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Was Sie über Football wissen müssen

Von JAN EHRHARDT und SIMON HÜSGEN
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07. Februar 2021 · Die Begeisterung für Football mit dem Höhepunkt Super Bowl wird immer größer. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Fans. Aber wie genau funktioniert Football überhaupt? Die F.A.Z. gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

American Football ist ein weltweites Phänomen. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, wo der rasante und körperbetonte Sport seinen Ursprung hat, fiebern Fans mit ihren Lieblingsmannschaften mit. Auf dem ganzen Globus hat Football begeisterte Anhänger gefunden, die vor allem die Spiele der National Football League (NFL) regelmäßig verfolgen. Auch in Deutschland.

Diese Begeisterung erreicht jedes Jahr Anfang Februar ihren Höhepunkt. Dann findet der Super Bowl statt, das Endspiel der NFL. Es ist ein Massenspektakel, das weltweit oft mehr als 100 Millionen Menschen an den Bildschirmen verfolgen. Auch die regulären Saisonspiele der NFL sind mittlerweile zum festen Bestandteil im Sportjahr vieler Fans geworden.

Die NFL zu Gast im Londoner Wembley-Stadion 2019
Die NFL zu Gast im Londoner Wembley-Stadion 2019 Foto: Picture-Alliance

Die NFL hat diesen Trend erkannt. Immer wieder trägt sie offizielle Ligaspiele außerhalb der Vereinigten Staaten aus, zuletzt etwa in Mexiko oder Großbritannien. Auch Deutschland, laut der NFL einer ihrer größten Wachstumsmärkte, ist dafür seit einigen Jahren in der engeren Auswahl.

Wie aber funktioniert Football genau?

Ein Football-Spiel ist in vier Viertel mit jeweils 15 Minuten Netto-Spielzeit unterteilt. Das bedeutet, dass die Uhr immer wieder von den Schiedsrichtern angehalten wird. Dadurch dauert ein Spiel deutlich länger als eine Stunde.

Möchte man es auf ein einziges Wort herunterbrechen, geht es im Football um Raumgewinn. Dabei hat die angreifende Mannschaft jeweils vier Versuche, um eine Distanz von zehn Yards (9,14 Meter) in Richtung der gegnerischen Endzone zurückzulegen. Hierzu kann der Ball auf dem 120 Yards (knapp 110 Meter) langen und etwa 53 Yards (gut 48 Meter) breiten Spielfeld entweder gepasst oder von einem Spieler getragen werden. Der jeweilige Spielzug wird von den Trainern aus einer oft hunderte Seiten umfassenden Vorlage, dem „Playbook“, ausgewählt und dem Quarterback per Funk übermittelt. Der Spielmacher empfängt die Anweisungen über einen im Helm befindlichen Lautsprecher. Er muss, wie auch jeder seiner Mitspieler, alle Spielzüge im Playbook, die seine Position betreffen, auswendig können – eine gewaltige kognitive Leistung.

Ein kleiner grüner Aufkleber zeigt an, welche Spieler Lautsprecher in ihren Helmen haben.
Ein kleiner grüner Aufkleber zeigt an, welche Spieler Lautsprecher in ihren Helmen haben. Foto: Picture-Alliance

Jeder neue Spielzug beginnt mit einem „Snap“ – der Ballübergabe des Centers an den Quarterback (Positionen siehe Grafik unten) – dort, wo der vorherige gestoppt wurde. Die Offensive stellt sich hierfür an der „Line of Scrimmage“ auf, einer parallel zur Endzone verlaufenden (gedachten) Linie auf Ballhöhe. Raumgewinn wird immer ab dieser Linie gemessen. Zwischen zwei Spielzügen haben die Mannschaften in der NFL jeweils 40 Sekunden Zeit, in denen der nächste Spielzug ausgewählt, die Startformation eingenommen und das Spiel mit dem Snap fortgesetzt werden muss.

