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American Football : Superstar Brady unter Druck wegen zu wenig Druck

Reputation in Gefahr: Superstar Tom Brady von den New England Patriots steht unter Manipulationsverdacht Bild: AP

„Deflategate“ erschüttert den amerikanischen Sport: Drei Monate nach dem Super Bowl steht American-Football-Superstar Tom Brady unter Manipulationsverdacht. Mitarbeiter seiner New England Patriots sollen mit seinem Wissen Spielbälle präpariert haben.

          Es geht eigentlich um ein bisschen Luft zu wenig – aber die New England Patriots setzt ein soeben von der National Football League (NFL) veröffentlichter Report enorm unter Druck. Die 243 Seiten des nach dem Leiter der Untersuchung benannten „Wells Report“, den eine Anwaltskanzlei im Auftrag der NFL begleitet hat, werfen ein sehr schlechtes Licht auf den Sportsgeist des Super-Bowl-Siegers, für den auch der deutsche Offensive Tackle Sebastian Vollmer seinen defensiven Dienst verrichtet. Gemäß des Berichts haben die Patriots vor dem 45:7-Sieg im AFC-Finale der vergangenen Saison gegen die Indianapolis Colts, dem Qualifikationsspiel fürs Super Bowl, absichtlich Luft aus den Spielbällen gelassen, um ihrem Quarterback Tom Brady Vorteile zu verschaffen.

          Brady, einer der Superstars der NFL und wegen seiner Ehe mit dem Top-Model Gisele Bündchen auch in der Boulevardpresse prominent vertreten, konnte somit gerade angesichts des regnerischen Wetters während des Spiels am 18. Januar beim Werfen seiner Pässe den Ball besser kontrollieren und in die für eine stabile Flugbahn nötige Rotation versetzen, was dem Passempfänger das Fangen des Balls erleichtert.

          Colts wiesen Schiedsrichter auf Vorfall hin

          Vorgeschrieben sind durch die NFL ein Druck zwischen 12,5 und 13,5 Pfund pro Quadrat-Inch (PSI, Pounds per Square Inch). Das entspricht ca. 0,86 bis 0,93 bar. Elf der zwölf während des Spiels überprüften Bälle der Patriots (jedes Team nutzt in NFL-Spielen einen eigenen Satz Bälle bei seinen Spielzügen, lediglich für die Kicks stehen neutrale Bälle zur Verfügung) wiesen einen zu geringen Druck auf. Diese Messung, die auf einen Hinweis des Gegners während des zweiten Spielviertels hin vorgenommen wurde und zum neuerlichen Aufpumpen der Bälle für Halbzeit zwei führte, hatte in den Tagen nach dem Spiel Amerika erschüttert, der Begriff „Deflategate“ (deflate heißt übersetzt Luft herauslassen) wurde zu einem geflügelten Wort.

          Trotz der schon damals starken Indizien für ein willentliches Vorgehen der Patriots zum Erschleichen eines Vorteils durfte das Team das Super Bowl bestreiten und gewann gegen die Seattle Seahawks mit 28:24.

          Der Report, für den neben den verdächtigen Akteuren über 70 Beteiligte bis hin zu Balljungen befragt wurden, enthüllt nun, dass es „eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist“, dass der Umkleidekabinen-Beauftragte Jim Mcnally und der Zeugwart John Jastremski die Bälle manipuliert haben. Zudem legt die Untersuchung nahe, dass Quarterback Tom Brady zumindest allgemein Kenntnis hatte von den „unangemessenen Aktivitäten“ der beiden Mitarbeiter, wenngleich er nicht selber Hand angelegt haben soll. Direkt als Betrüger bezeichnet der Bericht Brady derweil nicht, was dem Superstar die Hoffnung lässt, ungeschoren davonzukommen.

          Weitere Mitarbeiter der Patriots sollen demnach nichts von dem Vorgang gewusst haben, so auch nicht die Team-Besitzer, Coach Bill Belichick oder Chefzeugwart Dave Schoenfeld. Auch Kicker Stephen Gostowksi wurde von jeder Schuld freigesprochen. Er habe keinen Versuch unternommen, einen eigenen Ball zur Verwendung zu bringen, was ihm möglich gewesen wäre. Dem Klub wurde allerdings vorgeworfen, nicht pflichtgemäß kooperiert zu haben, da eine zweite Befragung McNallys unterbunden worden sei.

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