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Aufregung um NFL-Star : Lieber Arznei für Pferde als Corona-Impfstoff

  • -Aktualisiert am

Aaron Rodgers hat seine ganz eigenen Ansichten. Bild: AP

Aaron Rodgers sorgt für Aufregung in der NFL. Der Football-Star lässt sich nicht impfen, er setzt vielmehr auf ein Mittel aus der Veterinärmedizin. Und das ist nicht das einzige Kuriosum bei ihm.

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          Die Vereinbarung zwischen Liga und der Spielergewerkschaft der NFL über Verhaltensregeln in einer Pandemie ist ein Prachtstück amerikanischer Juristerei: 93 Seiten lang, vollgepackt mit jedem Wenn und Aber und so ausgefeilt und darauf ausgelegt, jede eventuelle Kontroverse über ihre Auslegung von vorn herein zu vermeiden.

          Ziemlich wahrscheinlich, dass Aaron Rodgers, der Quarterback der Green Bay Packers, das Papier zumindest überflogen hat, ehe er zu Beginn der Saison beschloss, sich im Unterschied zu den 93 Prozent seiner Kollegen in der National Football League nicht gegen das Covid-19-Virus impfen zu lassen. Denn die Abmachung gestattet dies ausdrücklich. Sie enthält aber auch einen Bußgeldkatalog, der einen Mann wie Rodgers, der in diesem Jahr 22 Millionen Dollar verdient, nicht weiter beeindruckt haben dürfte: Die Strafe für einen ersten Verstoß beträgt 14.650 Dollar.

          Weshalb der 37-Jährige auch ziemlich ausgeruht klang, als er sich am Freitag vom Sofa seines Hauses in einem Vorort von Green Bay per Video bei der täglichen Talkshow des ehemaligen NFL-Punters Pat McAfee meldete. Gerade mal einen Tag davor war bekannt geworden, dass er positiv auf Corona getestet und mit einer mindestens zehn Tage langen Quarantäne belegt worden war. Der Auftritt offenbarte, dass Rodgers aber nicht nur etwas gegen die NFL-Vorschriften hat („Einige der Regeln beruhen nicht auf Wissenschaft”), sondern eine komplett andere Weltsicht vom Kampf gegen die Pandemie, die bisher allein in den Vereinigten Staaten 754.000 Menschen das Leben gekostet hat.

          Rodgers: „Ich bin immunisiert“

          So hatte er Wochen zuvor der Liga „mehr als 500 Seiten an Recherchen“ über das Tragen von Masken und die Wirksamkeit der Impfstoffe gegeben, gegen die er angeblich allergisch sei. Er habe sein Immunsystem mit homöopathischen Mitteln gestärkt. Und er hatte sich bei angeblichen Experten Alternativen empfehlen lassen, wie die Behandlung mit dem Medikament Ivermectin, das in der Veterinärmedizin zur Entwurmung von Pferden eingesetzt wird.

          Zumindest wurde deutlich, warum der Super-Bowl-Gewinner von 2011 und seine Geistesgenossen verbissen gegen Auflagen zum Schutz der Allgemeinheit sind und das Risiko in Kauf nehmen, sich und andere anzustecken: Sie suchen sich ihre eigenen Wahrheiten selektiv zusammen. Alles, damit sich ihre Antihaltung irgendwie argumentativ untermauern lässt.

          Spiele der NFL sind ein Spektakel – für Fans und Spieler gleichermaßen. Öffnen
          Regeln, Positionen, Begriffe : Was Sie über Football wissen müssen Bild: Picture-Alliance

          Ein erster Werbepartner sah sich nur einen Tag später angesichts solcher Beharrlichkeit unter Zugzwang. Noch am Samstag kündigte Prevea Health, ein Netzwerk aus mehr als 400 Arztpraxen und Kliniken im Bundesstaat Wisconsin, den Vertrag mit Rodgers. Der Werbeexperte Michael Mirer, Professor an der Universität von Wisconsin in Milwaukee, vermutet, dass diese Reaktion noch nicht alles war: „Rodgers’ Problem ist, dass er als unehrlich wahrgenommen wird.“ Der hatte nämlich gegenüber Journalisten vor wenigen Wochen die Frage, ob er geimpft sei, irreführend so beantwortet: „Ich bin immunisiert.“

          Das Teammanagement, obwohl im Bild über seinen tatsächlichen Impfstatus, hatte diese Aussage nie korrigiert und steht nun ebenfalls in einem schlechten Licht dar. Auch auf dem Spielfeld hatte die Angelegenheit prompt Konsequenzen: Ohne Spielmacher Rodgers, der von Ersatzmann Jordan Love vertreten wurde, verloren die ursprünglich favorisierten Packers am Sonntag gegen die Kansas City Chiefs 7:13.

          Unklar ist bislang, wie sich der Quarterback angesteckt hat. Seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Shailene Woodley, hat sich bereits vor einer Weile als Anhängerin von alternativer Medizin geoutet. Zu ihren Ambitionen gehört es, selbst geschöpftes Bergquellwasser zu trinken, Zahnpasta und Naturheilmittel persönlich herzustellen und Produkte der Pharmaindustrie zu meiden. Eine Rolle bei den Recherchen der Liga spielt eine Halloween-Party, die sowohl Rodgers als auch die Packers-Spieler Marcedes Lewis und Randall Cobb besucht hatten – ein möglicher Verstoß gegen die Pandemieregeln der NFL für ungeimpfte Spieler.

          Zu den Kuriositäten des Talkshow-Auftritts von Rodgers gehört sein T-Shirt. Es zeigt das stilisierte Gesicht des Schauspielers Val Kilmer und ein Zitat aus dem Hollywood-Film „Tombstone“: den Macho-Spruch, den die Wildwest-Legende Doc Holliday vor einem Revolver-Duell einem Rivalen zuruft: „Say when ...“. Doc Holliday starb im Alter von gerade mal 36 nicht an einer Kugel, sondern an einer ansteckenden Krankheit, die genauso übertragen wird wie Covid-19 – an Tuberkulose.

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