Gelingt es der angreifenden Mannschaft mit vier Versuchen, „Downs“ genannt, von der Line of Scrimmage zehn Yards zurückzulegen, schafft sie ein neues „First Down“. Dafür wird sie mit vier neuen Anläufen belohnt, mit denen sie wiederum einen Raumgewinn von zehn Yards erzielen muss. Ziel ist es, dadurch der gegnerischen Endzone möglichst nahezukommen, um die Chancen auf einen Punktgewinn zu erhöhen. Punkte lassen sich auf zwei Arten erzielen.

Der Quarterback steuert mit seinen Würfen oder Ballübergaben das Spiel.
Der Quarterback steuert mit seinen Würfen oder Ballübergaben das Spiel. Foto: Picture-Alliance

Die meisten Punkte erhält ein Team für einen „Touchdown“. Um einen solchen zu erzielen, muss der Ball in die gegnerische Endzone transportiert werden. Entweder muss ein Angreifer dort also einen Pass fangen oder ein Spieler mit dem Ball in die Endzone laufen. Für einen Touchdown erhält eine Mannschaft sechs Punkte und die Chance auf einen oder zwei zusätzliche Punkte. Dafür kann sie entweder einen „Field-Goal“-Versuch (Erklärung siehe unten) von der 15-Yard-Linie wagen, hierfür gibt es einen zusätzlichen Punkt. Das Risiko, den Schuss zu verfehlen, ist dabei recht gering. Das Team kann sich aber auch für eine sogenannte „Two-Point-Conversion“ entscheiden, bei der die Mannschaft an der Zwei-Yard-Linie einen Versuch erhält, den Ball ein weiteres Mal in die Endzone zu befördern. Dies wird dann mit zwei Extrapunkten belohnt. Hier ist das Risiko zu scheitern jedoch deutlich größer.

Ein Receiver der Offensive fängt einen Pass in der Endzone und erzielt dadurch einen Touchdown.
Ein Receiver der Offensive fängt einen Pass in der Endzone und erzielt dadurch einen Touchdown. Foto: Picture-Alliance

Neben dem Touchdown ist das „Field Goal“ die zweite Möglichkeit zu punkten. Bei einem Field Goal schießt der Kicker, ein nur auf diese Aufgabe spezialisierter Spieler, den Ball durch die am Ende des Spielfelds angebrachten Torstangen. Ein Field Goal wird meist dann versucht, wenn die angreifende Mannschaft nur noch einen Versuch für ein neues First Down hat, der gegnerischen Endzone jedoch so nah ist, dass der Kicker gute Chancen hat, den Ball durch die Stangen zu schießen. Erzielt eine Mannschaft ein Field Goal, erhält sie dafür drei Punkte. Extrapunkte wie beim Touchdown gibt es nicht.

Der Kicker erzielt mit seinem Schuss durch die Torpfosten ein Field Goal.
Der Kicker erzielt mit seinem Schuss durch die Torpfosten ein Field Goal. Foto: Picture-Alliance

Gelingt es der angreifenden Mannschaft nicht, innerhalb von drei Spielzügen zehn Yards zurückzulegen und ist sie für ein Field Goal zu weit von den Torstangen entfernt, wird der vierte Versuch in der Regel dazu genutzt, den Ball zu „punten“. Dabei wird versucht, den Ball so tief wie möglich in die gegnerische Hälfte zu schießen und der gegnerischen Mannschaft somit das Erzielen eigener Punkte zu erschweren. Diese hat bei einem Punt die Chance, den Ball aufzunehmen und durch einen Lauf des „Returners“ ihrerseits die Distanz zu verringern. Winkt dieser Spieler mit der Hand über dem Kopf, bedeutet dies, dass er einen „Fair Catch“ anzeigt. In diesem Fall darf der Spieler nicht mehr angegriffen werden, er kann jedoch dann keinen Raumgewinn mehr erzielen.

Auch der Spielbeginn, die zweite Hälfte sowie die Spielfortsetzung nach einem Touchdown laufen ähnlich ab. Der Unterschied beim sogenannten „Kickoff“ ist, dass der ruhende Ball vom Boden geschossen wird und nicht wie beim Punt aus den Händen des Spielers.

