gewann, war der 24-Jährige von den Edmonton Oilers nicht dabei. Die NHL wollte ihre Saison nicht unterbrechen. 2022 in Peking und 2026 in Mailand soll das wieder so sein. Zwar stehen Verhandlungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Eishockey-Weltverband (IIHF) zu Themen wie Versicherungen, Reisekosten, Unterbringung und Marketing aus, aber man wird sich wohl einigen.

          Kommt es so, war das ein neuerliches sportpolitisches Glanzstück von Gary Bettman. Der NHL-Boss ist ein erfahrener Strippenzieher. 1993, als der heute 68-jährige New Yorker als Vizepräsident der Basketballliga NBA auf den Chefsessel der NHL wechselte, zahlte er noch Lehrgeld. Wie in der NBA wollte er in der NHL eine Gehaltsobergrenze einführen. Doch im Tarifstreit mit der Spielergewerkschaft (NHLPA) scheiterte er. Bettman lernte daraus und setzte sich seitdem stets durch. Ob die Expansion in den Süden der Vereinigten Staaten auf Kosten von Traditionsstandorten in Kanada oder die Gehaltsobergrenze: Bettman bekommt, was er und die Teambesitzer wollen. Notfalls lässt er im Streit zwischen Milliardären und Millionären die Saison ausfallen, um den Druck zu erhöhen. Das hat ihn zum mächtigsten und meistgehassten Mann im Welt-Eishockey werden lassen.

          Was bringt Olympia?

          Auch dieses Mal lief es nach Wunsch. Denn natürlich ist es im Interesse der NHL, in Peking aufzulaufen. Wie der europäische Fußball oder die NBA will auch die stärkste Eishockeyliga der Welt in China Geld verdienen. Dafür fliegt sie ihre Stars regelmäßig für Showspiele ein. Dennoch wiederholten die NHL-Offiziellen über Monate ihre Erzählung vom fehlenden Nutzen einer Olympia-Teilnahme. „Wir glauben, das Negative überwiegt das Positive“, sagte Bettman im Frühjahr. Millionen für Versicherungen und Reisen, eine wochenlange Saisonpause, zu viel Zeitverschiebung für den heimischen TV-Markt, das Verletzungsrisiko der Spieler. Zudem verdiene man ja nichts. Als Kanadas Sidney Crosby 2010 das goldene Finaltor erzielte, durfte die NHL nicht mal ein Video davon zeigen. Was bringe Olympia also? Es waren dieselben Argumente wie vor den Spielen in Südkorea, für die die NHL erstmals seit 1994 keine Spieler abstellte.

          Dass sie 2022 sehr wohl teilnehmen will, konnte aber niemand laut sagen, weil wieder Tarifverhandlungen in der NHL anstanden. Bettman weiß natürlich, dass seine Spieler zu Olympia wollen. Also nutzte er die Freigabe als eines der Druckmittel dafür, dass die Aktiven wegen der Corona-Pandemie auf Gehalt verzichten und dem Neustart der Saison am 1. August zustimmen. In der Nacht zu Samstag unterschrieben NHL und NHLPA die Einigung. Offiziell haben nun beiden Seiten etwas durchgesetzt, in Wahrheit lief alles nach Wunsch der NHL. Bettman treibt auch IOC und IIHF vor sich her. Als Weltverbandschef René Fasel im Januar eine Deadline setzte, dass die NHL bis August final für Olympia zu- oder absagen soll, antwortete er: „Er hat schon letzten Sommer gesagt, er will eine Antwort bis Dezember. Er hat keine bekommen.“ Mittlerweile haben IOC und IIHF der NHL sogar angeboten, ihr bei Versicherungen, Anreise und Marketing entgegenzukommen. Also alles wie immer: Die Bosse bekommen, was sie wollen. Diesmal etwas, was auch Fans, Spielern und Verbänden gefällt. Selbst wenn sie dadurch kaum Medaillenchancen haben.

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