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American Football : Bradys Reise geht woanders weiter

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Abschied, aber wohl noch kein Ende: Tom Brady verlässt die Patriots. Bild: Reuters

Zu langsam, zu dürr, nicht schnell genug. Selten irrten die Experten so wie bei Tom Brady. Nun gibt der erfolgreichste Quarterback der NFL-Geschichte seinen Abschied von den New England Patriots bekannt.

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          „Forever a Patriot“, für immer ein Patriot, schrieb Tom Brady in Großbuchstaben bei Twitter und machte den Fans in New England etwas Hoffnung, doch sie zerplatzte nur wenige Zeilen später. „Es ist Zeit für mich, ein neues Kapitel in meinem Leben und meiner Karriere aufzuschlagen“, teilte der Star-Quarterback im ersten von zwei langen Texten mit - nach 20 Jahren und sechs Super-Bowl-Triumphen lässt Brady die New England Patriots hinter sich.

          Wie es weitergeht, ist noch unklar. Brady, mittlerweile 42, denkt nicht ans Aufhören. Die Tampa Bay Buccaneers gelten als mögliches Ziel für den erfolgreichsten Footballer in der Geschichte der amerikanischen Profiliga NFL. Auch die Los Angeles Chargers sollen Interesse haben. Es dürfte nicht allzu lange dauern, bis Klarheit herrscht.

          Zu langsam, zu dürr, nicht gut genug

          Bevor der Blick endgültig nach vorn geht, schaute Brady auf seine Zeit in Foxborough zurück und bedankte sich bei den Teamkollegen, den Trainern, Headcoach Bill Belichick, Klubbesitzer Robert Kraft und der Franchise. „Ich habe von jedem etwas gelernt. Ihr habt mir erlaubt, das Maximum aus meinem Potenzial herauszuholen. Unser Team hat im Profisport einen Standard gesetzt. Auch wenn meine Footballreise nun woanders weitergeht, weiß ich alles, was wir erreicht haben, sehr zu schätzen.“

          Mit einer solchen Erfolgsgeschichte konnte niemand rechnen. Der junge Brady, von den Experten als zu langsam, zu dürr, einfach nicht gut genug eingeschätzt, war im Draft 2000 nur als 199. Spieler ausgewählt worden. Danach ging es steil bergauf. Schon in seiner zweiten Saison wurde er zur Nummer eins befördert und holte direkt den Titel. Auch 2004, 2005, 2015, 2017 und 2019 ging die Vince Lombardi Trophy an New England. Geradezu märchenhaft ist seine Karriere bei den Patriots verlaufen, aber auf dem Feld endete sie wie in einem Albtraum.

          Im Wildcard-Spiel gegen die Tennessee Titans (13:20) leistete sich Brady neun Sekunden vor Ablauf der Zeit eine Interception. Ein seltener Fehlwurf in die Arme des Gegners, beim 11.615. Passversuch seiner Laufbahn. Die Folge war das Aus auf schnellstem Wege, erstmals seit 2012 verlor das Team in den Play-offs wieder ein Heimspiel. Bei den Fans der Patriots wird dieser Moment der Schwäche kaum in Erinnerung bleiben. Es gibt viel zu viele gute. Und seinen Getreuen sagte Brady Danke. „Massachusetts ist seit 20 Jahren meine Heimat. Es waren die wirklich glücklichsten zwei Jahrzehnte, die ich mir für mein Leben hätte wünschen können“, schrieb der „GOAT“ (Greatest Of All Time): „Ihr habt mich, das Kind aus Kalifornien, immer wie euer eigenes betrachtet.“

          Brady wurde in seiner Zeit bei den Patriots viermal zum wertvollsten Spieler (MVP) des Super Bowls gekürt. Dreimal erhielt er diese Auszeichnung nach der Hauptrunde (2007, 2010 und 2017). Er hält mehrere Rekorde, unter anderem ist er der älteste Spielmacher, der Meister wurde (2019 mit 41). Seine neun Finalteilnahmen sind ebenfalls bislang unerreicht. Bis zuletzt hatten sich die Patriots um Brady, dessen Vertrag auslief, bemüht - aber vergeblich. „Tommy hat sich gestern Abend bei mir gemeldet und kam vorbei. Wir hatten ein positives, respektvolles Gespräch“, sagte Klubboss Kraft: „Das ist nicht das Ende, das ich mir gewünscht habe. Ich liebe ihn wie einen Sohn.“

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