Während die Offensive das Ziel hat, mit einem Spielzug möglichst viel Raumgewinn zu erzielen, versucht die verteidigende Mannschaft, genau dies zu verhindern. Vor Beginn eines Spielzugs steht die vordere Linie der Defensive mindestens eine Balllänge von der Line of Scrimmage entfernt. Der Raum zwischen der Defensive und der Line of Scrimmage ist die neutrale Zone, die bis zum Snap nicht betreten werden darf.

Beim Kampf um den Ball kann es im Football hart zur Sache gehen.
Beim Kampf um den Ball kann es im Football hart zur Sache gehen. Foto: Picture-Alliance

Die größte Schwierigkeit für die Defensive besteht darin, dass sie nicht weiß, für welchen Spielzug sich das angreifende Team entscheidet, ob es also den Ball passen oder einen Lauf versuchen wird. Aus diesem Grund gibt es in einer Defensive sowohl Spieler, die Pässe verteidigen und Passempfänger decken, als auch Verteidiger, die den balltragenden Spieler stoppen sollen, bevor dieser durch einen Lauf oder – im Falle des Quarterbacks – mit einem Pass Raumgewinn erzielt. Wird der gegnerische Quarterback zu Boden gebracht, bevor er den Ball passen kann, spricht man von einem „Sack“. Um den Quarterback hiervor zu schützen, bilden einige Spieler der Offensive um den Spielmacher eine Art Schutzlinie – die „Pocket“. Bringt die Defensive den Ballträger in seiner eigenen Endzone zu Fall, spricht man von einem „Safety“, der dem verteidigenden Team zwei Punkte einbringt.

Der Quarterback wird von einem gegnerischen Defensivspieler unter Druck gesetzt.
Der Quarterback wird von einem gegnerischen Defensivspieler unter Druck gesetzt. Foto: Picture-Alliance

Da der Ball von der Offensive zu Beginn des Spielzugs zunächst nach hinten gespielt wird, kann die Defensive im Optimalfall die Angreifer schon vor Erreichen der Line of Scrimmage aufhalten und so für einen Raumverlust der Offensive sorgen. Zudem können die Verteidiger versuchen, den Ball aus den Händen des Gegners zu schlagen und selbst aufzunehmen. Lässt der Ballträger den Ball fallen, spricht man von einem „Fumble“. Ebenso kann die Defensive durch eine „Interception“, das Abfangen eines Passes, Ballbesitz erlangen. In diesen Fällen kann auch die verteidigende Mannschaft einen Touchdown erzielen, wenn es ihr gelingt, nach Aufnehmen des Balls damit bis in die gegnerische Endzone zu laufen oder dort Ballbesitz zu erlangen.

Nach einem Fumble kann die Defensive den Ball aufnehmen und selbst Raumgewinn oder Punkte erzielen.
Nach einem Fumble kann die Defensive den Ball aufnehmen und selbst Raumgewinn oder Punkte erzielen. Foto: Picture-Alliance

Die wichtigsten Positionen

Football ist ein Sport für Spezialisten. Entsprechend lebhaft geht es während der Partien an der Seitenlinie zu. Ein maximal 53 aktive Spieler umfassendes Team lässt sich grob in drei Gruppen aufteilen: Die Offensive (Offense), die Defensive (Defense) und die Special Teams, wobei letztere in einem Spiel nur in besonderen Situationen wie einem Punt oder einem Field-Goal-Versuch eingesetzt werden. Die meiste Zeit stehen sich auf dem Feld jeweils elf Spieler der Offensive und Defensive gegenüber. Auch innerhalb der drei Gruppen herrscht eine strikte Aufgabenteilung.

Die wichtigsten Fouls

Football ist ein Sport mit einem extrem hohen Verletzungsrisiko. Auch wenn es manchmal anders wirkt, ist auf dem Feld längst nicht alles erlaubt. Für die Umsetzung und Einhaltung des umfangreichen Regelwerks sind bei jeder NFL-Partie sieben Schiedsrichter im Einsatz, von denen jeder einen bestimmten Bereich des Spielfeldes beobachtet. Erkennen sie ein Foul, signalisieren sie dies durch das Werfen einer gelben Flagge.

