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Rekord-Quarterback Jackson : „Das ist außergewöhnlich, höchst selten“

Nicht zu fassen: Lamar Jackson (rechts), hier beim Spiel gegen die Rams Bild: AFP

Dank Lamar Jackson wird aus Baltimore ein Super-Bowl-Kandidat – dem 22-Jährigen gehört die Zukunft der NFL. Besonders eine Fähigkeit macht den Ausnahmespieler so stark.

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          Lamar Jackson jagt Rekorde. Viele hat er schon erreicht. Manche übertroffen. Einige geradezu pulverisiert. Spielend leicht, wie es scheint, wenn man ihn beobachtet in seinem violetten Trikot. Wie er sich über das Feld bewegt. Flink, wendig, immer auf der Suche nach dem besonderen Moment. Jackson führt sein Team in dieser Saison von Sieg zu Sieg. Er hat Quarterback-Superstar Tom Brady und die New England Patriots geschlagen. Er hat Russell Wilson und die Seattle Seahawks besiegt. Er hat Jared Goff und die Los Angeles Rams bezwungen. Allesamt Großmeister ihrer Zunft bei Spitzenteams der National Football League (NFL).

          Jackson ist Spielmacher der Baltimore Ravens. Eher ein Mittelklasse-Team in den vergangenen Jahren, das dem eigenen Erfolg reichlich oft selbst im Weg stand. Doch in diesem Jahr könnte es anders kommen. Sehr wahrscheinlich sogar. Die Ravens liegen mit einer Bilanz von neun Siegen und nur zwei Niederlagen auf Playoff-Kurs. Mehr noch: Sie sind das Team der Stunde, gelten für viele als großer Kandidat für den Super Bowl. Und das hat in erster Linie mit Jackson zu tun. Mit seinen Leistungen. Seinen Rekorden.

          Erworfene Touchdowns, erlaufene Touchdowns, Passsicherheit, das aus mehreren Werten berechnete Quarterback-Rating, gewonnene Spiele: In vielen Statistiken ist er schon jetzt besser als viele der noch aktiven Football-Ikonen in ihren NFL-Anfangsjahren waren. Aaron Rodgers etwa, Drew Brees, Brady. Und in einigen Statistiken hat er schon jetzt bessere Werte erzielt als diese Spitzenspieler zu ihren Spitzenzeiten. Rodgers ist 35 Jahre alt. Brees 40. Brady sogar 42. Entsprechend lange spielen sie in der besten Football-Liga der Welt. Jackson ist 22. Mit den Ravens ist er in diesem Jahr erst in seine zweite Saison überhaupt gegangen. Bleibt er verletzungsfrei, gehört ihm die Zukunft.

          Beim eindrucksvollen 45:6 gegen den Vorjahres-Finalteilnehmer Los Angeles gelangen ihm in dieser Woche fünf Touchdown-Pässe. Das schaffte bislang noch kein Quarterback bei seinem Debüt im sogenannten „Mondaynight-Game“, dem aufmerksamkeitsstarken Spitzenspiel der Liga. Seine 24 bis dato insgesamt erworfenen Touchdowns sind ebenfalls Ligabestwert. Doch die große Stärke von Jackson ist sein Laufspiel: Mit 876 erlaufenen Yards (etwa 800 Meter), die sechs selbst erzielte Touchdowns einbrachten, ist er in dieser Saison besser als fast alle Running Backs der NFL; also besser als diejenigen Spieler, deren Hauptaufgabe im läuferischen Raumgewinn liegt. Jackson ist zudem der erste Spieler überhaupt mit mindestens 3000-Pass-Yards und 1500 Lauf-Yards in seinen ersten beiden Jahren. „Das ist einfach etwas Außergewöhnliches. Das ist höchst selten“, sagte sein Trainer John Harbaugh unlängst: „Er überrascht einfach immer wieder.“

          Diese steile Karriere hat sich Jackson hart erarbeitet. Er wuchs in einer wirtschaftlich gebeutelten Gegend von Pompano Beach (Florida) auf. Mit sieben verlor er seinen Vater. Football gab ihm in diesen Zeit Halt und Kraft, wie er sagt. Er trainierte unermüdlich. Schon in der Highschool führte er dann beinahe sämtliche Bestenlisten an; in seiner College-Zeit für die Universität von Louisville wurde er 2016 als landesweit bester Spieler mit der Heisman Trophy ausgezeichnet. Dennoch waren anfangs viele Experten skeptisch, was Jacksons Zukunft anging. Zu groß schienen seine Schwächen im Passspiel. Nicht wenige legten ihm sogar einen Positionswechsel nahe.

          Bei der anschließenden Draft, der Talentauswahl der NFL-Teams, wurde er dann auch erst an 32. Stelle von den Ravens verpflichtet. Das alles kümmerte Jackson aber kaum. Er verbesserte sich Woche für Woche und verdrängte gleich in seiner Premierensaison Stamm-Quarterback Joe Flacco. Seitdem versetzt er die Football-Fans in Staunen. Weltweit. „Er verändert unser Spiel“, beschrieb kürzlich Teamkollege Marshal Yanda den Einfluss des mit 1,88 Meter und 96 Kilo körperlich eher durchschnittlichen Spielmachers. Und was sagt Jackson selbst zu seiner bisherigen Saison? „Ich versuche nur, Spiele zu gewinnen.“

          Wirklich bescheiden ist der derzeit wohl aussichtsreichste Kandidat auf die Auszeichnung als bester NFL-Spieler dennoch nicht. „Ich will zum Super Bowl, das ist mein Ziel.“ Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, auch wenn die sehr von Jackson abhängige Spielweise große Risiken birgt. Zudem nimmt der 22-Jährige mit seinen waghalsigen Läufen nicht selten mögliche Verletzungen in Kauf. „Genie und Wahnsinn sind eng verbunden“, sagte bereits Edgar Allen Poe, Sohn der Stadt und mit seinem Gedicht „Der Rabe“, Namensgeber der Ravens. Jacksons Team ist das egal: „Das ist eben Lamar,“ meint Running Back Mark Ingram nur. Am Sonntag (19 Uhr MEZ bei ProSieben Maxx) steht das Gipfeltreffen gegen die San Francisco 49ers an. Jackson wird weiter Rekorde jagen.

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