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Streit um Washington Redskins : „Dieser rassistische Name muss weg“

  • Aktualisiert am

3200 Menschen protestierten vor dem NFL-Spiel gegen den Namen „Redskins“ Bild: dpa

Das Thema ist aktueller denn je. Der Widerstand gegen den Vereinsnamen der Washington Redskins aus der National Football League nimmt zu. Nun gab es die bislang größte Demonstration.

          2 Min.

          Die Proteste gegen den Vereinsnamen Washington Redskins werden lauter, größer, unüberhörbar: Mehr als 3200 Menschen demonstrierten am Sonntag (Ortszeit) im Vorfeld des Spiels der National Football League NFL zwischen den Minnesota Vikings und Washington rund um das TFC Bank Stadium in Minneapolis. Die Protestler, viele von ihnen Indianer, waren aus elf Bundesstaaten angereist, um sich abermals für eine Änderung des aus ihrer Sicht rassistischen Namens des Hauptstadt-Teams stark zu machen.

          Mit Sprechchören wie „Wir sind nicht euer Maskottchen“ oder „Dieser rassistische Name muss weg“ zog die Masse zum Tribal Nations Plaza, der seinen Namen zu Ehren der elf Indianerstämme im Bundesstaat Minnesota trägt. Der Begriff „Redskin“ (Rothaut) ist für viele Ureinwohner Amerikas eine Verunglimpfung. Daher sprechen sie oft nur vom „R-Wort“ und setzen es mit „Nigger“ gleich.

          „Ich kenne die Geschichte dieses Wortes. Aber ich glaube nicht, dass sie den meisten Menschen bekannt ist“, sagt David Snowball, Mitglied der Ho-Chunk-Nation. Er spricht die Redskins-Fans an, die sich gern rote Gesichter malen und Federschmuck tragen. „Wenn man sich mit der Historie befasst, wird einem klar, dass es ein wirklich beleidigender Begriff für uns Indianer ist. Sie haben unsere Skalps Redskins genannt“, erklärt Martin Bernard vom Dacotah-Stamm.

          Viele Demonstranten trugen die weinroten Trikots des Washingtoner Teams, hatten anstelle des Wortes „Redskins“ jedoch Begriffe wie „Rethink“ (umdenken), „Rename“ (umbenennen) oder „Replace“ (ersetzen) aufgedruckt. In der Menge befand sich auch die Bürgermeisterin von Minneapolis, Betsy Hodges. „Ich habe eine Botschaft für das Washington-Team: Die Uhr tickt... Es ist mehr als eine Beleidigung, es ist Hass“, so Hodges.

          Ehre und Stolz der Ureinwohner

          Die Polizei sprach von der bisher größten Demonstration gegen den Vereinsnamen. Und die Protestler kündigten weitere Aktionen an, um den Druck auf den Klub zu erhöhen. Man werde Leute mit Transparenten zu Heim- und Auswärtsspielen schicken, betonte David Glass, Präsident der Nationalen Koalition gegen Rassismus in Sport und Medien.

          Dan Snyder, der milliardenschwere Team-Besitzer reagierte wie bislang immer - er hörte und schaute einfach weg. Man habe keinen Kommentar zu den Demonstrationen, hieß es von Vereinsseite. Snyder selbst gab zuletzt im September ESPN ein Interview zu dem Thema. Damals betonte er, dass mit dem Namen Redskins Ehre und Stolz der amerikanischen Ureinwohner verbunden seien und verwies auf die „historischen Fakten“ in Person von William Dietz. Der war 1932 der erste Trainer, als der Klub noch Boston Braves hieß. Und er war es, der den Namen in Redskins änderte. Laut Snyder war Dietz „indianischer Abstammung“.

          89 Prozent für eine Namensänderung

          Mit dieser Behauptung liegt er jedoch falsch. FBI-Untersuchungen ergaben, dass William Dietz, der sich selbst den Indianer-Namen „Lone Star“ gab, seine Herkunft nur erfand, um nicht zum Ersten Weltkrieg eingezogen zu werden. In Wirklichkeit hatte er deutsche Vorfahren. Der Streit um Washingtons Namensrechte ist nicht neu. Bereits am 26. Januar 1992 gab es vor dem Super Bowl zwischen den Redskins und den Buffalo Bills Proteste. In Umfragen sprachen sich damals 89 Prozent gegen eine Namensänderung aus - zuletzt lag der Wert bei 71 Prozent.

          Im Mai drängten 50 Demokratische Senatoren NFL-Commissioner Roger Goodell in einem Schreiben dazu, eine Namensänderung durchzusetzen. Auch Präsident Barack Obama und sogar die Vereinten Nationen forderten einen Namenswechsel. Drei große TV-Stationen vermeiden es seit dieser Saison bei ihren Übertragungen den kompletten Teamnamen zu nennen und sprechen nur noch von „Washington“.

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