Die erste Frau, die bei einer NFL-Partie als Schiedsrichterin eingesetzt wurde: Sarah Thomas
Die erste Frau, die bei einer NFL-Partie als Schiedsrichterin eingesetzt wurde: Sarah Thomas
Die erste Frau, die bei einer NFL-Partie als Schiedsrichterin eingesetzt wurde: Sarah Thomas
Eine auf das Spielfeld geworfene gelbe Flagge zeigt an, dass ein Schiedsrichter ein Foul erkannt hat.
Eine auf das Spielfeld geworfene gelbe Flagge zeigt an, dass ein Schiedsrichter ein Foul erkannt hat.
Eine auf das Spielfeld geworfene gelbe Flagge zeigt an, dass ein Schiedsrichter ein Foul erkannt hat.
Das Werfen einer roten Flagge zeigt an, dass ein Trainer eine Schiedsrichterentscheidung anzweifelt.
Das Werfen einer roten Flagge zeigt an, dass ein Trainer eine Schiedsrichterentscheidung anzweifelt.
Das Werfen einer roten Flagge zeigt an, dass ein Trainer eine Schiedsrichterentscheidung anzweifelt.
Foto: Pictures-Alliance

Der Hauptschiedsrichter, umgangssprachlich „Whitehead“ genannt und an seiner weißen Mütze erkennbar, kommuniziert die Art des Fouls und die damit einhergehende Strafe dann mittels Mikrofon an die Zuschauer im Stadion und an den Bildschirmen. In der Regel werden Fouls mit einem Raumverlust für die jeweilige Mannschaft bestraft, bei unsportlichen oder besonders groben Fouls kann jedoch auch der Ausschluss eines Spielers erfolgen oder eine teils empfindliche Geldstrafe verhängt werden.


Wie funktioniert der Videobeweis in der NFL?

Bei einem Footballspiel kommen schier unzählige Kameras zum Einsatz. Jeder Winkel des Spielfeldes und jede Bewegung der Spieler wird beobachtet. Die Cheftrainer der Mannschaften haben während einer Partie jeweils zweimal die Möglichkeit, eine Entscheidung der Schiedsrichter anzufechten. Diese sogenannte „Challenge“ signalisieren sie durch das Werfen einer roten Flagge. Anschließend wird die fragliche Situation anhand der Kameraaufnahmen überprüft und die Entscheidung der Schiedsrichter gegebenenfalls bestätigt oder korrigiert. Bieten die Aufnahmen allerdings keine ausreichenden und eindeutigen Beweise zur nachträglichen Änderung der Entscheidung, bleibt die ursprüngliche Tatsachenentscheidung des Unparteiischen bestehen.

Hat ein Trainer mit seiner Challenge Erfolg, wird das Spiel mit der nun geänderten Schiedsrichterentscheidung fortgesetzt. Hat er keinen Erfolg, wird seinem Team ein Timeout abgezogen, von denen jeder Mannschaft pro Halbzeit drei zur Verfügung stehen, um sich zwischen Trainern und Spielern zu besprechen. Hat ein Trainer mit beiden Überprüfungen Erfolg, erhält er eine dritte Challenge. In den letzten zwei Minuten jeder Halbzeit dürfen allerdings keine Challenges eingesetzt werden. Hier überprüfen die Schiedsrichter eigeninitiativ die wichtigsten Situationen wie Punktgewinne oder mögliche Wechsel des Angriffsrechts. Zudem wird jeder erzielte Punkt und jeder Wechsel des Ballbesitzes automatisch überprüft.

Der Hauptschiedsrichter überprüft eine Szene anhand der Kameraaufnahme.
Der Hauptschiedsrichter überprüft eine Szene anhand der Kameraaufnahme. Foto: Pictures-Alliance

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Quelle: FAZ.NET

Veröffentlicht: 07.02.2021 17:45 Uhr